„Die Grenze ist überschritten“

Bremen geht mit neuer Ermittlungsgruppe gegen Straßendealer vor

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Zwei Männer bei der Übergabe eines Tütchens Marihuana. Was hier eine gestellte Szene ist, kommt in Bremen täglich hundertfach vor. Die Polizei versucht den stärken werdenden Straßenhandel einzudämmen.

Bremen - Von Ralf Sussek. Heroin, Kokain, Marihuana – diese Drogen kann man in Bremen am Bahnhof und im Viertel auf offener Straße kaufen. Was auch tagtäglich geschieht. Die Polizei will den immer offener werdenden Straßenhandel mit intensiven Maßnahmen eindämmen.

Eine neu gegründete Einheit soll dazu den Ermittlungs- und Verfolgungsdruck erhöhen. „Wir wollen verhindern, dass es in Bremen eine offene Drogenszene gibt“, sagte der Leiter der Schutzpolizei in Bremen, Rainer Zottmann, am Mittwoch bei der Vorstellung der Regionalen Eingreif- und Ermittlungsgruppe (REGG) „Straßendeal“. Die im Kern sieben Beamte zählende Gruppe soll gemeinsam mit der Schutzpolizei in der Bahnhofsgegend und im Ostertorviertel gegen Straßendealer vorgehen. 

„Die Straßendeal-Szene hat sich verändert“, erklärte Zottmann. Seit längerer Zeit habe man am Bahnhof Probleme, insbesondere mit Dealern aus den Maghreb-Staaten (Tunesien, Algerien und Marokko). Viele Bremer, Pendler und Touristen empfänden es als „unerträglich“, an den Dealern vorbei durch die Bahnhofstraße Richtung City zu laufen.

Zweiter Brennpunkt im Viertel 

Zweiter Brennpunkt, ergänzte der Leiter der zuständigen Polizeiinspektion Mitte/West, Derk Dreyer, sei das Viertel im Bereich Dobben bis Ziegenmarkt. „Neue Schwarzafrikaner suchen sich neue Märkte“, so Zottmann. In dieser Woche habe die sechsmonatige REGG-Projektphase begonnen. Und es gebe bereits erste Erfolge. 

Der Leiter der Bremer Schutzpolizei, Rainer Zottmann (Mitte), stellt mit dem neuen Inspektionsleiter und zuständigen Polizeiführer, Derk Dreyer, und der Polizeisprecherin Ines Roddewig die neue "Regionale Eingreif- und Ermittlungsgruppe Straßendeal" (REEG) vor.

Dreyer schätzt die Zahl der Straßendealer in Bremen auf etwa 180. Die sich wie folgt verteilen sollen: 100 Erwachsene („über 18“) aus Bremen, 40 aus dem Rest der Republik, weitere 40, vornehmlich Westafrikaner, aus anderen Ländern. Dazu kommen noch bis zu 50 nicht volljährige Straßendealer. Eine Zahl, die erhöhten Handlungsbedarf zeigt. 

„Was wir in den vergangenen 20 Jahren an Drogenhandel in Bremen hatten, ist jetzt überschritten“, sagte Zottmann. Die Dealer würden zudem aggressiv „gegen Bevölkerung, Einzelhändler und Polizeibeamte“. Das Konzept besteht darin, gezielt gegen sogenannte Top-Täter zu ermitteln. Mit der Aktion „Honigtopf“ sei es vor einiger Zeit gelungen, in die mittlere Händlerebene vorzudringen, so Zottmann. So soll es nun weitergehen.

Neue Methodik mit Testkäufern

Von dem neuen Konzept solle das Signal an Dealer ausgehen: „Es lohnt sich nicht, hier nach Bremen zu kommen.“ Mit der REGG wolle man die „Ermittlungskomponente“ stärken, so Zottmann. Um so auch die nötigen Beweise für Strafverfahren oder Haftbefehle zu beschaffen. Darum werden nun auch Testkäufer aus den Reihen der Polizei eingesetzt.

Im Vergleich zum Vormonat hat die Polizei für Maßnahmen bei der Drogenbekämpfung ihre Einsatzstunden fast verdoppelt. So seien aus 3.543 Stunden im Oktober im November 6.395 Einsatzstunden geworden, sagte Dreyer. Im gesamten Jahr (bis einschließlich November) hätten die Beamten mehr als 9.500 Personen überprüft, 733 Tatverdächtige ermittelt, mehr als 1.000 Strafanzeigen gefertigt, hieß es. 

Außerdem seien 994 Platzverweise und Aufenthaltsverbote ausgesprochen worden. Zweifel an der Akzeptanz solcher Ordnungsverfügungen ließ Zottmann nicht aufkommen: „Beim ersten Mal wird noch gelächelt, doch nach dem ersten Gewahrsam wegen eines Verstoßes gegen die Auflagen wird das ernst genommen.“

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