Von Schülern und Ehrenamtlichen

„Wohlfühlmorgen“ mit Massagen für Obdachlose und andere Bedürftige

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Servieren beim „Wohlfühlmorgen“ das Frühstück: Vivien (15) und Sandra (17), Schülerinnen der St.-Johannis-Schule.

Markus aus Bremen entspannt sich, während die Hände von Shiatsu-Praktikerin Brigitte Woiczik über seinen Rücken gleiten. Besonders oben ist der verspannt, denn Markus geht schon lange an Krücken. 200 wohnungslose und bedürftige Menschen können sich am Samstag beim „Wohlfühlmorgen“ in der katholischen St.-Johannis-Schule mal so richtig verwöhnen lassen.

Bremen - Markus erzählt vom 15. August 1985, als er, damals 13  Jahre alt, in Syke von der Museumsbahn überfahren wurde. Er habe im Garten gespielt und wollte mal eben ein Eis kaufen. Dann sei es ganz schnell gegangen. 20 Jahre habe er in seinem Leben bei der Werkstatt Bremen gearbeitet. Noch heute versucht er, auf seinen Krücken ein möglichst vielseitiges Leben zu führen. Er mache viel mit dem Computer und gehe auf Konzerte. „Manchmal bin ich acht Stunden unterwegs“, sagt er.

Die Shiatsu-Praktikerin macht kreisende Bewegungen. Allmählich lockert sich die Muskulatur. Woiczik drückt mit den Fingern und geht die Wirbelsäule entlang. Wie lange die Wirkung anhält, weiß sie nicht. Das komme darauf an, wie Markus sich verhält.

Auch Podologin Judith Schwitzig (45) aus Worpswede hat gut zu tun. „Es geht oft um Schmerzbehandlung“, sagt sie. Dazu gehört die Entfernung von Hühneraugen oder auch um verdickte Nägel, die mitunter in die falsche Richtung wachsen und die Form von Papageienschnäbeln annehmen. Das läge oft an Durchblutungsstörungen.

Ihre 82 Jahre alte Besucherin kennt das aus eigener Erfahrung und erzählt von Herzproblemen. Schwitzigs Kollegin Karen Bodenstab (47) aus Hannover hat der Bremer Rentnerin Barbara (76) gerade ein Hühnerauge entfernt. Barbara ist begeistert: „Das ist alles wunderschön hier.“

Ärztin bei Wohlfühlmorgen in Bremen: „Sie haben oft Riesenwunden“

40 Ehrenamtliche sind im Einsatz beim achten „Wohlfühlmorgen“, an dem neben der St.-Johannis-Schule auch die Malteser mitwirken. Neben sechs gut beschäftigten Podologen, einem Zahnarztmobil und einer Duschgelegenheit sind auch ein Friseur und die Ärztin Gabriele Steinbach dabei, die mit 71 Jahren eigentlich schon im Ruhestand ist. Sie betreut auch sonst Obdachlose. „Sie haben oft Riesenwunden, zum Beispiel offene Beine, aber man bekommt sie nicht zum Arzt“, sagt sie. Oft müsse sie diese an die Hand nehmen.

Im Wartebereich sitzt Holger (65), mit seinem Schwerbehindertenausweis aus Lesum hergefahren. Er habe Herzprobleme und sei labil, sagt er. Er würde es sich wünschen, dass es mehr als einen „Wohlfühlmorgen“ im Jahr gebe. Es sei gut für die Obdachlosen, hier eine umfängliche Betreuung zu haben. Die 200 Bedürftigen bekommen auch ein üppiges Frühstück, gespendet vom Atlantic Grand Hotel und serviert von freiwillig arbeitenden Schülern der St.-Johannis-Schule. Vivien (15) serviert Croissants. „Es macht Spaß, das zu ermöglichen“, sagt sie. Sandra (17) bringt Käse und sagt: „Ich finde es selbstverständlich zu helfen, wenn man die Möglichkeit dazu hat.“ .

Schulleiter Jan-Andrees Dönch (50) blickt freudig ins Geschehen und auf die sozial engagierten Schüler. Er findet es wichtig, dass die Schüler nicht nur für sich lernen, sondern auch dahin kommen, sich mit allen Menschen wohlzufühlen. „Sie sollen die gesamte Breite der Gesellschaft kennenlernen.“

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