Untersuchungsausschuss: Todesfälle sind das Ende einer langen Fehlerkette

Bremen wird den Keim nicht los

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Blick in die inzwischen geschlossene Frühchen-Station am Klinikum Bremen-Mitte: Die Neonatologie wurde den multiresistenten Keim nicht los. ·

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Ein Thema, das Bremen bereits 2011 beschäftigt hat, beherrschte auch im zu Ende gehenden Jahr die Schlagzeilen: der Keimskandal am Klinikum Mitte. Er kostete drei Frühchen das Leben, mehr als 20 erkrankten am multiresistenten ESBL-Keim. Die Früchen-Station ist weiterhin geschlossen.

Der Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft hat sich monatelang durch Akten gelesen. Sein Fazit im Abschlussbericht: Die Todesfälle sind das Ende einer langen Fehlerkette.

Der Ausschuss spricht von unzureichender Personalausstattung, von Unterfinanzierung der Klinik. Er hält aber auch fest: Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) ist keine persönliche Schuld nachzuweisen.

Nach den Todesfällen im Vorjahr wird die Frühchen-Station am Klinikum Mitte für 250 000 Euro komplett saniert und im Januar wiedereröffnet. Der Chef der Kinderklinik, der renommierte Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz, muss gehen – zu Unrecht, befindet später das Arbeitsgericht. Huppertz bekommt seinen alten Posten zurück. Die Sanierung der Station unterdessen nützt nichts, im Februar taucht der identische ESBL-Keim wieder auf. Diesmal beurlaubt Jürgens-Pieper den Chef der Klinik-Holding Gesundheit Nord (Geno), Dr. Diethelm Hansen. Er weist jegliche Verantwortung von sich. Neue Geschäftsführerin wird Jutta Dernedde, bis dahin Chefin am Klinikum Ost. Die Frühchen-Station wird geschlossen, das Klinikum Links der Weser (LdW) übernimmt die Versorgung.

Mehrere Experten bemühen sich, die Ursache des Keims ausfindig zu machen – vergeblich. Es könnte ein Biofilm in der Desinfektionsanlage sein, aber eindeutig ist das nicht. Immer wieder ist vor dem Untersuchungsausschuss die Rede von schweren Hygienefehlern. Zum Ende des Jahres steckt vor allem das Klinikum Mitte (an dessen Neubau kräftig weitergearbeitet wird) durch den Keimskandal und den Vertrauensverlust tief in den roten Zahlen. Der neue Gesundheitssenator Hermann Schulte-Sasse (parteilos) spricht von Verlusten in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro, die die Geno allein nicht stemmen kann. Jürgens-Pieper hat nicht etwa im Zuge des Keimskandals das Handtuch geworden. Sie kündigt erst Ende November ihren Rücktritt an, als sie sich in der Bildungspolitik von der rot-grünen Koalition im Stich gelassen sieht. Rot-Grün nutzt die Chance des Rücktritts, das problembehaftete Ressort zu teilen. Gesundheit übernimmt im Dezember der frühere Staatsrat Schulte-Sasse, Bildung/Wissenschaft die bisherige Bevollmächtigte Bremens beim Bund, Eva Quante-Brandt (SPD).

Mächtig von sich reden macht in diesem Jahr auch die Bremer CDU. Nein, nicht etwa als starke Opposition mit umwerfenden politischen Ideen. Bei den Christdemokraten kracht es ordentlich. Rita Mohr-Lüllmann verdrängt Thomas Röwekamp, wird zunächst kommissarisch, dann im März offiziell Landesvorsitzende. Er bleibt Fraktions-chef. Beide zoffen sich unentwegt, die Partei zerfällt in Lager, beschäftigt sich fast ausschließlich mit dem internen Streit. Ab Ende September wird es immer ärger zwischen den Kontrahenten. Dann soll Mohr-Lüllmann der Bremerhavener CDU auch noch „kriminelle Machenschaften“ vorgeworfen haben, was sie entschieden bestreitet. Doch sie verliert den Rückhalt im Landesvorstand, tritt Ende Oktober entnervt zurück, gibt später auch ihr Mandat in der Bürgerschaft zurück. Neuer CDU-Landes-chef wird der frühere Wirtschaftssenator Jörg Kastendiek, der sich aus dem Streit weitgehend herausgehalten hat. Er holt Jens Eckhoff und Elisabeth Motschmann als Stellvertreter mit ins Boot. Nach ersten Anzeichen scheint die CDU wieder in ruhigere Fahrwasser zu kommen – allerhöchste Zeit, sich aufs Politikgeschäft zu besinnen.

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