Erster Teil der „Premiumroute“

Freie Fahrrad-Fahrt am Wall – für Autofahrer bleibt nur eine Einbahnstraße

Blick in die Zukunft: So soll der Wall ab Herbst 2022 aussehen – links Parkstreifen und Einbahnstraße für Autos, daneben zwei Fahrspuren für Räder.
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Blick in die Zukunft: So soll der Wall ab Herbst 2022 aussehen – links Parkstreifen und Einbahnstraße für Autos, daneben zwei Fahrspuren für Räder.
  • Thomas Kuzaj
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Bremen – Jetzt geht’s los auf dem Weg in Bremens Fahrrad-Zukunft – und das mitten in der Stadt. Bis 2022 soll auf der Straße Am Wall Bremens erste geschützte Radspur entstehen. Der „Wall-Ring“ ist ein Teil der 43 Kilometer langen „Fahrrad-Premiumroute“, die von Farge im Bremer Norden bis nach Mahndorf reicht. Für Autofahrer wird der bislang zweispurige Wall dann zur einspurigen Einbahnstraße.

Von der AOK-Kreuzung bis zur Kunsthalle wird es nur noch eine Spur für Autos und Lastwagen geben. „Wir sehen klare Vorteile für die Variante, die den Verkehr von der AOK-Kreuzung in Einbahnstraße bis zum Ostertor führt: Es kommt zu weniger Störungen an der AOK-Kreuzung und am Herdentor und die für den örtlichen Handel am Wall wichtigen Parkplätze bleiben erhalten“, sagt Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne).

90 Prozent aller Wall-Kunden kommen übers Herdentor, sagt Schaefers Sprecher Jens Tittmann. „Das können sie in Zukunft immer noch.“ Und damit auch vor den Wall-Geschäften parken.

Handelskammer Bremen stinksauer

Die Handelskammer lehnt die Einbahnstraßenregelung „entschieden ab“, Schaefers Vorgehen sei „inakzeptabel“, hieß es. Von einer Einbahnstraßenregelung sei Wirtschaftsvertretern gegenüber „bisher nie die Rede“ gewesen, so Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger. Die Kammer werde deshalb prüfen, ob sie die Zusammenarbeit mit dem Ressort in der bisherigen Form fortsetze. Die Einbahnstraßenregelung sei eine Einschränkung des Verkehrs „gerade auch für Kunden aus dem Umland“.

Die zweite Wall-Autospur – jene also, die zu den Wallanlagen hin liegt – wird zur Fahrradroute. Wiederum daneben verläuft der bisherige Radweg, den es ebenfalls weiterhin gibt. So haben Radfahrer zwei Spuren, für jede Fahrtrichtung eine. Zudem haben sie auf beiden Spuren genügend Platz zum Überholen. Die neue, zusätzliche Fahrradspur wird von der Autospur baulich abgegrenzt – wie genau, ist jetzt Thema der Detailplanung in Absprache mit verschiedenen Beteiligten, beispielsweise mit der Polizei. Die Radspur wird rot gekennzeichnet. Damit hat Bremen seinen ersten geschützten Radweg („Protected Bike Lane“).

Bremen bekommt Geld vom Bund

Die Wall-„Premiumroute“ kostet etwa fünf Millionen Euro. Das Bundesumweltministerium fördert den Ausbau der Fahrradroute, die insgesamt als Ring über die Wallanlagen um die Innenstadt herum verläuft. Die Förderung stammt aus dem Bundeswettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“. Insgesamt gibt der Bund 3,8 Millionen Euro dazu. „Dass es Bremen gelungen ist, einen Großteil der Baukosten über den Bund zu finanzieren, unterstreicht die Qualität der Planungen“, sagt Ralph Saxe, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Bürgerschaftsfraktion.

Schaefers Sprecher Tittmann sieht in den fünf Millionen Euro Gesamtkosten derweil auch „ein Konjunkturprogramm für bremische Tiefbauunternehmen“. Mit dem Umbau soll im Sommer 2021 begonnen werden, im Herbst 2022 soll der neue Wall freigegeben werden.

Die komplette „Fahrrad-Premiumroute“ dürfte, so die Erwartung, 2023/24 im Großen und Ganzen fertig werden. „Die Streckenführung ist in weiten Teilen mit den Beiräten abgestimmt“, sagt Tittmann. Klärungsbedarf gebe es noch im Grünzug West (Gröpelingen), in Vegesack und im Bereich der Woll-Kämmerei (Blumenthal). Geplant werden muss zudem eine Fahrrad-Unterführung in Höhe der „Erdbeerbrücke“ (Hastedt/Habenhausen).

„Premuimroute“ in Bremen kostet ungefähr 20 Millionen Euro

Die „Premiumroute“ von Farge bis Mahndorf wird etwa 20 Millionen Euro kosten. Das entspreche 0,46 Millionen Euro pro Kilometer, so Tittmann. Und er vergleicht: „Eine Bundesstraße kostet 4,5 Millionen Euro pro Kilometer, eine Autobahn zehn Millionen Euro pro Kilometer.“

Sven Eckert, der Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), sieht im neuen „Wall-Ring“ ein „Herzstück“ des zukünftigen Premiumroutennetzes. Denn: „Er verknüpft die ,Premiumroute‘ von Bremen-Nord bis Mahndorf mit der ,Premiumroute‘ von Lilienthal bis Huchting.“ Im Verkehrsentwicklungsplan von 2015 – Grundlage der Verkehrsplanung bis 2025 – wurden insgesamt neun „Fahrrad-Premiumrouten“ festgelegt, eine von ihnen führt von Obervieland bis zum Güterverkehrszentrum. Sie soll auch Pendlerverkehre aus Weyhe und Thedinghausen (etwa mit Pedelecs) anlocken.

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