Übergriffe und Beschwerden

Vorwürfe gegen aggressive Verkäufer der „Zeitschrift der Straße“ in Bremen

Mit der Bremer „Zeitschrift der Straße“ können sich Menschen in Not etwas Geld verdienen
+
Mit der Bremer „Zeitschrift der Straße“ können sich Menschen in Not etwas Geld verdienen

Beschwerden über Drohungen von Verkäufern des Bremer Stadtmagazins „Zeitschrift der Straße“ häufen sich. Jetzt wurde der Sanktionskatalog verschärft.

Bremen – Schwere Vorwürfe werden gegen Verkäuferinnen und Verkäufer der Bremer Obdachlosenzeitung „Zeitschrift der Straße“ erhoben. Aggressiv, bedrohlich und mit gefälschten Ausweisen sollen einige auftreten, so berichtet es das Nachrichtenmagazin „butenunbinnen.de“. Deswegen hat sich das Projektteam des Magazins vor wenigen Wochen für einen Aufnahmestopp von nicht-deutschsprachigen Verkaufsanwärtern und Verkaufsanwärterinnen entschieden.

Bundesland:Freie Hansestadt Bremen
Fläche:419,38 Quadratkilometer
Einwohner:680.130 (Stand: 31. Dezember 2020)
Regierungschef:Andreas Bovenschulte (SPD)

„Generell nehmen wir vermehrt Bürgerinnen und Bürger im Hilfesystem wahr, die keine leistungsrechtlichen Ansprüche stellen können. Diese kommen etwa aus Rumänien, Polen und Bulgarien“, schildert Katharina Kähler, Bereichsleiterin des Vereins für Innere Mission in Bremen, die derzeitige Situation. „Wir nehmen durchaus wahr, dass in den letzten zwei Jahren es deutlich mehr EU-Bürger gibt, die in Deutschland Zuflucht suchen.“

Den Aufnahmestopp nicht-deutscher Verkaufenden begründet sie mit den begrenzten Ressourcen. Es könne derzeit nicht sichergestellt werden, dass Interessierte ausreichend informiert würden. Zu wenig Zeit und zu wenig Dolmetscher stünden zur Verfügung.

Schärfere Regeln für Verkäuferinnen und Verkäufer der Obdachlosenzeitung

Die Beschwerden häuften sich zurzeit vor allen Dingen bezüglich Konkurrenz zwischen Verkaufenden, der Art und Weise der Ansprache sowie Übergriffigkeiten und Bedrängung. „Das ist natürlich nicht zu tolerieren“, stellt Kähler klar. Deswegen sei der Sanktionskatalog, der auf der Website der Zeitung in deutsch, rumänisch und englisch abgerufen werden kann, verschärft worden.

Darin wird unter anderem erstmalig geregelt, dass Verkaufende einen Platz, wo sie die Zeitung verkaufen dürfen, zugewiesen bekommen. „Allerdings können wir das nicht überprüfen. Aber wir hoffen, damit die Situation im Viertel, wo es vermehrt zu Beschwerden kam, etwas entspannen zu können“, so die Bereichsleiterin.

„Wer die ‚Zeitschrift der Straße‘ verkauft, darf nicht berauscht oder betrunken sein“, heißt es unter anderem in dem Sanktionskatalog. Weiter sei es nicht erlaubt, andere Verkaufende zu bedrohen oder von ihren Verkaufsplätzen zu vertreiben. In Gaststätten, Cafés und Biergärten dürfe die Zeitung nur mit Genehmigung des Betreibers angeboten werden. Dabei soll der Ausweis offen sichtbar getragen werden. „Fällt jemand vermehrt auf, suchen wir erst das Gespräch bis hin zur Sperrung als Verkaufender.

Bundesregierung will wohnungslose Menschen zählen

Wie viele Menschen obdachlos oder wohnungslos in Bremen leben, ist unklar. „Die Schätzungen liegen zwischen 500 bis 700“, erklärt Kähler. Im nächsten Jahr soll es eine Erfassung von wohnungslosen Menschen durch die Bundesregierung geben. Die Not sei größer geworden - „sowohl beim Thema Drogenkonsum als auch Verelendung und prekäre Beschäftigungsverhältnisse - akut verschärft durch Corona.“ Dadurch nehme sie auch insgesamt eine angespanntere Stimmungslage wahr. „Das heißt aber nicht, dass jedes Verhalten infolgedessen grenzenlos tolerierbar ist“, stellt sie klar.

Auch der Geschäftsführer der Bremer Suppenengel, Peter Valtink, bestätigt, dass Osteuropäer in Bremen Zuflucht suchen, bereits seit vielen Jahren. Täglich versorgt der Verein 250 Menschen an fünf Ausgabeorten mit einer frisch gekochten Mahlzeit. Mehr Streitereien zwischen den Bedürftigen habe er nicht wahrgenommen - „Den Leuten geht es ohnehin schlecht genug“, so Valtink. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Obdachlosenzeitung für Bremen

Die „Zeitschrift der Straße“ ist das Bremer Straßenmagazin und ein gemeinsames Projekt von Studierenden, Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, Journalisten, freiwillig sozial Engagierten, von Wohnungslosigkeit und Armut bedrohten oder betroffen Menschen, Hochschuldoziernden und Streetworkern. Die Zeitschrift wird auf der Straße verkauft: Obdachlose und Bedürftige, die einen Verkäuferausweis besitzen, können täglich bis zu 30 Exemplare für 1,40 Euro beim Büro der Zeitschrift der Straße erwerben. Sie dürfen diese dann für 2,80 Euro auf der Straße an Passanten verkaufen und den Gewinn behalten.  Derzeit sind rund 80 Verkaufende bei dem Magazin registriert.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“
Polizei Bremen schließt Bars und Discos

Polizei Bremen schließt Bars und Discos

Polizei Bremen schließt Bars und Discos
Bremen wechselt in den Lockdown für Ungeimpfte

Bremen wechselt in den Lockdown für Ungeimpfte

Bremen wechselt in den Lockdown für Ungeimpfte
Booster-Impfungen in Bremen: Hier gibt‘s den Termin zum Corona-Schutz

Booster-Impfungen in Bremen: Hier gibt‘s den Termin zum Corona-Schutz

Booster-Impfungen in Bremen: Hier gibt‘s den Termin zum Corona-Schutz

Kommentare