Die Geschichte von Moderatorin Rieke Bargmann

Ganz weit weg vom Alltag - vom Radio-Mikro auf Weltreise

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Sichtlich Freude hatte Rieke an der Begegnung mit jungen Alpakas in Südamerika.

Von Jan Dirk Wiewelhove. Schluss, vorbei, es reicht – ich muss hier raus. So oder so ähnlich geht es wohl vielen von Zeit zu Zeit. Doch bei den meisten verfliegt dieser Wunsch wieder. Nicht so bei der Bremerin Rieke Bargmann. Sie kündigte ihre Wohnung, verkaufte das Auto, gab einer Freundin ihre Katzen und zog los in die Welt.

Zwei Jahre sind seit diesem Entschluss vergangen, unzählige Kilometer legte sie seitdem zurück, besuchte viele Länder in Asien sowie in Nord- und Südamerika. Sie traf faszinierende Menschen, paddelte mit Walen, ging durch Urwälder und karge Felslandschaften. Noch immer ist sie auf Reisen, seit Oktober 2016 mit ihrem Freund Torsten Wiecker (41) aus Buchholz in der Nordheide, der seinen Job als Führungskraft bei einer Hamburger Firma kündigte.

Langsam neigt sich der Trip dem Ende entgegen – zumindest vorläufig. Denn Mitte Mai will das Paar Südamerika hinter sich lassen und in die Heimat zurückkehren. Der Grund ist ein freudiger, denn sie werden Eltern. „Wenn es dem Baby gut geht, würden wir noch ein paar Monate nach Norwegen fahren“, sagt Rieke, die das Reisefieber nicht loslässt.

„Ich war einfach durch“

Der Entschluss aus dem Alltag auszubrechen, fiel im April 2015. „Ich befand mich in einer körperlich bescheidenen Phase“, erinnert sich Rieke, die sechs Jahre lang als Radiomoderatorin bei „Bremen Vier“ arbeitete und in der Morgenshow zu hören war.

Sehr viel Arbeit, keine Party ausgelassen, zu wenig Schlaf und eine Magenschleimhautentzündung - „ich war einfach durch“, erinnert sich Bargmann. „Ich brauchte einfach eine Pause“, deshalb suchte sie das Gespräch mit ihrem Chef.

Sowohl Familie als auch Freunde und Kollegen unterstützten das Vorhaben der 37-Jährigen, die Welt zu bereisen. Erst danach brachte sie ein Bekannter mit Torsten zusammen, Zunächst wehrte sie sich, jetzt werden sie Eltern.

Sanfter Einstieg ins Leben eines Backpackers

Tief beeindruckt war Rieke von der hautnahen Begegnung mit Elefanten in Asien.

Schnell noch Hab und Gut aussortiert, eingelagert oder verkauft, ihr Rad wurde noch wenige Tage vor Abflug im Bremer Viertel geklaut, dann ging es im Oktober 2015 ab nach Thailand. Damit der Abschied nicht allzu schwer fiel, reiste die ersten drei Wochen eine Freundin mit. Das sei „ein sanfter Einstieg in das Leben des Backpackers“ gewesen.

Die Paddeltouren in Kanada gehören zweifelsohne zu den Höhepunkten der Reise.

Über die Philippinen, Neuseeland und Costa Rica reiste sie nach Kanada. Dort hielt sie es alleine auch am längsten aus, ganze fünf Monate verbrachte sie in diesem riesigen Land. Dort fühle sie sich heimisch, sagt sie. „Die raue Westküste Kanadas mit ihren sattgrünen, unendlichen Wäldern, dem klaren Meer und den aufrichtig, herzlichen Menschen hat mir schlichtweg mein Herz gestohlen. Weißkopfseeadler und Schwertwale haben ihr übriges getan“, sagt die Weltenbummlerin.

Gelernt, die Ruhe zu genießen

Die Ruhe der Natur zu genießen, lernte die Moderatorin erst so richtig während ihrer Reise.

Als besondere Erfahrung bezeichnet Rieke ihre Solo-Zeit auf Reisen. „Ich war sehr glücklich darüber. Denn so habe ich gelernt, Ruhe zu genießen und ich konnte das erste Mal in meinem Leben nur mit mir sein“, sagt die werdende Mutter.

In ihrem Freund Torsten wuchs das Gefühl von Fernweh regelrecht an, je länger Rieke unterwegs war. Deshalb entschied sich das Paar, gemeinsam die Koffer zu packen. Nach dreimonatiger Pause in der Heimat, machten sich Rieke und Torsten im Oktober 2016 gemeinsam auf. Ihr Ziel: Von Vancouver in Kanada wollten sie an die äußerste Südspitze Südamerikas nach Patagonien reisen. Ein robustes, liebenswürdiges Fahrzeug musste her.

Mit „Wilma“ über Kontinente hinweg

Torsten und Rieke restaurierten den Campervan namens „Wilma“ liebevoll, bevor es auf große Reise von Kanada in den Süden Chiles ging.

Gefunden haben sie „Wilma“, einen Chevy Campervan, Baujahr 1989. Anschaffung, ein Werkstatt-Check und eine Aufmöbelungsaktion kosteten 10.000 Dollar, dann war das Gefährt bereit für den großen Roadtrip über mehrere Kontinente hinweg. 

Was seitdem folgte, war eine Zeit voller neuer Erfahrungen, Begegnungen und Eindrücke. Seien es die Menschen in Südamerika, „die eine ganz andere Entspanntheit mit sich tragen, als wir in Deutschland“, oder auch „ein gewisser Stolz auf das Heimatland der jeweiligen Menschen“, den Rieke und Torsten spürten, auch wenn ihre Spanisch-Kenntnisse nicht immer reichten, den vielen Gesprächen so ganz folgen zu können.

Faultiere und Aras in freier Wildbahn

Einfach mal abhängen - dieses Faultier hing direkt neben einer Straße in Costa Rica und ließ sich von Rieke und Torsten nicht beirren.

Neben den netten Begegnungen ist das Pärchen immer wieder fasziniert von der Natur selbst. Es fällt den beiden schwer, ein „Best of“ zu erstellen, versuchen es für uns aber dennoch. Sie denken an die Westküste der Vereinigten Staaten – rau, wild, schön – oder an Costa Rica. Dieses Land biete eindeutig die bunteste Artenvielfalt überhaupt, wo Faultiere neben der Straße am Stacheldrahtzaun hängen. „Dort wollte ich auch unbedingt hin, weil ich immer davon geträumt habe, rote Aras in freier Wildbahn fliegen zu sehen“, schwärmt Rieke vor.

Der große Salzsee „Salar de Uyuni“ in Bolivien war mit Worten nur schwer zu beschreiben, ist sich das Paar einig.

Auf einer völlig anderen Weise beeindruckt hat sie der Salzsee „Salar de Uyuni“ in Bolivien. „Wenn man bis zum Horizont nur weißes Nichts sieht und die Sonne brennt, dann ist das schon ziemlich unbeschreiblich.“ Aber auch die Kajaktour in Kanada, bei der sie Buckelwale beobachten konnte, hat es den Reisenden angetan. Nicht zu vergessen sind die Insellandschaften samt der großen Korallenriffe auf den Philippinen. Rieke und Torsten kommen nur schwer aus dem Schwärmen heraus.

Berge von Müll schockierten das Pärchen

Doch auch die dunklen Seiten des Lebens haben sie erlebt. „Besonders im Norden Kolumbiens, in Ecuador und in Peru haben wir unfassbar viel Müll gesehen. Der liegt einfach überall. Kleine Kinder spielen in den Bergen von Müll und niemand scheint sich dafür verantwortlich zu fühlen.“ 

Besonders erschreckend sei es in Cartagena (Kolumbien) gewesen, wo am Strand Pelikane knietief im Plastik standen, die nur durch eine Straße vom örtlichen Fischmarkt getrennt waren. Dort lagen die frischen Thunfische ungeschützt in der Sonne auf Holztischen. Wieso die Menschen so sorglos mit ihrer Umwelt umgehen, haben die Abenteurer trotz vieler Gespräche mit Einheimischen nicht verstanden.

Geduld will gelernt werden

Worauf sich die Deutschen erst einlassen mussten, war das geduldige Warten bei Behördengängen sowie an Grenzübergängen. „Es ist eine gute Herangehensweise, immer viel Zeit und Geduld mitzubringen“, sagt Rieke. Der Grenzübertritt von Kolumbien nach Ecuador kostete die Camper geschlagene sechs Stunden.

Faszinierende Bilder einer Weltreise von Rieke und Torsten

Sich von beruflichen und privaten Terminen hetzen zu lassen, ist genau das, was den Abenteurern schwerfallen könnte, wenn sie Mitte Mai in den Norden Deutschlands zurückkehren. Aber auch das werde das Paar mit der neu gewonnenen Entspannung schon meistern.

Vorfreude auf Kino und Mettbrötchen

Schließlich freuen sie sich auf die Heimat, Torsten auf den Umstand, „dass ich das Klopapier mal wieder in die Toilette werfen kann“ und Rieke auf Kino und ein frisches Mettbrötchen.

Eine Rückkehr auf Zeit soll es werden. Wenn das Kind gesund auf die Welt gekommen ist und sich Neu-Mutter Rieke erholt hat, peilt die Familie eine Reise nach Norwegen an, bevor sie im Jahr 2018 in den beruflichen Alltag zurückkehren wollen.

Es bleibt spannend und kreiszeitung.de bleibt dran.

Erlebnis-Blog von Rieke und Torsten

Die neuesten Erlebnisse von Rieke und Torsten sind auf ihrem Blog nachzulesen. Auch die Facebook-Nutzer können sich über regelmäßige Updates freuen.

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