Motiv ja, Beweise nein

Staatsanwalt fordert im „Mordfall ohne Leiche“ Freispruch für den Angeklagten

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Auf der Suche nach der Leiche ließen die Ermittler im Oktober den Tietjensee am Rande Bremens leerpumpen.

Bremen - Von Steffen Koller. Jutta Fuchs ist tot, daran hat Staatsanwalt Arne Kluger keinen Zweifel. Doch wer die Frau getötet hat, das habe auch die Beweisaufnahme am Landgericht Bremen nicht klären können. Kluger plädierte am Montag auf Freispruch für den seit August wegen Mordes angeklagten ehemaligen Lebensgefährten.

Auch die Verteidiger forderten Freispruch für ihren Mandanten – und holten zum Rundumschlag gegen die Ermittlungsbehörden aus. Die Angehörigen von Jutta Fuchs erhofften sich Antworten. Antworten darauf, wie und warum Jutta Fuchs seit mehr als 25 Jahren spurlos verschwunden ist. Antworten darauf, warum sie vermutlich sterben musste und wo ihre Leiche ist. Sie haben keine Antwort bekommen. 

In einem Verfahren, das Staatsanwalt Arne Kluger als „alles andere als alltäglich“ nannte, durchforstete das Gericht mehrere tausend Seiten Akten. Das Gericht vernahm Angehörige, hörte ehemalige Ermittler. Leichenspürhunde kamen zum Einsatz, DNA-Gutachten wurden erstellt. Polizisten observierten den Angeklagten, hörten seine Telefone ab – und ließen einen ganzen See abpumpen. 

Daran, dass es bis heute keine Beweise für ein Verbrechen oder gar die Täterschaft des Angeklagten Wolfgang O. gibt, hat sich nichts geändert. Zwar habe O. die Gelegenheit und auch ein Motiv gehabt, seine damals 29 Jahre alte Lebensgefährtin umzubringen, so Staatsanwalt Kluger, doch letztlich lasse sich dies nicht beweisen.

Indizienkette habe keinen Bestand mehr 

Die Indizienkette, auf der der Prozess von Beginn an fußte, habe nach der Beweisaufnahme keinen Bestand mehr, fasste Kluger in seinem Schlussvortrag zusammen. Er könne nicht ausschließen, dass Jutta Fuchs in der Nacht vom 25. auf den 26. Juni 1993 von einer „dritten, bislang unbekannten Person getötet wurde“. Kluger plädierte auf Freispruch für den Angeklagten. 

Es bestehe „keine derart geschlossene Indizienkette, dass eine Verurteilung möglich wäre“, hieß es. Dass es überhaupt zur Hauptverhandlung kam, sei auf „einseitige Ermittlungsarbeit der Behörden“ zurückzuführen, kritisierte Verteidiger Horst Wesemann. „Alles konzentrierte sich auf den Mandaten.“ 

Wesemann blieb bei seiner Auffassung, Jutta Fuchs habe sich vermutlich abgesetzt. Sie habe kurz vor ihrem Verschwinden extra einen Buchhaltungskurs belegt, um sich unbemerkt mit einer möglichen Affäre zu treffen. Dagegen spricht laut Staatsanwalt Kluger, dass es bis heute weder ein Lebenszeichen noch Zeugen, die sie gesehen haben, oder Bewegungen auf ihrem Bankkonto gebe. „Ohne jeden vernünftigen Zweifel kann davon ausgegangen werden, dass Jutta Fuchs tot ist“, so Kluger. 

Urteil am 20. November

Wesemann dazu: „Der Glaube zählt nicht, Tatsachen müssen her. Doch die fehlen.“ Zu einem Verfahren hätte es nach Meinung von Stefan Hoffmann, zweiter Verteidiger des Angeklagten, erst gar nicht kommen dürfen. Da die Polizei von Beginn an nur einer Arbeitshypothese nachgegangen sei – „Wolfgang O. hat Jutta Fuchs getötet“ – habe sie gar keine entlastenden Hinweise ermittelt. So habe auch das Abpumpen des Tietjensees bei Schwanewede „überhaupt keinen Sinn“ ergeben. 

Womöglich stammten die Gegenstände, die 1994 in einer mit Steinen beschwerten Tüte von Anglern gefunden wurden, gar nicht von Jutta Fuchs. Auch Hoffmann beantragte Freispruch. Das Urteil soll am 20. November gesprochen werden.

Video

Mordfall Jutta Fuchs: Abpumpen des Tietjensees beginnt

Mordfall Jutta Fuchs: Abpumpen des Tietjensees begonnen
Das THW pumpt den See ab. © Mediengruppe Kreiszeitung/Steffen Koller
Mordfall Jutta Fuchs: Abpumpen des Tietjensees begonnen
Das THW pumpt den See ab. © Mediengruppe Kreiszeitung/Steffen Koller
Mordfall Jutta Fuchs: Abpumpen des Tietjensees begonnen
Das THW pumpt den See ab. © Mediengruppe Kreiszeitung/Steffen Koller
Mordfall Jutta Fuchs: Abpumpen des Tietjensees begonnen
Das THW pumpt den See ab. © Mediengruppe Kreiszeitung/Steffen Koller
Mordfall Jutta Fuchs: Abpumpen des Tietjensees begonnen
Das THW pumpt den See ab. © Mediengruppe Kreiszeitung/Steffen Koller
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Das THW pumpt den See ab. © Mediengruppe Kreiszeitung/Steffen Koller
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Mordfall Jutta Fuchs: Abpumpen des Tietjensees begonnen
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Mordfall Jutta Fuchs: Abpumpen des Tietjensees begonnen
Das THW pumpt den See ab. © Mediengruppe Kreisze itung/Steffen Koller
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Das THW pumpt den See ab. © Mediengruppe Kreiszeitung/Steffen Koller
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Das THW pumpt den See ab. © Mediengruppe Kreiszeitung/Steffen Koller
Mordfall Jutta Fuchs: Abpumpen des Tietjensees begonnen
Das THW pumpt den See ab. © Mediengruppe Kreiszeitung/Steffen Koller
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Das THW pumpt den See ab. © Mediengruppe Kreiszeitung/Steffen Koller
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Mordfall Jutta Fuchs: Abpumpen des Tietjensees begonnen
Das THW pumpt den See ab. © Mediengruppe Kreiszeitung/Steffen Koller
Mordfall Jutta Fuchs: Abpumpen des Tietjensees begonnen
Das THW pumpt den See ab. © Mediengruppe Kreiszeitung/Steffen Koller

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