Extremisten auf der Spur

Bremer Verfassungsschutz im Kampf gegen Hass-Kommentare

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Dierk Schittkowski, Leiter des Bremer Landesamtes für Verfassungsschutz.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Im Kampf gegen Extremismus setzt das Innenressort ab sofort verstärkt auf die wissenschaftliche Analyse sozialer Netzwerke. Zunächst wird dafür das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Beiträge auf Facebook auswerten.

Die Ausdehnung auf andere soziale Netzwerke könnte später folgen, wie LfV-Leiter Dierk Schittkowski am Montag vor Journalisten sagte. Im eigenen Haus wurde ein spezielles Analyse-Instrument entwickelt, das durchaus auch für andere Landesämter von Interesse sein könnte, wie es heißt.

Was früher die Hinterstube der Kneipe gewesen sei, seien heute das Netz und die sozialen Netzwerke. Menschen säßen zu Hause und verbreiteten Hetze, zum Beispiel über Facebook. Kommentare verbreiteten sich rasant. Manche Nutzer rutschten über sogenannte „Likes“, Kommentare oder das Teilen von Inhalten in Communities hinein, in denen sie womöglich gar nicht sein wollten und würden so leichtfertig zu Gehilfen von Propaganda. Andere nutzten gezielt diese Foren, um extremistisches Gedankengut zu verbreiten, sagte Schittkowski. Wiederum andere radikalisierten sich übers Netz, „ein gefährlicher Trend“. Zum einen wolle das LfV Bürger vor Extremisten warnen, zum anderen Menschen aufspüren, die Hetze betrieben.

„Je wütender die Kommentare, umso größer die Verteilung“

Dazu hat Michael Adelmund, Soziologe und Daten-Analyst, ein neues Instrument, ein „Tool“, wie es in der Internetszene heißt, entwickelt. Er arbeitet für das Innenressort und erforscht im Rahmen einer Promotionsarbeit an der Uni Hildesheim, ob und inwiefern in sozialen Netzwerken Radikaliserungsprozesse begünstigt werden. Adelmund hat einen Algorithmus geschaffen, der Beiträge anhand von verschiedenen Reizwörtern aufspürt. Anhand von 500 000 Profilbeiträgen größerer Parteien hat er festgestellt: „Je wütender die Kommentare, desto größer die Teilung, also die Verbreitung.“ Bestimmte Gruppierungen nutzten Schlüsselwörter, die einzeln keine Rückschlüsse auf Extremismus zuließen, aber durch ihre Häufigkeit. Extremistische Gruppen verwendeten beispielsweise häufig Begriffe wie „Islamist“, bei anderen – nicht-extremistischen – Communities, tauche oft das Wort „Dialog“ auf. Adelmunds Instrument kann nun Beiträge komplett zerlegen – „bis hin zum einzelnen Wort“.

Neben „Frühwarnsystem“ und Abschreckung eigne sich das neue Tool auch als Beweismittel, sagte Schittkowski. Dem LfV-Chef geht es nach seinen Worten nicht darum, demokratische Meinungsbildungsprozesse zu begrenzen, sondern diese vor Manipulation zu schützen.

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