Moderne Mobilität in der Stadt

Autofreie Innenstadt: Diese Hürden muss Bremen bis zum Jahr 2030 nehmen

Die Bremer Innenstadt soll als Teil der Verkehrswende bis zum Jahr 2030 autofrei werden. Ein Beschluss, der nicht überall gut ankommt. Während der Umsetzung müssen wichtige Entscheidungen getroffen und Veränderungen eingeleitet werden.

  • Die Bremer Innenstadt soll bis zum Jahr 2030 autofrei werden.
  • Zur Umsetzung wird über alternative Mobilitätsmöglichkeiten diskutiert.
  • Die Handelskammer Bremen ist gegen eine autofreie Innenstadt, hält aber weniger Autos für möglich.

Bremen - Der Wunsch in Bremen als Fahrradstadt mehr Platz für Zweiräder zu schaffen, wird immer wieder laut. Mit der Entscheidung, die Straße Am Wall für Autos zur Einbahnstraße zu machen und dort gleichzeitig Bremens erste geschützte Fahrradroute zu schaffen, ist ein erster Schritt in Richtung autofreie Innenstadt getan.

Fläche:326,7 km²
Einwohner:567.559 (31. Dez. 2019)
Stadtgliederung:5 Stadtbezirke
Kfz-Kennzeichen:HB

Eine fehlende Autospur in der Innenstadt Bremen hat aber natürlich Auswirkungen auf den motorisierten Verkehr. Entscheidungen im Konzept Verkehrswende betreffen immer mehrere Interessengruppen und alle müssen unter einen Hut gebracht werden. Welche Schritte sind bislang geplant und welche Einwände gibt es?

Autofreie Innenstadt Bremen Am Wall soll Fahrradspur bekommen

Eine der aktuellen Entscheidungen ist die Verwandlung der Straße Am Wall zur Einbahnstraße für Autos und gleichzeitiger Schaffung einer Premium-Fahrradroute mit baulicher Abgrenzung zur Autospur über die gesamte Länge von der Kunsthalle bis hin zur Kreuzung mit der Bürgermeister-Smidt-Straße in der Innenstadt Bremen. Mit der Abgrenzung zur Autofahrbahn erhält Bremen gleichzeitig seine erste Protected Bike Lane. Der Umbau soll im Sommer kommenden Jahres beginnen und im Herbst 2022 abgeschlossen sein. Insgesamt kostet die Umsetzung des Projekts 5 Millionen Euro. 3,8 Millionen Euro werden durch Bundesmittel finanziert, die durch eine Förderung aus dem Bundeswettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“ im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative zur Verfügung stehen, heißt es vom Mobilitätsressort.

Die Verkehrswende ist nicht nur in Bremen ein Thema. Auch in Berlin wurde bereits für „Kreuzberg autofrei“ demonstriert. Das Bündnis autofrei Berlin hatte zur Demonstration aufgerufen.

Die Handelskammer Bremen ist über diese geplante Veränderung nicht glücklich. In einem Positionspapier zur Entwicklung der Bremer Innenstadt wird darauf hingewiesen, dass Bremen „als Stadt am Fluss“ angewiesen ist und auf „auf leistungsfähige Verbindungsachsen zwischen den Weserseiten“. In diesem Zusammenhang müsse auch die Zweispurigkeit der Straße Am Wall erhalten bleiben. „Unnötiger Durchgangsverkehr“ solle jedoch aus der Innenstadt herausgehalten werden“, heißt es in dem elfseitigen Papier.

Autofreie Innenstadt Bremen: Verkehrspolitik verunsichert Besucher

Die Bremer Innenstadtwirtschaft fordere selbst seit Längerem den „motorisierten Individualverkehr im Kernbereich der Altstadt zwischen Wall und Martinistraße zugunsten neuer Rundläufe und höherer Aufenthaltsqualität fußgängerfreundlicher zu organisieren“, positioniert sich die Handelskammer. Sie lehne aber insbesondere die in der zweiten Phase angedeutete großräumige Ausdehnung von Fahrverbotszonen ab. Die Bremer Verkehrspolitik verunsichere schon jetzt Besucher, Investoren und Gewerbetreibende. Weniger statt gar keine Autos in der Innenstadt Bremen hält die Handelskammer jedoch für möglich, sofern zum Erreichen dieses Ziels auch begleitende Konzepte vorhanden sind. Darin eingeschlossen „alternative Strecken und Mobilitätsangebote“.

Autofreie Innenstadt in Bremen: Alternative Fortbewegungs-Ideen und ihre Umsetzung

In der Diskussion um autofreie oder -ärmere Bereiche in Bremen kommt immer die Frage nach der Erreichbarkeit und nach alternativen Fortbewegungsmöglichkeiten auf. Ideen gibt es viele, auch mit Beispielen aus anderen Städten. Neben dem Ausbau der Fahrradrouten ist vermutlich der ÖPNV der wichtigste Punkt. Wenn die Autos weniger werden sollen, muss es Möglichkeiten geben, dass sich auch Menschen, die nicht auf ein Fahrrad steigen, von A nach B bewegen können. Bus und Bahn müssen also attraktiver werden. Entscheidende Punkte sind dabei die Kosten und die Anbindung.

Der Ausbau von Park and Ride Angebote ist immer Teil der Diskussionen um eine autofreie Innenstadt.

Die Bewilligung nötiger Planungsmittel zur Fortschreibung des „Verkehrsentwicklungsplans 2025“ Ende November vergangenen Jahres sei laut Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) der „erste Schritt“ zur Verkehrswende. Der Plan sieht unter anderem vor, mehr Menschen dazu zu bewegen, auf Bus, Bahn und Rad umzusteigen. Neben dem Ausbau der Fahrradrouten beinhalte das auch die Erweiterung der Angebote im ÖPNV. Unter diesen Aspekt fallen auch die Überlegungen zu einem 365-Euro-Ticket oder kostenlose Beförderung innerhab des Stadtgebiets in Bremen.

Mobilitätssenatorin Maike Schaefer und der Referent für Nachhaltige Mobilität , Michael Glotz-Richter, erläuterten bei einer Begehung der Fahrradzone im vergangenen Jahr die Planung.

Vorreiter ist Bremen allerdings bei einem Verkehrsthema in jedem Fall: Erst kürzlich konnte in der Bremer Neustadt die erste Fahrradzone Deutschlands eröffnet werden. 2016 als Fahrradmodellquartier begonnen, leitet nun an mehreren Stellen ein eigens dafür entstandenes Straßenschild sowie Piktogramme auf der Straße in Bremens Fahrradzone. Auf insgesamt zwölf Straßen rund um die Hochschule hat das Fahrrad Vorrang.

Autofreie Innenstadt Bremen: Parkhäuser sollen verschwinden

Park and Ride Angebote gibt es bereits in Bremen, könnten für eine autofreie Innenstadt aber noch ausgebaut werden. Der Ausbau des Angebots ist ohnehin ein Thema, wenn es um Veranstaltungen auf der Bürgerweide geht. Dort könnte eine Erweiterung die Parkproblematik der Anwohner in den umliegenden Quartieren, speziell zur Freimarkt- oder Osterwiese-Zeit, abschwächen. Wenn in der Innenstadt Parkhäuser schwinden sollen, wie es für das Parkhaus Mitte seit Jahren vorgesehen ist, werden solche Angebote zunehmend wichtiger.

Der Ausbau des Radverkehrs ist auch für Bremen gewünscht.

Das Angebot an Fortbewegungsmitteln zum Leihen oder Teilen nimmt in Bremen außerdem zu. Neben E-Scootern und Leihfahrrädern ist auch das Konzept Carsharing weiter im Ausbau. Neben den festen Stationen, die sich über verschiedene Stadtteile in Bremen verteilen, startet Anbieter Cambio am 20. August zudem sein Free-Floating-Angebot. Eine Flotte aus 50 Fahrzeugen verteilt sich auf einem festgelegten Gebiet und die Wagen können per App geortet werden. „Wer in Bremen mit Bus und Bahn, dem Rad oder zu Fuß unterwegs ist und seine Wege spontan mit dem Smartphone organisiert, wird mit dem Free-Floating glücklich sein“, sagt Kerstin Homrighausen, Geschäftsführerin von Cambio Bremen.

Parking Day in Bremen: Für kurze Zeit testen, was sein könnte

Geeignete Strecken für geschützte Radstreifen sollen auf einen Antrag der rot-grün-roten Koalition vom November vergangenen Jahres in ganz Bremen ausfindig gemacht werden. Eine geeignete Strecke wäre in den Augen von Ralph Saxe, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, unter anderem die Friedrich-Ebert-Straße in der Neustadt, wie er der Kreiszeitung sagte.

Einen Vorgeschmack darauf konnten die Bremer im vergangenen September beim Parking Day gewinnen. Für rund drei Stunden verwandelte sich eine der Auto-Fahrspuren aus Richtung Wilhelm-Kaisen-Brücke in einen Fahrradweg. Der eigentliche Radweg stand den Fußgängern als zusätzliche Fläche zur Verfügung. Der Parking Day findet in jedem Jahr im Rahmen der Europäischen Woche der Mobilität statt. Beim Parking Day werden zudem Parkflächen umgenutzt, beispielsweise als Sitzfläche oder Spielplatz.

Auch in diesem Jahr wird wieder ein Parking Day stattfinden, diesmal am 18. September im Viertel Bremen. Mithilfe mobiler Parklets werden Parkplätze zum Verweilen umfunktioniert und Fahrradständer mit Auto-Silhouette aufgestellt. Damit soll deutlich werden, wie Parkraum, der für Autos vorgesehen ist, anders genutzt werden kann. Am Ziegenmarkt wird es verschiedene Informationsstände zum Thema geben, wie Wolfgang Köhler-Naumann vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) ankündigt. Für das Frühjahr kommenden Jahres sei zudem ein autofreier Wochentag für den Bereich vom Theater am Goetheplatz bis etwa zum Ziegenmarkt in Bremen geplant.

Bremen: Autoarme statt autofreie Innenstadt?

Die autoarme Innenstadt hält Köhler-Naumann für eine gute Idee, mehr als die autofreie. „Autoarm ist ein gutes Ziel“, sagt er. Die Planungen für die Straße Am Wall begrüße er daher auch. „Das ist ein wichtiges und zentrale Stück in der Gesamtroute von Achim bis Bremen-Nord“, erklärt er. Wenn es nach ihm ginge, könnte der Wall-Ring jedoch noch autoärmer werden. „Die Geschäfte würden davon profitieren und auch die Wallanlagen würden dann besser eingebunden“, sagt er.

Rubriklistenbild: © David Young / picture alliance / dpa

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