Kondolenzbuch liegt öffentlich aus

Mit Bremen verbunden: Hansestadt trauert um Helmut Schmidt

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Der Maler Manfred W. Jürgens (l) und der Präsident der Bremischen Bürgerschaft, Christian Weber (SPD), im Dezember 2013 mit einem Porträt des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt vor. Bei dem Tafelbild aus den Jahren 2012 und 2013 handelt es sich um das erste autorisierte Schmidt-Porträt.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Nach dem Tod von Helmut Schmidt hat die Bürgerschaft ein Kondolenzbuch ausgelegt. Bürger können sich zu den Öffnungszeiten des Parlamentsgebäudes eintragen – montags bis freitags in der Zeit von 8 bis 18 Uhr. Auch im Rathaus liegt ab morgen, Mittwoch,10 Uhr, ein Kondolenzbuch aus.

Schmidt, den Hamburger, verband einiges mit Bremen. Bestes Beispiel: der Euro. Am 6. und 7. Juli 1978 beschäftigte sich der Europäische Rat auf seiner Tagung im Bremer Rathaus unter anderem mit einem weitreichenden Thema – er plante die Schaffung eines Europäischen Währungssystems (EWS). Das war letztlich die Geburtsstunde des Euro. Die treibenden Kräfte waren Frankreich und Westdeutschland, sprich: Frankreichs Präsident Valéry Giscard d‘Estaing und eben Helmut Schmidt, der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.

An Schmidts Verbindungen zu Bremen erinnerte am Dienstag auch Bürgerschaftspräsident Christian Weber. Bereits vor 30 Jahren zum Beispiel verliehen Stadtverordnetenversammlung und Magistrat von Bremerhaven Schmidt die Ehrenbürgerrechte – noch vor seiner Heimatstadt Hamburg und der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. Gewürdigt wurden damals seine Verdienste um die Ansiedlung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in der Seestadt. „Schmidt gilt quasi als Wegbereiter des AWI und damit des Strukturwandels in Bremens Schwesterstadt“, sagte Weber. „Ohne den persönlichen Einsatz von Helmut Schmidt als Bundeskanzler wäre das AWI nicht nach Bremerhaven gekommen“, sagte Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD).

1937 war Schmidt zum Wehrdienst eingezogen worden. Er kam zur Flakartillerie nach Bremen-Nord. Dorthin, wo heute die Jacobs-Universität steht. Es war Schmidt, der im Jahr 2001 die Privat-Uni (damals noch International University) auf dem Areal in Grohn eröffnete. „Mit Helmut Schmidt verliert die Jacobs University einen inspirierenden Förderer“, sagte Professorin Katja Windt, die Präsidentin der Jacobs-Universität.

Parlamentspräsident Weber erwähnte zudem, dass der Altkanzler eine Vorliebe für das Paula Modersohn-Becker Museum in der Böttcherstraße hatte. Das eine oder andere Mal sei er dort zu einem Kurzbesuch aufgetaucht – „manchmal still und heimlich“, so der Präsident. Auch in der Bremer Kunsthalle sah sich Schmidt gern „seine Worpsweder“ an.

Im Haus der Bürgerschaft übrigens hängt das letzte – von Schmidt persönlich autorisierte – Porträtgemälde des Sozialdemokraten. Sozialdemokrat Weber wiederum bezeichnete Schmidt am Dienstag als „die meinungsbildende und moralische Instanz Deutschlands und Europas“.

"Großer Staatsmann, bis zur letzten Zigarette"

Bürgermeister Carsten Sieling (ebenfalls: SPD) sagte: „Deutschland hat eine prägende und ganz herausragende politische Persönlichkeit verloren.“ Schmidt habe „weit über die Grenzen seiner eigenen Partei hinaus Ansehen und Respekt genossen“. Sieling weiter: „Es bleiben seine unbestritten hohen Verdienste für unser Land. Sein Rat und seine Einschätzung zu wichtigen politischen Fragen unserer Zeit waren auch noch im hohen Alter von vielen gefragt und international vielbeachtet. Wir gedenken eines großen Staatsmannes.“

An den städtischen Gebäuden Bremens und Bremerhavens wird morgen, Mittwoch, Trauerbeflaggung gesetzt.

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