Handyalarm auf der Nordsee

Autocrash verwüstet Lokal in Huchting: Eine Platte als Notlösung

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Nuran Cavus, Geschäftsinhaberin des Restaurants „Babas“ in Huchting, zeigt auf ein freihängendes Fenster. Das Innere des Gastraumes ist durch den Unfall eines 14-Jährigen verwüstet worden.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Das Loch in der Hauswand ist mittlerweile mit einer Holzplatte geschlossen. Im Inneren liegt ein großer Haufen aus Steinen und Geröll.

Das ganze Haus ist voll Staub, denn die Tür stand offen, als in der Nacht zum Sonnabend ein Mercedes-AMG-Sportwagen ein riesiges Loch in die Mauer des Restaurants „Babas“ in Huchting gerissen hat. Am Steuer saß ein 14-jähriger Junge, Stiefbruder eines in Bremen aufgewachsenen Profi-Fußballers. Niemand wurde schwer verletzt.

Das Inventar im Lokal ist neu. Am 11. August 2016 hatten Geschäftsinhaberin Nuran Cavus und ihr Team das „Babas“ nach fünf Monaten intensivster Renovierung eröffnet. Für sie, früher Familientherapeutin, und ihren Mann, ein Meisterkoch, ist mit dem eigenen Restaurant ein langgehegter Traum in Erfüllung gegangen.

Das Loch in der Wand das Restaurants „Babas“ ist mit einer großen Holzplatte (vorn) versiegelt.

In der Unfallnacht klingeln bei der Familie Cavus mehrere Handys. „Mein Mann war gerade zum Hochseeangeln von Cuxhaven aus gestartet. Es wurde ein Alarm geschickt. Wir haben eine Alarmanlage mit Kameras in dem Haus“, sagt Cavus. „Mein Mann hat vom offenen Meer aus einen unserer Söhne angerufen, damit dieser die Kamera-Bilder anschaut.“ Auf den Bildern sind bereits Polizeibeamte und Feuerwehrleute zu sehen. „Mein Sohn hat sofort den Alarm ausgeschaltet und ist hingefahren“, sagt Nuran Cavus. Sie hat ihr Handy in der Nacht auf lautlos gestellt. Ihr Sohn erreicht sie später zu Hause.

Erst Schreck und dann Beklemmung

Als sie zur Unfallstelle kommt, ist das Wrack des aufgepeppten Mercedes bereits abgeschleppt. „Es waren viele Menschen von der Polizei und Feuerwehr da“, sagt sie. Vor Ort kommt erst der Schreck und dann Beklemmung. „Der Schock war stark. Ich habe nachgefragt, was passiert ist. Als ich hörte, dass ein Kind am Steuer saß, habe ich einen regelrechten Druck auf der Brust gespürt“, sagt sie. „Es ist ein großes Glück im Unglück, dass der Junge nicht zu Tode gekommen ist.“ Polizei und Feuerwehr müssen sofort massiv ins Haus eindringen, um es zu stützen. Mittlerweile ist es durch einen Statiker geprüft. Es besteht keine Einsturzgefahr, heißt es. „Dieses Haus wurde 1901 gebaut. Es hat zwei Weltkriege überstanden. Und dann kommt ein Bengel, der Lust hat, das schnelle Auto von Papa zu fahren“, sagt Cavus und muss ein wenig schmunzeln. „Die Mauer ist aus Ziegelsteinen und doppelt breit. Ein modernerer Bau wäre womöglich eingestürzt.“

Ab heute, Freitag, kann Familie Cavus wieder anpacken, um das anatolisch-mediterrane Restaurant für die Wiedereröffnung fitzumachen. Am Dienstag, 1. August, um 17 Uhr soll das „Babas“, das direkt an der Grenze zum niedersächsischen Stuhr liegt, wieder aufmachen. Da ist unter anderem der viele Staub zu beseitigen. Auch werden alle Wände neu gestrichen. Allerdings ist durch den Unfall einer von drei Gasträumen in dem Haus für Monate unbrauchbar, 28 von 72 Besucherplätzen im Lokal fehlen. Das ist ein Problem. Denn die Nachfrage sei sehr hoch, und das Restaurant habe mittlerweile viele Stammkunden, sagt Inhaberin Cavus. Bei gutem Wetter bietet eine Terrasse nochmal 35 Plätze.

Für die Feier zum einjährigen Bestehen wird demnächst ein großes Zelt errichtet. Ehemann Hayri macht dafür schon den Hof schön. Auch das Zelt kann helfen, Kunden trotz des ausgefallenen Raumes aufzunehmen. Derweil freut sich Nuran Cavus über die Solidarität ihrer Stammkunden. „Wir bekommen jeden Tag Anrufe und Nachrichten. Die Leute bieten ihre Hilfe an“, sagt sie.

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