Neuaufstellung der deutschen Häfen

Bremen und Hamburg wollen Häfen fusionieren: Was wird aus Bremerhaven?

Die Luftaufnahme zeigt Containerschiffe die am Containerterminal in Bremerhaven liegen.
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Was wird aus dem Standort Bremerhaven, wenn Bremen und Hamburg die Häfen fusioniert? Diese Frage stellt sich auch deshalb, da die Rederei Hapag Lloyd in Zukunft vermehrt auf den JadeWeserPort in Wilhelmshaven setzen will. (Archivbild)

Die Häfen in Deutschland wollen sich neu aufstellen: Bremen und Hamburg sollen fusionieren, Hapag Lloyd will den JadeWeserPort stärker nutzen. Und Bremerhaven?

Bremen/Hamburg/Wilhelmshaven – Die Spatzen pfeifen es schon ein wenig länger von den Dächern: Die Häfen von Bremen und Hamburg sollen fusionieren. Man sei überzeugt davon, dass ein Verbund sinnvoll ist und „perspektivisch zu einer Stärkung der maritimen Standorte in der Deutschen Bucht führt“, heißt es in einer Erklärung, die von Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) und Finanzsenator Dietmar Strehl (Grüne) für Bremen sowie Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) und Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) für Hamburg im September 2021 unterschrieben wurde.

Hafenmanagementgesellschaft in Bremen:Eurogate
Gründung:2002
Leitung:Robert Howe
Sitz:Bremerhaven
Mitarbeiter:373

„Die vorhandenen Potenziale bei den Zukunftsthemen Innovation und Nachhaltigkeit sollten genutzt werden, um ein leistungsstarkes und wettbewerbsfähiges Unternehmen zu entwickeln“, hieß es. Die Politik unterstütze die laufenden Gespräche der Terminalbetreiber über ein Zusammengehen. Die Entscheidung liege aber bei den Unternehmen. Und die steht bislang aus. Für die deutschen Containerhäfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven wird es immer schwieriger, in der Konkurrenz mit den Häfen Rotterdam und Antwerpen mitzuhalten*.

Bremen und Hamburg wollen Häfen fusionieren: Kooperation der Häfen könnte helfen, Kosten einzusparen

Eine Kooperation der deutschen Häfen könnte helfen, Kosten zu senken. Eine gezielte Verteilung der Schiffsanläufe würde auch die Umweltbelastung an Elbe, Weser und Jade verringern. Es gibt Gespräche zwischen dem Terminalbetreiber Eurogate und der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), sie haben aber noch kein Ergebnis gebracht. An den Containerterminals der drei Häfen sind verschiedene Betreiber tätig. Es sind teils Privatfirmen, zum Teil gehören sie aber auch den Hansestädten Hamburg und Bremen. Und genau da liegt das Problem.

Das weiß auch die Hamburger Reederei Hapag Lloyd, die zukünftig mehr auf den JadeWeserPort in Wilhemshaven setzen will. Das aus dem Grund, weil dieser als einziger deutscher Hafen in der Lage ist, auch die größten Container-Schiffe der Welt aus Asien vollbeladen zu bedienen – in Hamburg und Bremerhaven ist dies nicht möglich. Jüngst bezeichnete Hapag Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen die derzeit hohen Frachtraten als „eigentlich zu extrem“*. Im Zuge dessen kommt es derzeit aktuell im Welthandel zu enormen Lieferengpässen.

In Hamburg wird befürchtet, dass Deutschlands größter Hafen dadurch Containerverkehr verlieren könnte. Der Schritt der Hamburger Großreederei treibt zugleich die Diskussion über ein arbeitsteiliges Zusammengehen der deutschen Häfen voran, um in der Konkurrenz mit Rotterdam und Antwerpen zu bestehen.

Bremen und Hamburg wollen Häfen fusionieren: Hapag Lloyd will sich in JadeWeserPort einkaufen

Hapag-Lloyd will sich am JadeWeserPort mit 30 Prozent in die Betreibergesellschaft Container Terminal Wilhelmshaven (CTW) einkaufen, berichtet dazu die Nachrichtenagentur dpa. Außerdem wolle man 50 Prozent am Rail Terminal Wilhelmshaven (RTW) übernehmen. Diese Anteile gehörten bislang der dänischen Reederei Maersk. Der Terminalbetreiber Eurogate halte weiter die verbleibenden Anteile. Zum Kaufpreis sei Schweigen vereinbart worden. Weil eine Genehmigung der Kartellbehörde benötigt werde, werde der Abschluss erst in einigen Monaten erwartet.

Der 2012 in Betrieb genommene JadeWeserPort könnte jährlich 2,7 Millionen Standardcontainer (TEU) umschlagen, die Auslastung liegt bisher aber deutlich unter den Erwartungen. Doch diesen Hafen können auch die größten Schiffe voll beladen mit bis zu 16,5 Meter Tiefgang unabhängig von Ebbe und Flut anlaufen. Hapag-Lloyd will ab 2023 neue Großfrachter in Dienst stellen.

„Ich freue mich sehr, dass die Reederei Hapag-Lloyd das große Potenzial von Deutschlands einzigem Container-Tiefwasserhafen zu schätzen weiß und es nutzen möchte“, sagte Holger Banik, Geschäftsführer der JadeWeserPort-Realisierungsgesellschaft, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa Ende September. Maersk werde dem Hafen als Kunde erhalten bleiben, sagte Thomas Eckelmann, Vorsitzender der Gruppengeschäftsführung von Eurogate.

Bremen und Hamburg wollen Häfen fusionieren: Hansestadt Hamburg hält 14 Prozent an Hapag Lloyd

„Wir sind überzeugt, dass das auf lange Sicht vorteilhaft ist“, sagte ein Sprecher der Hapag-Lloyd AG. Der Aufsichtsrat habe dem Einstieg in Wilhelmshaven zugestimmt. Man könne sich aber noch nicht zur künftigen Routenplanung für Wilhelmshaven oder Hamburg äußern.

Die Stadt Hamburg hält an der größten deutschen Reederei einen Minderheitsanteil von 14 Prozent und sitzt auch im Aufsichtsrat. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) kommentierte das Geschäft auf Twitter eher kritisch: „Mit Blick auf die Auswirkungen für Hamburg sind wir gegenwärtig noch nicht davon überzeugt“, schrieb er. „Es wird darauf ankommen, eventuelle Ladungsverluste für Hamburg zeitnah mindestens teilweise zu kompensieren – am besten im Rahmen einer Hafenkooperation im Norden. Daran arbeiten wir.“

Eigentlich könnte der JadeWeserPort in Wilhelmshaven bis zu 2,7 Millionen Standardcontainer (TEU) umschlagen, schafft bisher aber lediglich 423.000 TEU (Stand: 2020). Dies soll sich aber bald ändern. (Archivbild)

Die deutschen Containerhäfen haben unterschiedliche Stärken und Schwächen, was Zugang, Kapazität und Hinterlandanbindung betrifft. Hamburg (Umschlag 2020: 8,5 Millionen TEU) ist bei weitem der größte Hafen und hat viel Industrie direkt am Hafen. Doch Großschiffe können die lange Zufahrt trotz Vertiefung der Elbe nur mit verringerter Ladung passieren. Wilhelmshaven (2020: 423.000 TEU) ist abgelegen, der Eisenbahnanschluss wird erst Ende 2022 vollständig elektrifiziert sein. In Bremerhaven wurden 2020 etwa 4,8 Millionen TEU umgeschlagen.

Zugleich ist die Abfertigung in den deutschen Häfen weniger automatisiert und damit teurer als bei der Konkurrenz in den Niederlanden oder Belgien. Die Logistikfirmen Eurogate mit Wurzeln in Bremen und HHLA in Hamburg reden deshalb seit längerem über ein Zusammengehen, bislang aber ohne Ergebnis.

Bremen und Hamburg wollen Häfen fusionieren: Standort Bremerhaven bis mindestens 2025 gesichert

Was aber passiert mit dem Containerhafen in Bremerhaven, wenn Bremen und Hamburg gemeinsame Sache machen und Hapag Lloyd demnächst vermehrt den JadeWeserPort ansteuern will? Das Gute: Sofort einmal wahrscheinlich nichts. Denn schließlich gibt es noch bis zum Jahr 2025 eine Beschäftigungssicherung in Bremerhaven.

Was aber danach passiert, das steht noch in den Sternen, auch wenn laut Eurogate der Umschlag in Bremerhaven nahezu verdoppelt werden könnte, wie Radio Bremen berichtet. In diesem Zusammenhang wird momentan ein Automatisierungssystem getestet. Nach Informationen von „buten un binnen“ soll dieses bei Erfolg auch in Bremerhaven zum Einsatz kommen.

Aktuell sind in Bremerhaven rund 1000 Mitarbeiter bei Eurogate beschäftigt. Deren Chef, Mikkel Andersen, sieht aber keinen Automatismus zum Stellenabbau. „Bremerhaven ist lange nicht ausgelastet. Dort, wo ich zuständig bin, setzen wir zurzeit nur die Hälfte unserer Kräne ein. Warum nicht alle Kräne einsetzen?“, so Andersen zu „buten und binnen“. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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