Die knappe Art der Höflichkeit

Bremen von A bis Z: U wie Umgangsformen

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Adolph Freiherr Knigge (1752 bis 1796), der auf sein „von“ im Namen keinen Wert legte, schrieb „Über den Umgang mit Menschen“. Er ist in Bremen gestorben, das Bild zeigt seine Grabplatte im Dom. Die Bremer aber pflegen ihre eigenen Umgangsformen.

Schepper, schepper. Geräuschvoll öffnet die Straßenbahnfahrerin die Tür ihres Käf. . . Verzeihung, ihrer Kabine. Dann legt sie lautstark los: „Gehen Sie mal aus der Tür raus! Sie stören den Betriebsablauf!“

Von Thomas Kuzaj. Wie heißt es so schön? Der Ton macht die Musik. Und Musik, wie es frei nach Wilhelm Busch ebenso schön heißt, Musik wird oft als Lärm empfunden, zumal sie mit Geräusch verbunden.Die Töne der Straßenbahnfahrerin jedenfalls entfalten ihre Wirkung. . . Keine Frage – die Bremer lieben gute Umgangsformen. Ganz besonders bei anderen. Ja, der Ton macht die Musik. Und die Bremer Musik, sieh hat ihren eigenen Klang. Unter den Fahrgästen gilt das auch.

„Entschuldigen Sie bitte, ist der Platz neben Ihnen noch frei?“ Na, wer würde denn solche Umstände machen? So weitschweifig parlieren die Bremer nicht, das Kurze und Knappe ist ihre Form der Höflichkeit. Es wäre ja auch wirklich unhöflich, seinen Mitmenschen mit langatmigen Floskeln die kostbare Zeit zu stehlen – womöglich müssten die auf diese Weise in der Bahn Angesprochenen es dann gar auf sich nehmen, von ihrem Smartphone aufzublicken. Also genügt in Bremen ein kurzes, auf keinen Fall von zudringlich wirkendem Blickkontakt begleitetes „Lassensemichdamalhin.“  Und dann setzt man sich da einfach hin. Fertig. 

Ein anderes Beispiel. Zwei große Kaufhäuser in der Bremer Innenstadt haben ihre Eingänge, wie es scheint, extra für Feldversuche zum Thema „Umgangsformen“ mit Türen ausgestattet, die, wer nach herkömmlicher Sitte höflich sein möchte, den nachfolgenden Kunden aufhalten muss. Man kann sie aber auch zufallen lassen, dem nachfolgenden Kunden direkt vor oder gar auf die Nase. Das macht auf Menschen, die von außerhalb kommen, zuweilen einen etwas verstörenden Eindruck. Ja, die kennen die Bremer Art der Höflichkeit halt nicht! 

Hier schickt es sich nicht, ewig in einem Eingang stehen zu bleiben (und den dadurch womöglich gar zu blockieren) – nur, um wildfremden Leuten eine Tür aufzuhalten, die diese auch selbst öffnen können. Wo kämen wir denn da hin? Die Bremer Umgangsformen, sie betonen eben das Kurze und Knappe. Hier drängt man sich anderen Leuten nicht groß auf. Basta. 

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