Trost zum Anfassen

Bremer Start-up näht Andenken aus der Kleidung Verstorbener

„Die Chemie passte auf Anhieb“, sagt Lisa Schmidt (links) rückblickend über den Moment, als sie ihre Freundin und heutige Kollegin Alessia Argiolas (rechts) kennenlernte.
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„Die Chemie passte auf Anhieb“, sagt Lisa Schmidt (links) rückblickend über den Moment, als sie ihre Freundin und heutige Kollegin Alessia Argiolas (rechts) kennenlernte.

Trost zum Anfassen – das bieten zwei Bremerinnen mit ihrem Start-up „Herz und Stich“: Sie nähen Andenken aus der Kleidung Verstorbener.

Bremen – Zwei Frauen, zwei ähnliche Schicksale und die Freude am Kreativen haben Alessia Argiolas (42) und Lisa Schmidt (35) zusammengebracht. Dabei sind die beiden nicht nur Freunde und Geschäftspartnerinnen, sondern auch die Erfinderinnen einer für Bremen bislang einmaligen Idee: „Herz und Stich“ – so heißt das Vegesacker Start-up, das aus Kleidungsstücken verstorbener Menschen einzigartige Andenken fertigt. Trost zum Anfassen, Trost zum Mitnehmen. Und für das Gründer-Duo „eine wahre Herzensangelegenheit“.

Der Tod eines geliebten Menschen ruft Trauer und Verzweiflung hervor. Und neben all dem Schmerz, den ein solcher Abschied verursacht, sind es häufig auch ganz formelle Dinge, die geklärt werden müssen. Was passiert mit altem Mobiliar? Welche Konten und Verträge müssen gekündigt werden? Wo kommen all die Anziehsachen hin, die der Mensch einst trug? Auch Lisa Schmidt und Alessia Argiolas mussten sich diese und ähnliche Fragen stellen. Während Allesias Sohn 2015 kurz vor seinem Geburtstermin – und später auch ihr Schwiegervater – starb, verlor Lisa als Jugendliche kurz hintereinander Vater und Mutter. Einschneidende Erlebnisse, aber auch ein zusammenschweißendes Schicksal – und Schlüsselereignisse zur Gründung ihres Unternehmens.

Andenken aus der Kleidung Verstorbener: Eine „Herzensangelegenheit“

2020 noch als grobe Idee im Hinterkopf der beiden, wird am 1. Januar 2021 die Firma „Herz und Stich“ Realität. Aus einst getragenen Blusen, Hemden, Hosen oder anderen Kleidungsstücken Verstorbener näht Alessia Argiolas in der kleinen Werkstatt in Bremen-Nord Andenken für Hinterbliebene. Lisa Schmidt, die es nach eigener Aussage nicht so mit dem Nähen hat, ist hingegen für Organisation und Buchhaltung zuständig. Doch für beide, das macht Schmidt deutlich, ist das Projekt „eine Herzensangelegenheit“.

Teil des bisherigen Sortiments: „Trostifant“ und Schutzengel.

„Für uns geht es nicht darum, den Stoff zu bekommen, nähen – und fertig“, sagt Schmidt. Es gehe auch um die Geschichte dahinter. Wer war die oder der Tote? Was mochte der Mensch? Welche Erinnerungen verbinden die Hinterbliebenen? Deshalb sei es wichtig, sensibel zu sein, zuzuhören und letztlich ganz individuell das entsprechende Andenken zu kreieren.

Bremen: „Trostifant“ und „Hoffnungsdackel“

Zwar geht das Duo „selbstverständlich“ auch auf Kundenwünsche ein, doch finden sich im bisherigen Sortiment auch eigene Ideen der beiden Frauen: Kuscheltiere, wie den „Trostifanten“, „Wolkenklopfer“ oder „Hoffnungsdackel“, aber auch Schutzengel, Armbänder und Halstücher, wenn beispielsweise relativ wenig Stoff vom Lieblingskleidungsstück des Verstorbenen übrig ist. „Grundsätzlich“, so Schmidt, „sind wir für alle Ideen aufgeschlossen und versuchen, die Wünsche entsprechend umzusetzen.“ Der Ansporn des Duos: „Für uns ist es ein Herzenswunsch, einen Mehrwert für die Hinterbliebenen zu schaffen.“

Noch sind Bestellungen bei „Herz und Stich“ ausschließlich über den Onlineshop möglich, ob es perspektivisch auch einen richten Laden gebe könnte, will Lisa Schmidt nicht ausschließen. „Warum nicht? Das kommt ganz darauf an, wie sich die Zahlen entwickeln.“ Für beide ist es das erste eigenständige Projekt, hauptberuflich ist Schmidt als gelernte Industriekauffrau in der Sachbearbeitung tätig, ihre Freundin und Kollegin Alessia Argiolas hat Kommunikationswissenschaften in Rom studiert und arbeitete vor ihrer Elternzeit als Qualitätsmanagerin.

Die bisherige Resonanz der Kundschaft sei „durch die Bank wirklich sehr, sehr gut“, was sie in ihrem Tun bestärke. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Schmidt, die Interessierten auch die Möglichkeit bieten will, einen Blick in die Werkstatt zu werfen.

Weitere Informationen unter www.herzundstich.de.

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