Bremens langjähriger Bürgermeister stirbt im Alter von 87 Jahren

Bremen trauert um Hans Koschnick

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Hans Koschnick (Archivbild). Von 1967 bis 1985 war der Sozialdemokrat Präsident des Senats in Bremen. Von Juli 1994 bis April 1996 war Koschnick EU-Administrator im kriegszerstörten Mostar

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Bremens langjähriger Präsident des Senats Hans Koschnick ist am frühen Donnerstagmorgen gestorben. Der Sozialdemokrat und Ehrenbürger Bremens wurde 87 Jahre alt. Er hinterlässt seine Ehefrau Christine und seinen Sohn Peter mit Ehefrau und zwei Enkeln.

 „Wir trauern um einen großen Bremer. Mit Hans Koschnick verlieren wir einen herausragenden Politiker, einen von allen geschätzten, hochgeachteten und überzeugten Demokraten. Hans Koschnick hat mit seiner Persönlichkeit, seiner Volksverbundenheit und seinem unerschütterlichen Glauben an die Versöhnung und Verständigung zwischen den Völkern unauslöschliche Spuren hinterlassen“, sagte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) am Donnerstag.

Von 1967 bis 1985 führte Koschnick, am 2. April 1929 geboren und im Werft- und Arbeiterstadtteil Gröpelingen aufgewachsen, als Präsident des Senats und Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen die Landesregierung an. Als er 1967 das Amt des Präsidenten des Senats von Willy Dehnkamp (SPD) übernommen hatte, war er mit 38 Jahren der jüngste Regierungschef eines Bundeslandes. 18 Jahre lang, in vier Wahlen mit absoluten Mehrheiten bestätigt, blieb Koschnick Bremens Bürgermeister. 1985 zog er sich in der Mitte der Legislaturperiode auf eigenen Wunsch aus der bremischen Landespolitik zurück. Die Gründung der Bremer Universität fiel in seine Amtszeit, vor allem aber wurde sie durch den beginnenden Strukturwandel geprägt.

Koschnicks dunkelste Stunde war die Schließung der Traditionswerft AG „Weser“ 1983. Das Werftensterben, die Berlin-Förderung, die Tabak- und Kaffee-Industrie aus Bremen abzog – der Senat musste damals im Rahmen seiner Möglichkeiten reagieren. Was er machen konnte, war, den Strukturwandel zu fördern – etwa durch die Entscheidungen für das Güterverkehrszentrum und den Technologiepark. Hinzu kam die Ansiedlung des Mercedes-Werks – der ganz große wirtschaftspolitische Erfolg der Ära Koschnick. Ein Höhepunkt in Hans Koschnicks Amtszeit war die europäische Gipfelkonferenz am 6. und 7. Juli 1978 in Bremen, in der unter Bundeskanzler Helmut Schmidt die Grundlagen für das Europäische Währungssystem (EWS) geschaffen wurden – praktisch so etwas wie die Geburtsstunde des Euro.

In Erinnerung blieb auch der Bremen-Besuch der Queen im Mai 1978 – mit Koschnick als souveränem Gastgeber. Nach seinem Bremer Rückzug ging der Sozialdemokrat in den Bundestag. Und dann auf die internationale Bühne: 1994 begann seine Zeit als EU-Administrator für den Wiederaufbau der zerstörten und geteilten Stadt Mostar und Bosnienbeauftragter der Bundesregierung. Koschnick hatte einen internationalen Ruf als Mann der Versöhnung und des Kompromisses. Aber es ist eine gefährliche Mission.

1994 verüben kroatische Nationalisten mit Granaten einen Anschlag, bei dem Koschnicks Hotelzimmer in Mostar verwüstet wird. 1996 greift eine aufgebrachte kroatische Menschenmenge Koschnick in seinem gepanzerten Dienstwagen an. Polizeischutz ist nicht in Sicht. Die Lage wird brenzlig, Kameras dokumentieren das. Sie dokumentieren auch, wie Koschnick im Wagen – äußerlich – besonnen und ruhig bleibt. Später erklärt er dem Außenministerrat der EU in Brüssel seinen Rücktritt, weil er sich von der EU im Stich gelassen fühlt. „Durch seinen Einsatz als EU-Administrator in der bosnischen Stadt Mostar hat Koschnick seinen Platz in der Geschichte Europas“, sagte der damalige Innenminister Otto Schily.

Kondolenzbuch in der Bürgerschaft

Im Foyer der Bremischen Bürgerschaft wird zum Tod von Hans Koschnick von heute an (ab 12 Uhr) ein Kondolenzbuch ausliegen.

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