Corona sorgt für Ende der Rekordjahre

Bremen muss seine Tourismus-Strategien jetzt anpassen

Menschenleer! Die Böttcherstraße an einem Wochentag, mitten am Vormittag und bei schönstem Sonnenwetter. In Vor-Corona-Zeiten wäre es hier richtig voll gewesen. Die Frage ist nun, wann diese Zeiten wiederkommen – und ob es sie überhaupt wieder geben wird.
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Menschenleer! Die Böttcherstraße an einem Wochentag, mitten am Vormittag und bei schönstem Sonnenwetter. In Vor-Corona-Zeiten wäre es hier richtig voll gewesen. Die Frage ist nun, wann diese Zeiten wiederkommen – und ob es sie überhaupt wieder geben wird.

Die Höhenflüge sind vorüber – Corona lässt Bremen aus seinen touristischen Rekord-Träumen abstürzen. Die Übernachtungszahlen sind drastisch gesunken. Wann es wieder aufwärts geht, ist offen.

  • Tourismus: Jahrelang eilte Bremen von Rekord zu Rekord – das ist jetzt vorbei.
  • Grusel-Bilanz für 2020: Mehr als eine Million Übernachtungen weniger.
  • Bremen will seine Tourismus-Strategien anpassen – doch was wird aus den Geschäftsreisen?

Bremen – „Steigende Touristenzahlen sind wichtig für Bremen“, sagte Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) vor knapp einem Jahr bei der Präsentation der Tourismus-Bilanz. Bremen hatte wieder einmal neue Rekordwerte im Blick. Dann kam Corona. Gut eine Million Übernachtungen weniger, das steht in der neuen Bilanz. Für Bremen ist das dramatisch, denn laut Wirtschaftsressort leben hier mehr als 37 000 Menschen vom Tourismus.

Und nun? Eine Bilanz des Grauens: 2020 meldeten die Beherbergungsbetriebe der Stadt Bremen 572 441 Ankünfte von auswärtigen Gästen. Gegenüber 2019 ist das ein Minus von 54,5 Prozent. Die Reisenden blieben im Schnitt 2,1 Nächte und sorgten für 1 206 886 Übernachtungen. 2019 waren es noch etwa 2,3 Millionen Übernachtungen gewesen. Damit ergibt sich für das vergangene Jahr ein Minus von 48,7 Prozent, hat die Wirtschaftsförderung (WFB) errechnet.

„Der Tourismus ist entlang der gesamten Wertschöpfungskette wie fast keine andere Branche von der Corona-Pandemie betroffen“, sagt Wirtschafts-Staatsrat Sven Wiebe. Klar – kommen kaum noch Touristen nach Bremen, dann spüren das Hoteliers und Gastwirte, Einzelhandel und Museen, Theater und Konzertsäle. Hinzu kommt, dass sie alle über längere Zeit nicht öffnen durften.

Vor Corona: 60 Prozent der Übernachtungen durch Geschäftsreisen

Aber es sind nicht allein fehlende Städtereisen und ausbleibende Tagestouristen, die Bremen zu schaffen machen. Vor Corona wurden an der Weser etwa 60 Prozent der Übernachtungen in den – wie es im Behördendeutsch so unvergleichlich schön heißt – gewerblichen Beherbergungsbetrieben durch Geschäftsreisende gebucht. Folglich schlägt in Bremen besonders stark zu Buche, dass es Messen, Kongresse und große internationale Branchentreffen – wie beispielsweise die Schwergutmesse „Breakbulk“ mit 10 000 Teilnehmern – nicht mehr als Präsenzveranstaltungen gibt.

Marktplatz und Rathaus im Sonnenschein: Schirme heruntergeklappt, Lokale dürfen nicht öffnen.

Und die Frage ist, was davon überhaupt wiederkommen wird. Videokonferenzen dürften etliche Dienstreiseanlässe auf Dauer ersetzen, so manche Messen und Präsentationen dürften auch nach der Pandemie virtuell bleiben – Agenturen spezialisieren sich bereits darauf. Und das Geschäft mit den Tagestouristen, mit Städtereisen? Im dicht gedrängten Pulk durch die Böttcherstraße, in dicken Menschentrauben durch den Schnoor? So schnell auch nicht wieder vorstellbar.

Ein in der bremischen Tourismusstrategie festgeschriebenes Ziel war die jährliche Steigerung der Übernachtungszahlen um fünf Prozent bis 2025 – sprich: auf etwa 2,9 Millionen in der Stadt Bremen. Das klingt heute geradezu utopisch.

Bremer Touristik-Strategen stellen neue Fragen

Bremen versucht nun, rechtzeitig zu reagieren. Die Touristik-Strategen bei der WFB erwarten, dass sich die Tourismusbranche nach einem Ende des Lockdowns nicht kurz- , sondern langfristig wieder erholen wird. Und sie beschäftigen sich mit der Frage, wie Corona das Verhalten der Menschen zukünftig beeinflussen wird. Werden sie anders reisen, andere Ansprüche an ihren Urlaub haben? „Umfragen zeigen, dass besonders die Geschäftsreisen betroffen sein werden. Wieviele Besprechungen werden künftig per Videokonferenz stattfinden? Wie können wir digitale Tagungsmöglichkeiten schaffen? Das sind Fragen, mit denen wir uns auseinandersetzen und für die wir entsprechende Angebote schaffen müssen“, so WFB-Chef Andreas Heyer.

Prognose: Bis zur Erholung wird es noch dauern

Vor Corona galt: „Städtereisen sind in der Regel anlassbezogen – Familienfeste, Kongresse, Veranstaltungen und Ausstellungen.“ Folglich gehörte es zur Bremer Strategie, Anlässe zu schaffen  – Kultur-Events, große Ausstellungen. Gezwungenermaßen werden jetzt kleinere Brötchen gebacken, die Tourismusstrategie 2025 soll angepasst werden. Kulturprogramme und „Pop-up-Stores“ in der Innenstadt – davon wird jetzt gesprochen. Hinzu kommen verstärkte Online-Aktivitäten.

„2021 wird noch ein Übergangsjahr bleiben“, sagt Heyer. „Bis wir wieder auf dem Niveau der Vorjahre sind, wird es dauern. Zunächst erwarten wir Reisende aus dem Inland. Die Auslands- und Geschäftsreisemärkte werden sich voraussichtlich erst ab 2022/23 erholen.“ Wie auch immer - steigende Zahlen bleiben für Bremen wichtig.

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