Vier Engel räumen auf

„Tausch-Bar“ der Recycling-Station Hohentor findet guten Zuspruch

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Marta Haacke ist einer der vier Engel der Recycling-Station Hohentor. Sie prüft eine perfekt erhaltene Puppe in der „Tausch-Bar“.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ein Mann kommt herein, stellt mehrere Bilderrahmen ab, grüßt kurz und geht wieder. Das Ergebnis dieses wortkargen Besuches in der „Tausch-Bar“ der Recycling-Station Hohentor kann sich sehen lassen. Es handelt sich um farbige Nachdrucke bekannter Werke, unter anderem von Vincent van Gogh und Salvador Dali.

Es herrscht Betrieb an der „Tausch-Bar“. Alles ist perfekt sortiert. Bücher stehen nebeneinander, schöne Puppen reihen sich auf einem Regal. Viel Geschirr ist zu haben, dazu alte Schallplatten und noch viel mehr. Wer solche Sachen nicht mehr braucht, kann sie hier anderen zur Verfügung stellen. Der Tausch findet in einer kleinen Hütte statt.

Betrieb wurde nach Gründung schnell zu arbeitsintensiv

Stella Terrano freut sich. Sie hat gerade eine schöne Kuchenform gefunden und einen eckigen Teller, dazu noch ein paar Bücher. Das alles will sie ihren Enkeln schenken und lädt es auf ihr Fahrrad. „Ich fand es schade, als das hier geschlossen war“, sagt Terrano.

Die „Tausch-Bar“ eröffnete im November 2015 als ein Highlight während der Europäischen Abfallwochen. Im August 2016 wurde sie dann erstmal wegen Vermüllung geschlossen. „Es gab zwar keinen gefährlichen Missbrauch, aber der Betrieb wurde zu arbeitsintensiv“, sagt Frank Marquardt, Pressesprecher beim Umweltbetrieb Bremen. „Einige Leute dachten, es handele sich um eine Entsorgungshütte. Wir mussten alles überdenken, wollten aber auf jeden Fall weitermachen“, so Marquardt. Es brauchte die Engel – Leute, die immer mal wieder nachgucken und ungeeignete Gegenstände entfernen. „Wir hatten acht Monate geschlossen. In der Zeit haben wir ein Patensystem entworfen. Die Engel leisten ehrenamtliche Arbeit. Da waren auch rechtliche Aspekte zu klären“, sagt Marquardt.

„Es ist ein bisschen wie ein Taubenschlag“

Die Funktionsfähigkeit ist oft gar nicht so einfach zu beurteilen. Marquardt zeigt einen guterhaltenen Fahrradsitz. „Das ist ein Grenzfall. Das Gegenstück zum Befestigen fehlt. Das ist schon problematisch“, sagt er. Einen adäquaten Ersatz selber zu bauen, sei kaum möglich.

Im Mai dieses Jahres war die Wiedereröffnung. Seitdem sind vier Engel für die „Tausch-Bar“ zuständig. Marta Haacke hält mit drei Kollegen die kleine Hütte ordentlich. „Es ist ein bisschen wie ein Taubenschlag. Man muss immer mal nachschauen und aufräumen. Kaputte Sachen entsorge ich gleich.“, sagt Haacke. Die 75-Jährige weiß, wie man aufräumt. „Ich habe mein Haus aufgegeben und wohne jetzt auf 60 Quadratmetern. Ich habe viel weggetan, was ich in meiner Wohnung nicht unterbringen kann“, so Haacke.

Nutzer loben das Konzept

Derweil mustert ein weiterer Engel, Karin Amelung, den Aufsatz einer Harke. Er ist neu. Das Preisschild ist noch dran: 2,99 Euro. „Das war wohl ein Fehlkauf“, sagt Amelung und räumt den Aufsatz ein.

Der nächste Besucher, Mirko Djokic, legt auch viele Sachen ab. Darunter ist ein schöner Lampenschirm, mit durchsichtigen und rötlichen kleinen Glaselementen. „Dafür könnten Sie auf dem Flohmarkt einen Zehner kriegen“, sagt Marquardt, während er das schöne Stück mustert. „Ach, ich habe noch genug für den Flohmarkt“, sagt Djokic. Er wird bald von Bremen zurück nach Hamburg ziehen und mistet darum nochmal ordentlich aus. „Das ist eine gute Idee. Sowas sollte es öfter geben“, sagt er – und bringt noch ein paar Puppen.

Info: „Tausch-Bar“, Am Hohentorsplatz 8. Eine zweite „Tausch-Bar“ gibt es auf der Recycling-Station in Blumenthal (Am Knick 7).

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