Nachhaltige Mobilität

„Sunrise“ sucht Lösungen fürs Hulsberg-Viertel

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Auch für Fußgänger sind die Wege in Teilen des Hulsberg-Viertels ein echtes Abenteuer. Menschen mit Rollatoren müssen zwangsläufig auf die Straße ausweichen.

Bremen - Von Steffen Koller. Verstopfte Straßen, illegal abgestellte Autos und holprige Radwege sorgen seit Langem für Ärger im Hulsberg-Viertel. Nun sollen Lösungen her. Wie diese Lösungen aussehen könnten, soll das jetzt gestartete EU-Forschungsprojekt „Sunrise“ aufzeigen. Zusammen mit Bürgern und dem Verkehrsressort sollen in den kommenden Jahren Möglichkeiten für nachhaltige Mobilitätslösungen erarbeitet werden. Am Dienstag war Auftakt.

„Es ist immer das Gleiche“, hieß es von einem Anwohner, „ständig werden unsere Straßen vollgeparkt. Müllwagen fahren Spiegel ab. Und wenn es mal brennen sollte – Feuerwehren kommen da nicht durch.“ Der Mann, der wie rund 80 andere Interessierte am Dienstag in die Friedenskirche an der Humboldtstraße gekommen ist, will Antworten auf dringende Fragen. Und vor allem: Lösungen müssen her. Wie kann das Hulsberg-Viertel rund um das Klinikum Mitte in Zukunft verkehrstechnisch gestaltet werden, so dass allen „Straßenraumnutzern“ Rechnung getragen wird. Wie können Parkmöglichkeiten geschaffen und gleichzeitig Räume für zum Beispiel Spielplätze bereitgestellt werden? Wie kommt jeder zu seinem Recht – und vor allem: Wer zahlt? Diese und andere Fragen standen bei der Auftaktveranstaltung im Vordergrund.

Doch zunächst zum Projekt selbst: „Sustainable Urban Neighbourhoods – Research and Implementation Support in Europe”, kurz „Sunrise“, ist ein Forschungsprojekt der Europäischen Union. Zusammen mit 16 weiteren Partnern sollen bis April 2021 Daten, Wünsche und Ideen gesammelt werden, wie die Zukunft der Straßen aussehen kann. 450.000 Euro stehen zur Verfügung, zehn Prozent davon letztlich für die Umsetzung von Einzelmaßnahmen. In den nächsten Jahren sollen mit Bürgerbeteiligung Vorschläge erarbeitet werden, die teilweise auch umgesetzt werden.

„Großer Straßenumbau“ nicht möglich

Da „Sunrise“ als Forschungsprojekt angelegt ist, werde ein „großer Straßenumbau“ letztlich nicht möglich sein, sagten die Koordinatoren Susanne Findeisen und Michael Glotz-Richter. „Am Ende bleibt die Entscheidungsgewalt bei der Politik“, ergänzten die beiden. Dennoch: Mit „Sunrise“ wollen die Verantwortlichen zumindest Fragen zur Mobilität beantworten – und wenn möglich auch Lösungen erproben.

Einer, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt, ist der Schweizer Verkehrsforscher Michael Koucky. In seinem Impulsvortrag zeigte er Wege auf, wie andere Städte mit Mobilitätsproblemen umgehen. In Tokio müssen zukünftige Autobesitzer beim Kauf einen eigenen Parkplatz nachweisen. Hier ist der Besitzer selbst gefragt, nicht die Politik. In New York kostet ein Privatparkplatz bis zu 200.000 Euro. Bremen brauche sich nicht zu wundern, dass alles zugeparkt sei, „wenn alles kostenlos ist“. Eine Patentlösung gebe es nicht. Nur Modelle. Bis Ende 2018 soll eine umfassende Bestandsaufnahme möglichst vieler Ideen erarbeitet werden. Bis April 2019 soll ein Aktionsplan stehen, sagte Susanne Findeisen. Bis dahin werden Umfragen gestartet und im Netz Meinungen gesammelt.

www.sunrise-bremen.de

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