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Bremen: „Strandlust“ wird abgerissen

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Von: Jörg Esser

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Blick auf einen Teil des Hotels „Strandlust“.
Das Hotel „Strandlust“ in Vegesack wird abgerissen und soll Platz für ein Neubaugebiet mit einer neuen „Strandlust“ machen. © Gnuschke

Die Vegesacker „Strandlust“ war über Jahrzehnte ein beliebtes Ausflugsziel. Doch seit September 2020 steht das Traditionshaus leer. Jetzt zeichnet sich eine Lösung für das Areal ab.

Bremen – Seit Anfang September 2020 steht die „Strandlust“ in Vegesack leer. Hotellerie und Gastronomie sind geschlossen. Die Pächter meldeten Insolvenz an. Der erste Corona-Lockdown brach dem Traditionshaus das Genick, weil etliche Buchungen für Hochzeiten, Firmenfeiern und Vereinsbälle storniert wurden. Nach 122 Jahren schloss damit eine Institution im Bremer Norden ihre Pforten.

„Das ist ein herber Verlust“, klagten Bewohner und Stadtteilpolitiker. Die „Strandlust“ war zudem jahrzehntelang ein beliebtes Ausflugsziel für Stadtbremer, für Leute aus dem Umland und von „weit weg“. Vor allem sonntags ging es im schicken Ausgeh-Outfit zum Kaffeesieren und Schiffe gucken ans Wasser nach Vegesack.

Jetzt steht fest, wie es mit dem Areal am Flussufer weitergehen soll. Unter anderem mit einer „Neuen Strandlust“. Die beiden Eigentümerinnen Bärbel Körzdörfer und Karin Harnack, Töchter des 2013 gestorbenen Bremer Fleischwarenfabrikanten Karl Könecke, und Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) unterzeichneten am Montag eine rechtsverbindliche Absichtserklärung für die Neuentwicklung des Geländes. In dem „Letter of Intent“ würden die „künftige Bebauung und Nutzung, der Erhalt des Außengeländes mit dem historischen Baumbestand sowie die Ver- und Entsorgung des denkmalgeschützten Bootshauses geregelt“, sagte Jens Tittmann, Sprecher des Bauressorts. Ein potenzieller Investor weiß also, was er machen soll und was er machen darf.

Rechtsverbindliche Absichtserklärung

Die „Strandlust“ habe eine hohe gesellschaftliche Bedeutung für Bremen-Nord und auch für Bremen, sagte Schaefer. „Hier haben Generationen Feste gefeiert.“ Das Haus sei immer das soziokulturelle Zentrum des Bremer Nordens gewesen. Und mit dem „Letter of Intent“ sei eine Einigung erzielt worden, dies auch für die Zukunft zu bewahren. „Auch uns war es ein hohes Anliegen, dass jetzt aus der ,Strandlust’ die ,Neue Strandlust’ werden kann“, sagten die beiden Eigentümerinnen. Es sei gelungen, einen für alle Seiten gangbaren Weg zu finden, der sowohl die gastronomische Seite als auch die weitere gewerbliche Nutzung und Wohnraum berücksichtige.

Um diese Ziele umzusetzen, haben sich die Beteiligten auf eine Neubebauung des 10 000 Quadratmetern großen Areals geeinigt. Das heißt: Die jetzige Immobilie wird abgerissen. Das Gelände soll dann vor allem mit kleinen Wohnungen bebaut werden, so Tittmann. 30 Prozent der Wohnungen sollen Sozialwohnungen sein. Weiter heißt es: „Höchstens 3 175  Quadratmeter des Areals und damit nur 30 Prozent dürfen überbaut werden. Eine Bruttogeschossfläche von 12 350 Quadratmetern soll nicht überschritten werden.“ 20 Prozent davon seien für gewerbliche Nutzung vorgesehen, die Hälfte davon für Gastronomie. Die Gebäude sollen zwei bis vier Vollgeschosse haben. Auf mindestens 70 Prozent der Dachflächen der Hauptgebäude sollen Photovoltaikanlagen installiert werden. Für die neue Gastronomie-Einrichtung soll ein Planungswettbewerb mit mindestens acht teilnehmenden Architekturbüros ausgeschrieben werden, heißt es weiter.

Baulast kommt ins Grundbuch

Und ebenfalls geregelt ist, dass die Ver- und Entsorgung des denkmalgeschützten ehemaligen Bootshauses über das Projektgrundstück gewährleistet werden kann. Hierzu soll eine entsprechende Baulast im Grundbuch eingetragen werden.

Jetzt folgt der Gang durch die Instanzen. Zunächst beschäftigt sich der Vegesacker Beirat mit dem „Letter of Intent“. Im Hintergrund laufen nach Informationen unserer Redaktion unterdessen bereits erste Gespräche mit möglichen Investoren.

1898 als „Etablissement Strandlust“ gegründet

Im Juli 1898 wurde das „Etablissement Strandlust“ auf einem alten Vegesacker Werftgelände eröffnet. Das Konzept sah eine Erholungsgaststätte vor. Die „Strandlust“ verfügte über einen großen Saal mit Galerie und Bühne, mehrere Clubräume sowie ein Restaurant, eine großzügige Gartenanlage und einen Musikpavillon.

Im Jahr 1945 beschlagnahmte die amerikanische Besatzungsmacht die „Strandlust“ und gab sie bis 1948 an die Bevölkerung zurück. In den folgenden Jahrzehnten wurden Hotel und Restaurant mehrmals umgebaut und aufgestockt.

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