Bremen steuert bis 2022 auf Bio-Kurs 

Verpflegung in Bremer Schulen und Kitas soll komplett umgestellt werden

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Äpfel mit Bio-Siegel liegen auf der Bio-Fachmesse. Bremen hat gestern die Umstellung auf Bio-Kost in Schulen und Kindertagesstätten und später auch in Kliniken beschlossen.

Bremen - Die Hansestadt Bremen hat verbindliche Vorgaben für die Umstellung auf Bio-Kost für Kinder, Schüler und Patienten beschlossen. Nach der Entscheidung des Senats sollen Schulen und Kindertagesstätten ihre Verpflegung bis 2022 zu 100 Prozent auf Bio umstellen. Für städtische Krankenhäuser gilt zunächst bis 2024 nur eine Quote von 20 Prozent.

Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) sprach von einem „deutlichen Signal in Richtung Erzeuger und Produzenten aus Bremen und dem Umland“. Die Umstellung sei auch klimapolitisch ein wichtiger Schritt. Damit liege Bremen bundesweit mit ganz vorne. Mit einem Aktionsplan sollen die Voraussetzungen für die Umstellung auf Bio geschaffen werden. Kernelemente seien dabei beispielgebende Pilotprojekte und die flächendeckende Schulung des Küchenpersonals. Die Koordinierung übernimmt das Projekt „Bio-Stadt Bremen“ beim Umweltressort. Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) sagte, sie finde es richtig, dass die kommunalen Kliniken sich dieses Ziel setzten und ökologische Produkte in die Verpflegung der Patienten miteinbeziehen.

Der Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) ist deutschlandweit einer der größten kommunalen Klinikkonzerne, zu dem vier große Krankenhäuser, 62 Fachkliniken, rund 3000 Betten und fast 7700 Mitarbeiter gehören. In diesem Bereich fällt die Umstellung auf Bio mit 20  Prozent weniger ehrgeizig aus. Heute sind es fünf Prozent. Zudem wurde ein Finanzierungsvorbehalt eingefügt. Allerdings gilt auch für die Kliniken ab 31. Dezember 2018 die Vorgabe von 100   Prozent Bio-Milch.

Umwelt-Staatsrat Ronny Meyer begründete die Senatsentscheidung so: „Wir sehen, dass in der Massentierhaltung und der konventionellen Landwirtschaft so einiges schief läuft. Die Massentierhaltung schadet den Tieren und verunreinigt das Grundwasser, giftige Pestizide in der Agrarwirtschaft schaden Insekten und Menschen. Unser Ziel ist, den Menschen gute ökologische Lebensmittel anzubieten.“ Und weiter: „Das Modell der Zukunft ist der ökologische Landbau. Mit unserem Beschluss wollen wir auch politisch ein Zeichen setzen.“

„Agrarpolitische Bündnis Bremen“ ein Initiator

Einer der Hauptinitiatoren ist das „Agrarpolitische Bündnis Bremen“ (ABB), das 2015 den Stein mit seinem Bürgerantrag „Kein Billigfleisch in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung“ mit 5383 Unterschriften ins Rollen und vor allem in die Bürgerschaft brachte. So umfassend wie in Bremen habe das so noch keine Stadt auf den Weg gebracht, sagte Peter Bargfrede von der Bremer Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft (EVG), die mit anderen Initiativen und Gruppen zum ABB gehört.

Allerdings hätte er sich vor allem für die Krankenhäuser größere Schritte erhofft. Bargfrede verwies mit Blick auf die Kosten auf ein Pilotprojekt des Vereins Sozialökologie in drei Bremer Kitas. Danach betrügen die Mehrkosten für eine Umstellung der Ernährung auf 100 Prozent Bio pro Tag gerade einmal elf bis maximal 23 Cent am Tag pro Mahlzeit. Voraussetzung sei aber, dass gut geschultes Personal saisonal, regional und fleischreduziert koche.

„Der Aktionsplan ist eine gute Entscheidung für die 20  000 Kinder und Jugendlichen, die täglich in städtischen Kitas und Schulen verpflegt werden“, sagte Jan Saffe, ernährungs- und agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion. Sie profitierten unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern von einer gesunden und nachhaltigen Ernährung. Die schrittweise Umstellung auf 100 Prozent Bio-Fleisch in Kitas und Schulen sei Bremens Beitrag zum Ausstieg aus der Massentierhaltung. 

dpa

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