Scheitern an 0,2 Sekunden

Bremen stellt Einstellungsverfahren für Polizeidienst auf den Prüfstand

Bremen stellt sein Einstellungsverfahren für den Polizeidienst auf den Prüfstand. Eine Arbeitsgruppe nimmt sich ab nächster Woche den Test für Bewerber vor, der nacheinander aus einem schriftlichen, sportlichen und mündlichen Teil besteht. Ziel ist, wie Polizeipräsident Lutz Müller am Donnerstag auf Nachfrage sagte, die Bewerber länger im Verfahren zu halten und sich am Ende ein Gesamturteil zu bilden, ob Mann oder Frau das Zeug zum guten Polizisten haben.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Nicht nur Müller und Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), sondern auch Lüder Fasche, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), halten es für angebracht, den Einstellungstest ins Blickfeld zu nehmen. Mögliche Änderungen würden allerdings erst zum nächsten Ausbildungsjahr im August 2020 wirksam, betont Lutz Müller.

Rund 1.500 junge Menschen (von 1 800 Bewerbern) erfüllten 2018 die Eingangskriterien und wurden zum Test eingeladen, so Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Innensenators. 38 Prozent scheiterten am ersten Filter, der schriftlichen Prüfung. Im Sporttest fielen 32 Prozent durch, den mündlichen Teil bestanden 17 Prozent der übriggebliebenen Teilnehmer nicht. Blieben also knapp 500 Bewerber für 50 bis 100 Stellen übrig. Ähnlich sah es in den vergangenen vier Jahren aus, so die Sprecherin.

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Dieses Jahr sind 200 Stellen zu besetzen

Dieses Jahr sind 200 Stellen zu besetzen, die Tests laufen noch. Und im Vergleich zum Vorjahr sind zwei Details verändert worden: Im Diktat (Lückentest) dürfen bis zu 15 Fehler (bisher zwölf) gemacht werden, und für den 35-Meter-Sprint in der Sporthalle haben die Bewerber 0,2 Sekunden mehr Zeit (Männer 5,8 Sekunden, Frauen 6,3 Sekunden). Denn genau an 0,1 oder 0,2 Sekunden scheiterten zahlreiche Bewerber.

Lutz Müller

Scheitern an 0,2 Sekunden, dafür möglicherweise auf einen jungen Menschen verzichten, der ansonsten das Zeug zum Polizisten hätte? „Nein“, sagen Müller, Mäurer und Fasche einhellig. Bremens Sporttest sei ohnehin schärfer als in einigen anderen Bundesländern, betonen Müller und Fasche. So reichen bei den Nachbarn beispielsweise das Sportabzeichen und ein 5 000-Meter-Lauf.

Polizeipräsident will mehr Bewerber bis zum Ende in der Runde halten

Müller zeigt ein anderes Beispiel auf: „Jemand, der eine Denksportaufgabe nicht lösen kann, ansonsten aber pfiffig ist und Fingerspitzengefühl hat, soll der gleich aus dem Verfahren fallen?“ Der Polizeipräsident will mehr Bewerber bis zum Ende in der Runde halten. Dann soll sich zeigen, ob die Kompetenzen für den Polizeiberuf vorhanden sind. Bremen werde keinesfalls Abstriche bei der Qualität machen, wehrt sich Müller gegen entsprechende Vorwürfe. Die Arbeitsgruppe werde sich nun bis Sommer die Tests vornehmen, möglicherweise das Anforderungsprofil schärfen.

Er liegt damit auf einer Linie mit dem GdP-Chef, der ein weiteres Beispiel für eine Sportübung zeigt, die es zu überdenken gelte. Wenn eine Frau, etwa 1,60 Meter groß (eine Mindestgröße hat Bremen bereits 2001 abgeschafft), fit und traniert, im Sprung nicht die Markierung am Basketballbrett trifft, ist sie bisher raus aus der Bewerbung. Nicht nötig, findet Fasche.

Um angesichts der großen Konkurrenz von Bundespolizei, Bundeskriminalamt, Zoll und Polizeien der Länder auch künftig ausreichend qualifizierte Bewerber zu akquirieren, hält der Gewerkschafter allerdings auch verbesserte Rahmenbedingungen für zwingend. Fasche: „In Bremen muss ein Polizist mehr arbeiten für weniger Geld.“ Polizisten beim Bund bekämen 300 Euro mehr. In Bremen seien viele Überstunden die Regel. Besorgt blickt der GdP-Chef aufs nächste Jahr, wenn ein ganzer Abiturjahrgang in Niedersachsen ausfällt. Denn aus Niedersachsen kommen üblicherweise Hunderte von Bewerbern.

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