Ein Gel zum Zupacken

Start-up „Purenum“ entwickelt Klebstoff für Nierenstein-Operationen

Mit dem Schlauch in die Niere: Ingo Grunwald (l.) und Manfred Peschka zeigen am Modell, an welcher Stelle der von ihnen entwickelte Klebstoff wirkt. - Foto: Kowalewski
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Mit dem Schlauch in die Niere: Ingo Grunwald (l.) und Manfred Peschka zeigen am Modell, an welcher Stelle der von ihnen entwickelte Klebstoff wirkt.

Bremen - Von Martin Kowalewski. 1,2 Millionen Deutsche erkranken jährlich an Nierensteinen. 200.000 Operationen sind pro Jahr nötig, weil die Steine zu groß sind und nicht über die natürlichen Harnwege abgehen. Dabei werden die Steine meist mit einem Laserstrahl zertrümmert. Oftmals bleiben kleine Steintrümmer in der Niere zurück, weil sie nicht mit den speziellen Greifwerkzeugen entfernt werden können. Diesen Steinen nimmt sich jetzt ein junges Bremer Start-up an: „Purenum“. Der Name ist eine Kurzform von Purum Renum, „Die reine Niere“.

Diese kleinen Nierensteintrümmer stehen durch neuste Forschung im Verdacht, Ausgangspunkt für einen neuen Nierenstein zu sein. Eine mögliche Erklärung dafür, dass sich in Deutschland etwa 50 Prozent der Patienten erneut einem Eingriff unterziehen müssen, heißt es.

„Purenum“ wurde im Bremer Technologiepark an der Uni in diesem Jahr von dem Biologen Ingo Grunwald (50) und dem Ingenieur Manfred Peschka (61) gegründet. Beide haben zuvor viele Jahre am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) in Bremen gerabeitet. Ihre Lösung ist ein Klebstoff: „Medinik“. Das steht für „Medizinischer Nierenstein-Klebstoff“.

Eine Animation zeigt, wie eine operative Nierenstein-Entfernung vor sich geht. Ein Endoskop dringt durch die Harnröhre in die Nierenkelche, Hohlräume in den Nieren, vor. Da das Endoskop mit einer Videokamera ausgerüstet ist, kann der Arzt auf einem Bildschirm in Echtzeit genau verfolgen, wo in der Niere er sich befindet. Dann positioniert er eine Laserfaser direkt vor dem Nierenstein und zertrümmert diesen anschließend mit einem Laserstrahl. Danach greift der Arzt die Trümmer mit einer Art Kralle und zieht sie heraus. Doch leider klappt das nicht immer, denn manche Trümmer sind einfach viel zu klein.

Hier kommt „Medinik“ ins Spiel. Der Klebstoff besteht aus zwei Flüssigkeiten, die über das Endoskop nacheinander in das Gebiet der Nierenstein-Trümmer gegeben werden. Sie verbinden sich binnen Sekunden und ergeben ein bläulich-durchsichtiges Gel, in dem die Trümmer gut zu sehen sind.

Stabil, aber ausreichend verformbar

Das Gel ist stabil und gleichzeitig auch verformbar genug, um mit dem Fangkörbchen gegriffen und samt den verklebten Nierenstein-Resten herausgezogen werden zu können. „Das Besondere an dem Klebstoff ist die selektive Adhäsion. Er klebt nicht an der Niere und auch nicht an den medizinischen Geräten“, sagt Peschka. „Außerdem klebt er unter Wasser. Das ist wichtig, denn die Nierensteine sind von Wasser umgeben.“

Grunwald zeigt eine Petri-Schale mit kleinen, künstlichen Nierensteinen in Wasser. Er trägt beide Flüssigkeiten auf. Ein blaues Gel entsteht. Es fühlt sich wabbelig an und schimmert blau. Mit einer feinen Zange nimmt Grunwald es aus der Petri-schale. „Normalerweise können Menschen unter Wasser nichts kleben. Klebstoff und Wasser sind gewissermaßen natürliche Feinde. Ein Klebstoff-Spezialist hätte nach so einem Klebstoff sicher nicht gefragt“, sagt Peschka, der als Ingenieur über eine breite Expertise im Einsatz von Klebstoff in industriellen Kontexten verfügt. Doch genau so eine Anfrage richteten Mediziner 2012 an das Fraunhofer-Institut.

Das Gel besteht bis zu 99  Prozent aus Wasser und aus verschiedenen langkettigen Zuckern. Nierenstein-Patienten werden aber noch etwas warten müssen, bis ihnen der Klebstoff hilft. Als medizinisches Produkt muss der neue Klebstoff jetzt eine große Menge an Sicherheitstests durchlaufen. Peschka vermutet, dass in zwei Jahren die ersten Patienten von dem neuen Produkt profitieren werden.

https://high-tech-gruenderfonds.de/de/portfolio/purenum

www.medinik.de

www.ifam.fraunhofer.de

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