Vorwurf der sexuellen Belästigung

Amtsgericht spricht Bremer Kontaktpolizisten frei

Im Zweifel für den Angeklagten. So urteilte das Amtsgericht Bremen am Freitag beim Vorwurf der sexuellen Belästigung gegen einen 57-jährigen Polizisten (vorne).
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Im Zweifel für den Angeklagten. So urteilte das Amtsgericht Bremen am Freitag beim Vorwurf der sexuellen Belästigung gegen einen 57-jährigen Polizisten (vorne).

Bremen – Sie sollen Ansprechpartner sein, für Menschen im Stadtteil ein offenes Ohr haben und fungieren als „Bindeglied zwischen Bürger und Polizeiwache“, so steht es auf der Webseite der Bremer Polizei: Kontaktpolizisten (Kop) suchen das Gespräch, sollen präventiv tätig werden, die gute Seele in Uniform. Die Vorwürfe gegen einen 57-jährigen Beamten, die am Freitag verhandelt wurden, ließen sich jedoch so gar nicht mit diesem Bild in Einklang bringen.

Sexuelle Belästigung wurde dem Mann vorgeworfen, letztlich sprach das Amtsgericht den Mann frei. 2017 soll der Angeklagte die heute 25 Jahre alte Frau in ihrer Wohnung aufgesucht haben. Er sollte, so Richterin Susanne Vesting, der Frau, die in der Vergangenheit wegen „einiger Vorfälle“ auffällig geworden sein soll, seine Unterstützung angeboten haben. Doch statt sich zu unterhalten, sei es nach einiger Zeit zu gegenseitigen Massagen gekommen. Davon, so Vesting, sei das Gericht überzeugt. Wovon das Gericht jedoch nicht überzeugt war: Dass die Handlungen des Beamten auch eine sexuelle Belästigung darstellten.

Zwar sagte die Frau aus, der Mann habe mehrfach versucht, ihre Brüste zu berühren, doch nachzuweisen sei dies dem Angeklagten nicht. Auch dass der 25-Jährigen, wie sie selbst berichtete, die Massagen unangenehm waren und „gegen ihren objektiv erkennbaren Willen“ geschahen, habe der Mann nicht realisieren können. Zumindest gebe es dafür keine eindeutigen Beweise. Und dennoch „dürfe man sich schon fragen, wie es zu einer solchen Situation kommen konnte“, sagte die Richterin mit Blick auf die gegenseitigen Berührungen, die das Gericht als erwiesen ansah.

Weitere Ermittlungen gegen Bremer Polizisten

Für den Verteidiger des Beamten, Rechtsanwalt Christian Albrecht, ist der Freispruch seines Mandanten „vollkommen zu Recht“ erfolgt. Die Aussagen der psychisch eingeschränkten Frau, die unter dem Fetalen Alkoholsyndrom leide, seien „durchweg inkonstant“ gewesen, zudem bestreite der 57-jährige Oberkommissar weiterhin, dass es überhaupt zu Massagen gekommen sei. Anders die Sicht von Anwältin Britta von Döllen-Korgel, die die Frau vor Gericht vertrat: Aus rechtlicher Sicht sei das Urteil nicht überraschend, am Ende habe Aussage gegen Aussage gestanden. Und so habe das Gericht im Zweifel für den Kontaktpolizisten zu entscheiden. Die junge Frau sei dennoch „erschüttert“ über die Entscheidung. Sie habe die Massagen als „ekelhaft“ und „gänzlich unangenehm“ empfunden und sich letztlich „nicht getraut, nein zu sagen“. Ihre Mandantin sei klein und zierlich, der Kop groß und kräftig – und eben Polizist in Uniform und mit Dienstwaffe. „Das macht schon Eindruck“, so von Döllen-Korgel, die zunächst offenließ, ob sie Rechtsmittel einlegen wird.

So beruhigend der Freispruch sicher für den Mann, der seit 1980 Polizist ist, sein mag, so schnell könnte er sich bald erneut vor Gericht verantworten müssen. Im Sommer, so lautet ein anderer Vorwurf, soll er während des Dienstes eine Prostituierte in einer Modellwohnung aufgesucht und vergewaltigt haben. Ermittelt wird in einem „besonders schweren Fall“ der Vergewaltigung. Der 57-Jährige wurde von Kollegen festgenommen, suspendiert, musste Waffe und Dienstausweis abgeben und darf auch die Diensträume nicht mehr betreten. Die Ermittlungen zu diesem und möglicherweise weiteren Fällen dauern aktuell noch an.

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