Rätselhafte Szene

Serie: Mein Kunst-Stück: Petra Fiebigs Installation „Er ist mir entwischt“

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Petra Fiebig vor der Installation aus Bleistiftschraffuren und zwei Kitteln. 

Bremen – „Er ist mir entwischt“ heißt Petra Fiebigs Installation, die sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es ist ein Ensemble aus einer riesigen Bleistiftzeichnung auf Leinwand, einer Graphitzeichnung mit Text direkt auf der Wand und zwei an der Wand hängenden Kitteln.

In beeindruckender Größe präsentiert sich Fiebigs Werk aus Bleistiftschraffuren und zwei Kitteln. Was ist in dem erleuchteten Haus passiert? Was bedeutet das kleine Porträt an der Wand und warum hängen die beiden Kittel dort? Der Titel „Er ist mir entwischt“ ist ein Anstoß für den Betrachter, mehr nicht. Die Bilder bestehen aus vielen feinen Kreuzschraffuren. Lineare Konturen gibt es nicht. Allein Licht und Schatten, Hell und Dunkel schaffen die rätselhafte Szene.

„Es ist das erste Mal, dass ich Zeichnung und Objekt kombiniere“, sagt Fiebig über ihr Werk von 2017. Graphit spielte aber schon vorher eine Rolle. Denn auch ihre früheren Installationen malte und bemalte sie mit Bleistift. Auf diese Weise richtete sie ganze Räume ein. Die Tapeten und Regale zeichnete Liebig in Echtgröße auf die Wand. Für Geschirr und Möbelstücke schraffierte sie Kaffeekannen und Kommoden auf entsprechend große Würfel und Quader aus weißem Papier. Bei dem hier vorgestellten Werk ist es erstmals eine Außenansicht. Statt der Eindeutigkeit einer Inneneinrichtung findet der Betrachter eine angedeutete Situation vor. „Es hat viel Spaß gemacht, die Installation herzustellen“, sagt die Bremer Künstlerin. „Zwei eigenständige Ideen von Bild und Objekt fügten sich leicht zusammen und sie funktionierten als Einheit recht schnell.“

Schon als Jugendliche war der 1969 in Bremen geborenen Fiebig klar, dass sie Kunst studieren würde. Ihr Vater, selbst Hobbymaler, und ihr Kunstlehrer hatten starken Einfluss auf diese Entscheidung gehabt. Vom Designstudium versprach sich die Jugendliche einen zusätzlich praktischen Nutzen. Doch das freie Bremer Studium weckte stattdessen den Wunsch, Neues zu entdecken. Fiebig wagte den Schritt in die freie Kunst. „Das war eine Quälerei“, sagt die Künstlerin heute und lacht. „Aber ich bin auf dem Weg geblieben.“

Nahezu täglich arbeitet sie im Atelier. Da sie vormittags Lehrveranstaltungen gibt, fällt die künstlerische Produktion meist in den Nachmittag. Die Herausforderung des Künstlerlebens sieht die Bremerin im Broterwerb einerseits und in der Beharrlichkeit andererseits, trotz zwischenzeitlicher Zweifel. Es gelte, dem scheinbaren Zwang zu widerstehen, seine künstlerischen Arbeiten „so zu stricken, dass sie sich verkaufen lassen“, sagt die Künstlerin.

Ob wir Kunst brauchen? „Auf jeden Fall. Sie gibt die Möglichkeit, sich dem Alltag zu entziehen. Sie ist ein politischer und ästhetischer Anspruch. Vielleicht ist es sogar ein Ur-Bedürfnis, sich mit Ästhetik zu füttern.“

Zu den Künstlern, die für Fiebig besonders bedeutend sind, zählen der deutsche Theaterregisseur Robert Wilson und die französisch-US-amerikanische Künstlerin Louise Bourgeois (1911 bis 2010). „Wilson reduzierte seine Bühnenbilder perfekt“, sagt Fiebig. Er lasse dadurch die Inszenierungen wie Bilder wirken, sagt die Bremerin. Bourgeois’ Werke hingegen seien sehr persönlich. „Es ist mutig, sich so auszudrücken, dass man selbst vielleicht sichtbar wird.“

Wenn Fiebig jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eine analoge Zeichnung an Bremens SPD-Bildungssenatorin Claudia Bogedan. „Als Hinweis darauf, kritischer auf die Beschäftigung der Kinder mit digitalen Medien zu gucken. Man weiß nicht, welche körperlichen und psychischen Auswirkungen die intensive Beschäftigung mit digitalen Medien hat. Gewaltverherrlichende Computerspiele sind da nur ein Aspekt.“

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