„Bremen zur See“: Unfälle und Fahrgastschwund auf der „Roland von Bremen“

Verhängnisvolle Fahrt nach Helgoland

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1977: Die „Roland von Bremen“ liegt zwischen Helgoland und der Düne vor Anker.

Bremen - Von Harald Focke. Ab Mitte der 70-er Jahre war das 1966 erfolgreich gestartete Bremer Helgolandschiff „Roland von Bremen“ nur noch selten vom Glück begünstigt. Der schwerste Zwischenfall ereignete sich am 8. September 1974.

An diesem stürmischen Sonntag geriet die „Roland von Bremen“ mit 720 Passagieren kurz vor Helgoland in zwei gefährliche Kreuzseen, bei der große Wellen aus verschiedenen Richtungen aufeinander stoßen und sich überlagern. Dabei kam das Schiff mächtig ins Schlingern. Eine 43-jährige Passagierin bezahlte ihre Reise auf der Nordsee mit dem Leben. Sie starb an inneren Verletzungen im Hubschrauber, der sie nach einem riskanten Ausbooten auf der Reede von Helgoland ins Krankenhaus nach Cuxhaven flog. 30 weitere Personen wurden verletzt, die meisten hatten Prellungen und Brüche.

Bis zu diesem verhängnisvollen Tag hatte die „Roland von Bremen“ 1,2 Millionen Fahrgäste befördert; dies war ihr erster tödlicher Seeunfall. Reederei und Schiffsführung beteuerten, sie treffe keine Schuld; von menschlichem Versagen könne keine Rede sein, obwohl das Schiff trotz Sturmwarnung ausgelaufen war.

Die Fahrgäste seien mehrfach über Lautsprecher aufgefordert worden, auf ihren Plätzen zu bleiben und nicht an Deck herumzulaufen, behauptete die Reederei. Leichtsinnige Ausflügler hätten den Appell nicht befolgt, auch zahlreiche Seekranke wären an Deck gegangen. Empörte Passagiere versicherten nach der Rückkehr in Bremerhaven, Anordnungen oder Warnungen habe es nicht gegeben, es sei entweder nichts gesagt worden oder nur Beschwichtigendes, von ein „bisschen Schaukeln“ und „schön festhalten“. Über die tatsächliche Gefahr, als das Schiff sich mit 35 Grad zur Seite neigte, sei nicht angemessen informiert, die Liegestühle an Deck seien nicht hinreichend gesichert worden.

Schlagseite war nichts Besonderes für die „Roland von Bremen“, wenn der Wind etwas kräftiger blies. Manchmal musste sie sogar umkehren, obwohl ihr sogenanntes einfallendes Kreuzerheck eigentlich für besondere Stabilität sorgen und gegen auflaufende See schützen sollte. Als einmal ein betrunkener Jugendlicher über Bord ging und ein Besatzungsmitglied beim Rettungsversuch ertrank, sorgte das ebenso für geschäftsschädigende Schlagzeilen wie ein bewaffneter Raubüberfall nach dem Muster des „Tatort“-Krimis „Haie vor Helgoland“.

Vor Beginn der Saison 1975 legte zu allem Überfluss ein Kurbelwellenschaden die „Roland von Bremen“ bis in den Juni hinein lahm. Der Drang zum zollfreien „Fuselfelsen“ ließ nach; die Konjunktur stotterte, die Tickets waren teuer geworden, „Butterfahrten“ in See gab es schon für eine D-Mark. Ab 1974 war außerhalb der Saison auch die „Roland von Bremen“ dabei. Von 1970 bis 1980 halbierte sich die Zahl ihrer Passagiere. 1984 gab die Reederei bekannt, ihr Schiff mache am 16. September seine letzte Fahrt. 2,7 Millionen Gäste hatte der Bremer Veteran befördert.

Im August 1985 kamen die Schneidbrenner im Werftbecken der bereits stillgelegten AG „Weser“ an die Reihe; der Stahl ging zur Klöckner-Hütte. Bug, Kommandobrücke, Schornstein und Mast baute ein Schrotthändler am Hemelinger Hafendamm zum Bürogebäude um.

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