„Bremen zur See“: Der Technische Betrieb des Norddeutschen Lloyd renoviert die „Europa“

3000 Kilo Farbe für den Rumpf

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In Bremerhaven wurde die „Europa“ auf den Einsatz unter der Flagge des NDL vorbereitet.

Bremen - Von Harald Focke. Am 15. Oktober 1965, dem Tag der Übergabe des Fahrgastschiffs „Kungsholm“ an den Norddeutschen Lloyd (NDL), kam kurz nach11 Uhr Johannes Kulenkampff als einziger Passagier für die Fahrt nach Bremerhaven an Bord. Er hatte das Schiff drei Stunden vor dem Auslaufen im Büro der Schweden-Amerika-Linie per Scheck bezahlt.

Der Kaufpreis betrug 41 Millionen DM. Was der NDL mit seiner in Schweden gekauften „Europa“ plante, darüber informiert die heutige Folge unserer Serie „Bremen zur See“. Ein paar weitere Millionen gingen für die Renovierung im Technischen Betrieb des Norddeutschen Lloyd in Bremerhaven drauf.

Für den maroden Truppentransporter „Pasteur“ hatte der Lloyd den Franzosen 1957 30 Millionen bezahlt, weitere 70 Millionen verschlang der Umbau zur „Bremen“ beim Bremer Vulkan. Die „Europa“ kostete acht Jahre später weniger als die Hälfte der allerdings größeren „Bremen“. Günstiger und schneller konnte der Lloyd ein so modernes und konkurrenzfähiges Schiff Mitte der 60er Jahre nicht bekommen.

Bereits im Juni 1964 war bekannt geworden, dass die „Kungsholm“ an den NDL verkauft war. Bis dahin waren die „Berlin“ und „Bremen“ im Liniendienst in der Touristenklasse noch gut ausgelastet. Deshalb traute sich der Lloyd zu, zwischen Bremerhaven und New York auch auf längere Sicht zwei Passagierschiffe einsetzen zu können.

Diese Beurteilung änderte sich innerhalb nur eines Jahres. Bei der Ablieferung der „Europa“ 1965 sagte der Lloyd-Vorstand: „Das Schiff ist für Kreuzfahrten in Europa und von USA-Häfen sowie für unseren Linienverkehr Bremerhaven-New York vorgesehen. Wir glauben, mit diesem Schiff, das voraussichtlich noch für lange Zeit einsatzfähig sein wird, eine wertvolle und geeignete Ergänzung unseres Passagierdienstes zu erhalten.“ Aufschlussreich war, dass zuerst der Kreuzfahrteinsatz genannt wurde.

Der Lloyd sei „gut gerüstet“ für die Herausforderungen beim Wettbewerb um die Fahrgäste, versicherte Vorstand Dr. Kulenkampff bei der Übernahme der „Europa“. Ein Gang durch das Schiff überzeugte Bremer Journalisten vom Optimismus des Lloyd-Chefs. Die „Kungsholm“ war „hervorragend gepflegt“. Besonders beeindruckten sie Wandverkleidungen aus Edelholz in den Salons, das überdachte Sportdeck und das Schwimmbad für die Besatzung auf dem Vordeck.

Die „Europa“ ging für zwei Monate in den Technischen Betrieb des NDL in Bremerhaven. Zunächst erhielt sie den reedereitypischen schwarzen Rumpf. 3000 Kilo Farbe wurden dafür verbraucht. Die Aufbauten blieben weiß, die Schornsteine wurden ockergelb. Ingenieure, Techniker, Künstler und Kunsthandwerker, Dekorateure, Maler und Tischler modernisierten die Ausstattung der fast 300 Außenkabinen und der Gesellschaftsräume. Die Umbauten betrafen die Küche. Bisher war sie darauf ausgerichtet, die Passagiere mit einem kalten schwedischen Büfett zu verwöhnen. Zukünftig sollte die warme deutsche Küche vorherrschen. Bis kurz vor der ersten Probefahrt Anfang 1966 waren täglich bis zu 500Werftarbeiter an Bord. Am 9. Januar 1966 ging es auf Jungfernfahrt.

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