„Bremen zur See“: Standardeinrichtung statt Maßanfertigung

Mit Goldtapete und Keramik

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Die „Bcd“-Einrichtung in der Offiziersmesse des Schnellfrachters „Hessenstein“ mit Goldtapete und Rosenthal-Keramiken.

Bremen - Von Harald Focke. Auf den Schiffen des Bremer Vulkan löste ein Standardprogramm Mitte der 60er Jahre die bisherige Maßanfertigung der Inneneinrichtung ab. Die heutige Folge unserer Serie „Bremen zur See“ nennt die Gründe.

„Jahrelang hatte ich nach Örtlichkeit gebaut“, sagt Chefinnenarchitekt Joachim Buchwald „Wenn irgendwo eine Ecke frei war, haben wir hier einen Schrank eingebaut oder da eine passende Kommode aufgestellt. Jedes Schiff wurde nach Aufmaß ausgestattet. Immer öfter gerieten die Gesellen in der Tischlerei mit dem Akkordbüro in Streit über die bewilligten Arbeitsstunden. Die wurden ständig abgesenkt. Eines Tages hieß es, die individuelle Möbelfertigung sei zu teuer geworden. Wenn wir konkurrenzfähig bleiben wollten, müsste ich mir etwas einfallen lassen.“

Das Ergebnis von Buchwalds Nachdenken war ein umfassendes Rationalisierungskonzept für die Planung und den Bau der Einrichtung von Wohnräumen auf Frachtern und Fahrgastschiffen. Das neue System wollte der Bremer Vulkan weltweit anbieten. Deshalb musste seine Name auf Englisch leicht auszusprechen sein. Die Wahl fiel auf das Kürzel „Bcd“: beautiful, comfortable und durable, auf Deutsch behaglich, komfortabel und dauerhaft.

„Bcd“ bestand aus vielfältig kombinierbaren Teilen sowie speziellen Konstruktionsverfahren für Kammerwände und Türen, die auf der Werft vorgefertigt wurden. Kunststoffe sollten bei späteren Instandsetzungen für geringen Aufwand sorgen. Stabile und haltbare Stahlrohrsitzmöbel, pflegeleichte synthetische Textilien und robuste Nirosta-Oberflächen der Wandprofile sowie Wände aus unbrennbaren Materialien seien die Pluspunkte von „Bcd“, versprach die Vulkan-Werbung.

Für die Sichtflächen der Möbel verwendete Buchwald allerdings Echtholzfurniere: „An den natürlichen Ausdruck von Holz kommt nun mal nichts anderes heran.“ Die Oberflächen wurden allerdings besonders geschützt, um sie so unempfindlich wie Kunststoffe zu machen. Sie sollten sich uneingeschränkt für den Einsatz auf See eignen.

„Bcd“ war trotz hoher Qualität als Serienprodukt günstiger als Einzelanfertigungen. Die Tischlerei kam mit den preislichen Vorgaben nun besser zurecht als früher. Jetzt wurde die Ausstattung zu einem akzeptablen Akkordpreis bezahlt. So rechnete sich der Auftrag besser als bisher. „Wir haben darauf geachtet, dass trotz ,Bcd‘ kein Schiff innen aussah wie ein anderes. Besonderen Wert haben wir auf die repräsentativen Sonderräume der Offiziere und der Passagiere gelegt“, sagt Buchwald. Auch mit „Bcd“ konnte er sich „individuell gestaltete Elemente“ leisten.

Für den Salon des Ostasien-Schnellfrachters „Hessenstein“ wählte er 1967 beispielsweise eine 24-karätige Goldtapete und Keramikplatten einer Fischerhuder Künstlerin, die er im Bremer Rosenthal-Studio in der Sögestraße entdeckt hatte. „Mein Gott, Buchwald, eine Goldtapete auf einem Frachter!“, meinte der Leiter der Technischen Abteilung des Norddeutschen Lloyd (NDL), Oberingenieur Willi Behrens. „Sie zelebrieren das ja mal wieder förmlich!“ Das war nun mal Buchwalds Art.

In den nächsten Folgen unserer Serie stellen wir zwei Weserdampfer der Nachkriegszeit vor.

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