„Bremen zur See“: Luftangriffe zerstören am 18. März 1943 die Werft „Bremer Vulkan“ in Vegesack

74 Sprengbomben in zehn Minuten

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Die Schäden beim „Bremer Vulkan“ durch den Luftangriff im März 1943 waren beträchtlich, ließen sich aber zügig beseitigen. Schlimmer wog der Tod von 108 Menschen.

Bremen - Von Harald Focke. Im Zweiten Weltkrieg gehörte Bremen als ein Zentrum der Rüstungsindustrie zu den am stärksten zerstörten Städten. Wie es beim Bremer Vulkan aussah, davon berichtet die heutige Folge unserer Serie „Bremen zur See“.

Am 18. März 1943 gab es in Bremen schon nachmittags Fliegeralarm. Nicht alle nahmen ihn ernst. Viermotorige US-Bomber vom Typ Boeing B 17 näherten sich vom Norden her in 600 Metern Höhe. Der Angriff galt der U-Boot-Produktion auf der Werft „Bremer Vulkan“ in Vegesack. 74 Sprengbomben trafen in nur zehn Minuten ihr Ziel. Die Flugabwehr war hilflos. Der Angriff forderte unter den Mitarbeitern 108 Todesopfer; 103 Menschen wurden teils schwer verletzt.

Robert Kabelac, seit 1935 im Vorstand der Werft zuständig für den Maschinenbau, machte am nächsten Tag einen Rundgang. Unter zusammengeknickten Helgen sah er kreuz und quer liegende U-Boote mit aufgerissenen Rümpfen. Kräne waren verbogen und lagen teilweise in der Weser. Bahngleise ragten in die Luft, Waggons waren umgestürzt. Keine Halle hatte noch ein Dach. „Alles halb so schlimm“, urteilte Kabelac über die Schäden. „Als eisenverarbeitender Betrieb können wir das meiste selbst reparieren.“ In zwei bis drei Monaten werde die Werft wieder laufen.

Der Luftschutz sollte dringend verbessert werden. Beim nächsten Alarm wollte man die Werft in künstlichen Nebel hüllen. Das funktionierte tatsächlich, als die Amerikaner am 8.Oktober 1943 erneut nach Vegesack kamen. Vier „Teppichwürfe“ gingen zwischen 500 und 1000 Metern neben die Werft, nur eine einzige Bombe traf. Es gab hier weder Tote noch Verwundete, dafür Schäden in der Umgebung.

Werftvorstand Kabelac organisierte nicht nur die Aufräumarneiten nach der Zerstörungen, sondern plante den Handelsschiffbau nach dem Krieg. Ihn interessierten moderne Typ-Motorfrachter, um sie mit verkleinerter Belegschaft rationell in Serien zu fertigen. Kabelac wollte die Erfahrungen im Kriegsschiffbau nutzen. Doch als der Krieg im Mai 1945 endete, waren seine Ideen Makulatur. Schiffbau im besiegten Deutschland war verboten. Beim „Vulkan“ sollte der Betrieb dennoch am 7. Mai wieder anlaufen. Die Ausgehsperre war aufgehoben, die ersten Arbeiter kamen in die Werft. Notdiesel sorgten für Strom. Am frühen Nachmittag aber teilte ein britischer Offizier Kabelac mit, er werde die Werft besetzen. Alle Mitarbeiter müssten sie sofort verlassen. Die Direktoren würden festgesetzt. Sie mussten auf einen Laster klettern, der sie nur nach Hause fuhr, um ein Besteck und eine Matratze zu holen, und dann zurückbrachte.

Am nächsten Tag kündigte ein Offizier der Royal Navy Kabelac an, er wolle mit ihm die Werft besichtigen. Doch dazu kam es nicht mehr, denn zwei Stunden später betraten zwei US-Offiziere das Büro. Die Amerikaner hatten Bremen und Wesermünde von den Briten übernommen, um den Nachschub für ihre Besatzungszone in Süddeutschland zu regeln.

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