„Bremen zur See“: Die Jungfernfahrt des Nordatlantikliners „Europa“

Winterreise nach New York

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9. Januar 1966: 40000 Menschen verabschieden die „Europa“ an der Columbuskaje in Bremerhaven zur Jungfernfahrt nach New York.

Bremerhaven - Von Harald Focke. Der 9. Januar 1966 war in Bremerhaven ein kalter und grauer Sonntag.An jenem Tag vor 60 Jahren lag das Passagierschiff „Europa“ an der Columbuskaje bereit zur Jungfernfahrt. Es war die letzte eines Nordatlantikliners. Näheres erzählen wir in der aktuellen Folge unserer Serie „Bremen zur See“.

Noch am Sonnabend war das neueste Passagierschiff des Norddeutschen Lloyd (NDL) sieben Stunden zur Probefahrt auf der Nordsee gewesen. Der erste Fahrgast kam kurz vor 8 Uhr morgens an Bord. Zwei Stunden später trafen sich Kapitän Carl Otto Efferoth, die Offiziere und die NDL-Vorstände Richard Bertram und Dr. Johannes Kulenkampff auf dem Sonnendeck, um den Namensstander zu hissen. Nun hatte der Lloyd nach 36 Jahren wieder offiziell eine „Europa“.

Auf dem Kai, den Galerien und in den Wandelgängen des neuen Columbusbahnhofs drängelten sich rund 40000 Schualustige, so viele, wie seit der Jungfernfahrt der „Bremen“ im Juli 1959 nicht mehr. Etwa 7000 Autos parkten im weiteren Umkreis, schätzte die Polizei. An allen Zufahrtsstraßen, auf den Deichen zwischen Strandhalle und Weddewarden standen die Wagen kilometerlang. Bremerhaven war verstopft; nur im Schritttempo ging es voran.

Das Marine-Musikkorps aus Kiel, die 61. US-Army-Band und das Orchester der „Europa“ gaben an der Columbuskaje ein gemeinsames Morgenkonzert. Radio Bremen übertrug sein Hafenkonzert aus der Abfertigungshalle und von Bord. Mit einem kurzen, kräftigen Händedruck verabschiedeten Bertram und Kulenkampff Punkt 11.30 Uhr Kapitän Efferoth. Für Kulenkampff war die neue „Europa“ eine „würdige Nachfolgerin“ der alten von 1930, die bis 1962 als „Liberté“ der „French Line“ gefahren war. „Mit diesem Schiff schließen wir einen Kreis. Der Norddeutsche Lloyd präsentiert wieder drei große Passagierschiffe: „Bremen“, „Europa“, „Berlin“. Allerdings nur bis zum Oktober 1966; im November fuhr die „Berlin“ nach La Spezia bei Genua in die Abwrackwerft. Der Lloyd beabsichtigte, mehr Vergnügungsreisen anzubieten als bisher. Deshalb war der Kauf der „Kungsholm“ trotz weiter wachsender Konkurrenz der Jets auf dem Nordatlantik sinnvoll.

20 Minuten vor der Abfahrt sprang der letzte Passagier direkt an der Gangway aus dem Taxi. Um viertel vor zwölf mussten die Besucher von Bord. Rund 1000 hatten sich am Morgen auf der „Europa“ umgesehen. Punkt 12 Uhr hieß es „Leinen los.“ Ein kalter Ostwind wehte über die Außenweser. „Muss i denn...” schmetterte die Bordkapelle, als die Schlepper den Liner von der Kaje zogen. Drei lange Töne aus dem Signalhorn grüßten zurück. Bremens Bürgermeister Willy Dehnkamp telegrafierte: „Dem neuen Passagierschiff, seiner Besatzung und seinen Passagieren allzeit gute Fahrt.“

Die „Europa“ hatte 500Passagiere an Bord, viele für eine Winterausfahrt. Am 16. Januar 1966 traf sie in Halifax ein, zwei Tage später in New York, wo ihr der übliche Empfang nach einer Jungfernreise bereitet wurde. „20Jahre unter der Lloyd-Flagge“, sagte Vorstand Richard Bertram der „Europa“ voraus. Tatsächlich blieben ihr 15 Jahre. Auf dem Nordatlantik fuhr sie noch drei Jahre, nur in der Saison oder beim Wechsel in die Karibik.

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