„Bremen zur See“: Vor 65 Jahren macht die „Gripsholm“ in Bremerhaven fest

Schneeweißer Liner

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Als erstes Passagierschiff nach dem Zweiten Weltkrieg machte die „Gripsholm“ am 27. Oktober 1950 vor der Lloydhalle an der Kaiserschleuse fest.

Bremerhaven - Von Harald Focke. Für Bremerhaven war es eine Premiere: „Die schwedische Flagge, das amerikanische Sternenbanner und die schwarz-rot-goldenen Farben der deutschen Bundesrepublik wehten gestern bei der Ankunft der ,Gripsholm‘“, berichtete die Lokalzeitung am 28. Oktober 1950 über den ersten Anlauf eines zivilen Fahrgastschiffes fünf Jahre nach dem Krieg. Darüber informiert diese Folge unserer Serie „Bremen zur See“.

„Endlich wieder das gewohnte Bild aus der Friedenszeit“, freute sich der Reporter. „Hunderte von erwartungsfrohen Menschen mit Blumensträußen hatten sich eingefunden, um ihre Angehörigen an Bord der ,Gripsholm‘ abzuholen.“ 292 Passagiere – meist Deutsch-Amerikaner – kamen mit ihr aus New York. Der schwedische Nordatlantik-Liner hatte vor der neuen Lloydhalle am Vorhafen der Kaiserschleuse angelegt. Die Columbuskaje beanspruchten noch die amerikanischen Besatzer. Bremerhaven war ihr Versorgungshafen. Die „Gripsholm“ der Schweden-Amerika-Linie hatte 1946 ihren Dienst auf dem Nordatlantik zwischen Göteborg, Kopenhagen und New York wieder aufgenommen. Deutsche Passagierschiffe gab es noch nicht, sie unterlagen anders als Frachter dem Verbot der Allierten. Die Schweden sahen in dieser Lücke eine Chance, durch einen weiteren Anlaufhafen ihre „Gripsholm“ besser auszulasten. Das verlängerte zwar die Überfahrt, versprach aber wertvolle Devisen, vor allem jede Menge Dollar.

Auf der Heimreise nach Göteborg wurden Heimwehtouristen erwartet, die wegen des Krieges lange nicht in Deutschland gewesen waren und gerne dort auch an Land gehen wollten. Für die Ausreise nach New York hofften die Schweden mit ihren preisgünstigen Passagen auf deutsche Auswanderer nach Kanada und in die USA.

Die 25 Jahre alte „Gripsholm“ war im Winter 1949/50 in Kiel modernisiert worden. Ein schräger Bug und niedrigere und breitere Schornsteine ließen den schneeweißen

Liner nicht mehr so altmodisch wirken wie bisher.

Die Schweden brauchten nun in Deutschland ein Vertriebsnetz, um ihr Schiff bekanntzumachen und die Fahrkarten zu verkaufen. Erste Wahl war das Hapag-Lloyd-Reisebüro, das seit 1948 wieder arbeitete. Die Abfertigung der „Gripsholm“ in Bremerhaven übernahm der Norddeutsche Lloyd. Sein Agentur-Leiter, Kapitän Dietrich Wilhelms, kümmerte sich um Passagiere, Gepäck, Post, Stückgut und den Proviant. Die Zahl der „Gripsholm“-Zusteiger in Bremerhaven stieg. Das Schiff kam häufiger an die Weser als geplant. Hatte der Vorstand des Norddeutschen Lloyd im August 1950 noch von der „Unmöglichkeit“ gesprochen, „für absehbare Zeit einen Passagierdienst nach New York wiederaufzunehmen“, zeichnete sich nun mit der erfolgreichen Abfertigung der „Gripsholm“ in Bremerhaven eine weitergehende Zusammenarbeit mit der Schweden-Amerika-Linie ab: Im Januar 1954 übernahm der NDL die „Gripsholm“. Ein Jahr später wurde sie seine „Berlin“.

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