„Bremen zur See“: Der erste Nachkriegsfrachter läuft vom Stapel

„Stein-Zeit“ beginnt 1951

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Die „Rheinstein“ auf der Weser.

Bremen - Von Harald Focke. Mit dem Petersberger Abkommen vom November 1949 erlaubten die Besatzungsmächte den westdeutschen Reedern, wieder schnelle Motorfrachter in Auftrag zu geben. Zuvor hatten die Alliierten ihnen nur kleine und langsame Schiffe mit veralteten Dampfmaschinen genehmigt, die international nicht mithalten konnten und sich deshalb nicht lohnten.

Gleich nach dem Ende der Beschränkungen bestellte der Norddeutsche Lloyd beim Bremer Vulkan eine Serie von sechs knapp 120 Meter langen, 14,5 Knoten (26 km/h) schnellen Frachtern. Das Typschiff „Rheinstein“ konnte am 15. März 1951 als erster Nachkriegs-neubau seinen Dienst aufnehmen. Erst am 3. Februar war es vom Stapel gelaufen.

Aus Vegesack folgten nun bis Mitte August 1951 im Monatsabstand fünf weitere Schiffe der „Rheinstein“-Klasse, obwohl Schiffbaustahl knapp war. Damit begann der Wiederaufbau der Flotte und die „Steinzeit“ beim Lloyd: Frachternamen endeten nun auf „-stein“. Die Neubauten lösten die betagten Charterschiffe ab, mit denen der NDL seinen US-Ostküstendienst begonnen hatte.

Als 1947 der Kalte Krieg zwischen Ost und West begann, machten Briten und Amerikaner die Westdeutschen schrittweise zu Partnern. Die Währungsreform im Juni 1948 brachte die Wirtschaft mächtig in Fahrt. An der Weser trafen wieder ausländische Schiffe mit den traditionellen Bremer Importgütern ein: Baumwolle, Kaffee, Tabak und Wein. Die Fesseln für den deutschen Schiffbau fielen – der „Korea-Krieg“ brachte für den Bremer Überseehandel einen gewaltigen Schub. Die westdeutsche Industrie konnte sich vor Bestellungen aus dem Ausland kaum retten. Die Bremer Häfen füllten sich und der Lloyd konnte mit der „Rheinstein“-Klasse am Aufschwung teilhaben. Für Ladung sorgte der Marshall-Plan, das Aufbauprogramm der USA für Westeuropa.

Die ersten vier Stückgutfrachter der „Rheinstein“-Klasse mit ihren 5000 Tonnen Tragfähigkeit und traditionellen Aufbauten in der Mitte hatten noch veraltete Holzabdeckungen auf ihren Luken. Die „Emsstein“ und die „Ruhrstein“ bekamen moderne aufrollbare Mac-

Gregor-Lukendeckel aus Stahl. Das Ladegeschirr der „Rheinstein“-Frachter bestand aus zwölf Ladebäumen für drei oder fünf Tonnen Tragfähigkeit und einem 30-Tonnen Schwergutbaum. Zwei Passagiere konnten jeweils in einer Doppelkabine mitreisen.

Der Lloyd schickte seine neuen Frachter zunächst nach Mittelamerika, später nach Nordbrasilien. Damit die wertvollen neuen Schiffe wegen damals noch ungeklärter Vorkriegsschulden im Ausland nicht an die Kette gelegt werden konnten, ließ der NDL sie vorsichtshalber zunächst für seine Tochtergesellschaft Roland-Linie eintragen.

Die „Rheinstein“ hatte deshalb bis 1958 einen Schornstein mit dem schwarzen Roland-Topp, danach fuhr sie offiziell als Lloyd-Frachter bis in die Containerzeit.

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