„Bremen zur See“: Die „Bremen“ kommt ein letztes Mal als Weihnachtsschiff

Mit Tanne und Tränen

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Die „Bremen“ hat Weihnachten 1971 ein letztes Mal mit einem beleuchteten Tannenbaum am Bug an der Columbuskaje in Bremerhaven festgemacht.

Bremerhaven - Von Harald Focke. Mit einem beleuchteten Tannenbaum am Bug kam die „Bremen“ am22. Dezember 1971 ein letztes Mal als „Weihnachtsschiff“ aus New York nach Bremerhaven. Der winterliche Nordatlantik hatte sich zuvor von seiner rauen Seite gezeigt. Böen bis Sturmstärke hielten Kapitän Paul Vetter auf der Brücke fest und ließen ihn nur in zwei Nächten etwas Ruhe finden.

Zur Erleichterung der Schiffsführung machte die defektanfällige Maschine keinen Ärger. „Wir haben sogar die noch ziemlich neue ,Hamburg‘ überholt“, freute sich der Leitende Ingenieur Werner Falkenberg. „Wir brauchten nicht einmal unsere volle Maschinenleistung. Die Kessel der ,Hamburg‘ qualmten, als wir mit 24 Knoten vorbeizogen. Ein tolles Gefühl, wir haben es richtig genossen!“

Kapitän Vetter berichtete vom tiefen Bedauern in den USA über den Rückzug: „Die ,Bremen‘ war immer eine hervorragende Repräsentantin Deutschlands“, hatte ihm der deutsche Konsul beim Abschiedsbesuch versichert.

Am 14. Dezember 1971 hatte die „Bremen“ Pier 88 in Manhattan verlassen. Nach einer erfolgreichen Kreuzfahrtserie in der Karibik nahm sie endgültig Abschied von New York. Es war ihre 300. Reise unter der Lloyd-Flagge.

Ihre letzte Fahrt zurück nach Bremerhaven hatte die „Bremen“ wegen eines Maschinenschadens mit einem Tag Verspätung begonnen. Mit 770 Fahrgästen war sie gut gebucht, aber nicht voll belegt. Mehr als 300 weitere Passagiere hätten mitreisen können. Die leeren Betten spiegelten den Sieg der Jets wider. Der Liniendienst mit dem Schiff zwischen Deutschland und den USA war zu Ende und mit ihm ein Zeitalter der Verkehrsgeschichte. Die „Bremen“ hatte länger ausgehalten als fast alle Konkurrenten.

In ihrer 1. Klasse reisten Weihnachten ein letztes Mal UNO-Diplomaten aus Prag und Moskau, ein deutscher Konsul und amerikanische Bankiers. Frühere Auswanderer trafen sich in der Taverne der Touristenklasse. Einige ältere unter ihnen reisten mit Koffern und Kisten. Sie wollten ihren Lebensabend „zu Hause“ verbringen und hatten bewusst die Seereise gewählt. Eine Deutsch-Amerikanerin, die seit 1948 ihre Heimat nicht mehr gesehen hatte: „Ich wollte mir noch einmal die Freude gönnen, mit dem Schiff anzukommen. Mit dem Flugzeug geht alles so schnell.“

Schon vor der Landung in Cherbourg, wo 370 Reisende von Bord gingen, gab Kapitän Vetter sein traditionelles Abschiedsessen, das noch einmal den Glanz vergangener Zeiten aufblitzen ließ. Zwölfeinhalb Jahre war die „Bremen“ ein deutsches Schiff gewesen – seit der Jungfernfahrt im Juli 1959. Nun war sie nach Griechenland verkauft. Anfang 1972 würde sie Bremerhaven für immer verlassen und nur noch Kreuzfahrten machen. Die Hapag-Lloyd-Hauszeitung erinnerte daran, dass „,Bremen‘ mehr als ein Schiffsname war, er verkörpert beste Tradition und zieht sich wie ein roter Faden durch die Schiffahrtsgeschichte der Hansestadt an der Weser.“

Als die Bordkapelle an der Columbuskaje „Auf Wiedersehen“ spielte, spürten alle, dass eine Epoche zu Ende war. Einer Helferin der Inneren Mission, die die „Bremen“ oft verabschiedet und empfangen hatte, kamen dann die Tränen: „Das Schiff ist doch ein Stück Bremerhaven.“

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