„Bremen zur See“: Das Bäderschiff „Bremerhaven“ erweist sich als Fehlplanung

Senat als Reeder erfolglos

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Die „Bremerhaven“ auf dem Weg nach Helgoland. Ihr Markenzeichen war der hohe schmale Abgaspfosten.

Bremen - Von Harald Focke. Ab Mitte der 50er Jahre wollte Bremen ein neues Helgolandschiff. Es kam 1960. Und es wurde ein grandioser Misserfolg. In der heutige Folge unserer Serie „Bremen zur See“ erzählen wir von den Hintergründen.

Der seit 1954 vom Norddeutschen Lloyd eingesetzte Helgolanddampfer „Glückauf“ hatte gute Seeeigenschaften und war beliebt. Verglichen mit den neuen Seebäderschiffen von der Elbe wirkte der Veteran von 1913 allerdings altmodisch. Ein Bremer Gutachten hielt die einträgliche „Glückauf“ für zu klein und zu langsam, obwohl ihre Passagiere fast doppelt so lange auf Helgoland bleiben konnten wie die Hamburger. Der Lloyd wollte sein knappes Geld nicht in einen teuren Neubau mit zweifelhafter Rentabilität stecken. Anders der Bremer Senat. Er ließ großzügig planen und wollte mit der Stadt Bremerhaven im Bremer Helgolanddienst selbst zum Reeder werden – auch dann noch, als absehbar war, dass das neue Schiff mehr Steuergeld kosten als jemals einbringen würde.

Die Idee, das Seebäderschiff für 1400 Tagesgäste außerhalb der kurzen Helgolandsaison mit 210 Passagieren auf Kreuzfahrten zu schicken, erwies sich als Verhängnis. Dafür waren flexible Kabinen nötig, die schnell ein- und ausgebaut werden konnten. Das trieb die Kosten kräftig in die Höhe. Die Finanzdeputation bürgte großzügig mit 4,5Millionen Mark.

Der Bauauftrag wurde ohne Ausschreibung freihändig an die Adler-Werft in Hemelingen vergeben, die nicht einmal einen Festpreis genannt hatte, sondern auf einer Preisgleitklausel bestand. Die Werft war eine Tochter der Argo Reederei, die den ehrgeizigen Staatsreedern beim Management half.

Während der kurzen Bauzeit von sieben Monaten gab es Änderungswünsche am laufenden Band, die den Preis von sechs auf 7,5 Millionen Mark klettern ließen. Dafür lieferte die Werft Ende Mai 1960 den Bremern mit der 88 Meter langen „Bremerhaven“ ein Schiff, das die „Wappen von Hamburg“ und die „Bunte Kuh“ der Hamburger in der Größe und Geschwindigkeit knapp übertraf. Genau darauf kam es den Senats-Reedern an. Am 4. Juni 1960 ging die „Bremerhaven“ auf Jungfernfahrt. Ihr wirtschaftlicher Misserfolg erforderte erneute Staatshilfe.

Das Land Bremen musste gleich nach der ersten Saison ein zins- und tilgungsfreies 1,5-Millionen-Darlehen nachschießen. Man hatte vergessen, dass ein Kreuzfahrtschiff eine wesentlich stärkere Besatzung erfordert als ein Helgolandfahrer, der abends an den heimatlichen Kai zurückkehrt und die Fahrgäste schon mit Würstchen, Kartoffelsalat und Bier aus grünen Flaschen beglückt. Ende 1962 betrug der Verlust mehr als 1,3 Millionen Mark. Die Betriebskosten lagen um eine Million höher als behauptet. Der Rechnungshof griff ein: Die Kreuzfahrten wurden gestrichen. Drei Millionen Mark hatten die Bremer Hobby-Reeder in den Sand gesetzt, denn ein Helgolandschiff hätten sie für 4,5 statt 7,5 Millionen Mark bekommen.

Der Senat wollte sich 1963 wieder von seinem Prestigedampfer trennen. Aus Bulgarien wurden sechs Millionen geboten. Doch die Offerte wurde zurückgezogen. Die Stena Line bot mit 4,8 Millionen zu wenig. Nun übernahmen die Profis von der Reederei D. Oltmann die „Bremerhaven“, doch nur für kurze Zeit. Im April 1965 sank das Schiff. Darüber informiert die nächste Folge unserer Serie.

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