„Ganz Phil Bremen“ in der Glocke

Mit Schwung und Blickkontakt

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Die Drei-Minuten-Dirigentin Wiebke hat die Bremer Philharmoniker ordentlich im Griff. Die Ouvertüre aus der Oper „Carmen“ erklingt recht authentisch. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Sie hat den Schwung schon raus. Wiebke (30) darf für drei Minuten Dirigentin der Bremer Philharmoniker sein. Ihre Bewegungen sind schnell. Souverän gibt sie Einsätze und nimmt Blickkontakt zu den ersten Geigen auf. Der Programmpunkt „Dirigent für drei Minuten“ war ein Höhepunkt bei der Veranstaltung „Ganz Phil Bremen – ein Tag voller Musik“, dem „Tag der offenen Tür“ der Bremer Philharmoniker am Sonnabend in der Bremer Glocke.

Wiebke hat das Orchester gut im Griff. Die Ouvertüre aus der Oper „Carmen“ von Georges Bizet erklingt im Originaltempo. Auch feine Melodienuancen arbeitet die Kurzzeit-Dirigentin heraus. Sie gibt zu, Erfahrungen zu haben. Sie dirigierte schon einmal das Orchester der Bremer Uni.

Patrick versucht es ebenfalls. Das Stück erklingt etwas schleppend. Die Bläser wirken gedämpft. Aber der junge Mann steht zu seinem Werk. „Ich wollte das schon immer mal so hören“, sagt er. Senior Karl, angereist aus Aurich, hat schon vor dem Spiegel zu CDs geübt. Er hat das Stück förmlich im Blut, bewegt den Dirigierstab zackig, hebt ihn dann in die Höhe und zeigt feine Nuancen. Ein unerkanntes Talent. Die mehr als 100 Zuschauer applaudieren im Großen Saal des Konzerthauses.

Etwa 70 Zuhörer haben die „Marßeler Trommelkids“ im Kleinen Saal. Die 17 Viertklässler haben Temperament und entlocken ihren Trommeln und Glocken viel Rhythmus. Das klingt international, mal afrikanisch, mal südamerikanisch. Vor ihnen steht Joachim Burkhardt (59) und leitet sie mit ausgestreckter Hand, Fingern und auch einer Trillerpfeife.

Die Zuschauer klatschen mit. Burkhardt nimmt eine Glocke und einen Stab in die Hand, wendet sich den Sitzreihen zu und schlägt rhythmische Motive. Einige Zuschauer übernehmen diese. Besonders beeindruckend ist das Stück „Was ist Rhythmus?“. Die Variationen daraus ergeben mehrere Minuten Musik. Mal schlagen die Zuschauer die Trommeln, mal klopfen sie auf ihre Beine oder auf ihren Oberkörper.

Es ist richtig voll in der Musikwerkstatt im Kapitelsaal der Glocke. Überall liegen Instrumente aus und können von den Besuchern ausprobiert werden. Ein kräftiger Luftstoß geht durch eine Trompete. Das Ergebnis klingt ein wenig nach einem Elefanten.

Der achtjährige Erik aus Bremen lächelt zufrieden. Von der Schwierigkeit her scheint die Trompete okay zu sein. „Ich kann mich nicht entscheiden“, sagt er. „Erst wollte ich die Geige nehmen, aber ich habe meine Finger nicht weit genug auseinanderbekommen.“ Er deutet die Griffbewegung der linken Hand an. „Da reichen ein paar Millimeter und der Ton ist falsch“, fügt er hinzu. Auch seine Mutter Marina Voropaeva (35) versucht sich an der Trompete und es kommt ein Ton. Ihr gefällt die Veranstaltung. „Es ist hier sehr interessant“, sagt sie.

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