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Corona: Lockerungen lassen Bremer Gastronomen aufatmen

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Von: Martin Kowalewski

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Auf der Empore: Stefan „Kimbo“ Gräfe hat vor gut einem Jahr das Restaurant „Lugger“ im Schlachthof eröffnet – mit viel maritimem Flair.
Auf der Empore: Stefan „Kimbo“ Gräfe hat vor gut einem Jahr das Restaurant „Lugger“ im Schlachthof eröffnet – mit viel maritimem Flair. © Kowalewski

Die coronageplagte Gastronomie in Bremen atmet auf. Es gibt Lockerungen, die Vorgaben beim Besuch von Lokalen sind nicht mehr ganz so streng.

Bremen – Die Gastronomen atmen auf, ein wenig zumindest. Bremen kehrt am 14. Februar trotz anhaltend hoher Corona-Inzidenzwerte in die Warnstufe 3 zurück. Und für die Restaurants und Kneipen heißt das: 2G statt 2G-Plus. Zutritt nicht nur für Geboosterte, sondern auch für Geimpfte und Genesene ohne zusätzlichen Test.

Zudem entfällt mit Inkrafttreten der mittlerweile 30. Corona-Verordnung die Dokumentationspflicht in den Gastro-Einrichtungen. Nathalie Rübsteck, Hauptgeschäftsführerin beim Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Bremen, hält die Lockerungen für „einen Schritt in die richtige Richtung“.

Gastronomie: Umsätze massiv eingebrochen

Roland Koch, unter anderem Geschäftsführer der „Paulaners“-Häuser an der Schlachte und im Wehrschloss und des Chilli-Clubs in der Überseestadt, sagt, 2G-Plus sei für die Gastronomie eine Katastrophe gewesen. Die Umsätze seien massiv eingebrochen. Koch betont, dass die Gastronomie kein Ort der Infektion sei.

Bremer Gastronomen hoffen auf schönes Wetter

Koch und Kollege Lothar „Barry“ Randecker, Geschäftsführer des „Theatro“ am Bremer Theater und der „Meierei“ im Bürgerpark, verweisen auf die höheren Besucherzahlen am Wochenende. Koch hofft, dass die Gastronomen Anfang/Mitte März wieder in normales Fahrwasser kommen. „Es reichen drei Tage schönes Wetter mit 15 bis 18 Grad – und schon sitzen alle draußen. Dann sind Frühlingsgefühle da.“ Dass kein Test mehr erforderlich ist, entspanne die Situation. In der „Meierei“ werde bereits wieder der „Tanz in den Mai“ geplant, sagt Randecker.

Thorsten Lieder, Geschäftsführer der Bremer Gastro-Gemeinschaft, sagt: „Die Menschen nehmen wahr, dass gelockert wird.“ Dadurch werde es für sie leichter, wieder in Lokale, Gaststätten und Restaurants zu gehen. Auch der Wegfall der Dokumentationspflicht sei eine Erleichterung für die Betriebe.

Das Restaurant „Lugger“ im Schlachthof hat 2021 mitten in der Pandemie geöffnet – im April draußen und im September in den Innenräumen. „Viele haben uns als verrückt bezeichnet“, sagt Geschäftsführer Stefan „Kimbo“ Gräfe. Das „Lugger“ habe die Folgen von Omikron gespürt, sagt Gräfe. Noch die ersten drei Wochen im November lief es fast normal. „Das hat sich richtig schön angefühlt.“ Dann kamen die letzte Novemberwoche, die Warnstufe 2 und mit ihr die 2G-Pflicht. „20 von 23 Weihnachtsfeiern wurden abgesagt“, so Gräfe. Doch er sagt auch: „Wir lassen uns den Spaß nicht nehmen.“ Fünfeinhalb feste Stellen gibt es im Restaurant, davon zweieinhalb für Köche. Kurzarbeit hilft über die Runden. Und auch das Kulturzentrum Schlachthof als Verpächter sei ein verständnisvoller Partner. „Die Omikron-Welle hat viele überrascht“, sagt er. Nach seiner Schätzung sind 95 Prozent seiner Gäste geboostert. Er erwartet keinen großen Unterschied durch die neue Warnstufe. „Wir sind bis jetzt weit entfernt von der Gewinnzone, aber wir werden toll angenommen.“ Er ist zuversichtlich, dass sein Lokal davon profitiert, wenn es im Schlachthof wieder so richtig mit Veranstaltungen losgeht.

Nathalie Rübsteck gibt die Warnstufe 3 Hoffnung. Sie beschreibt eine typische Problematik bei 2G-Plus: Wenn jemand aus einer Gruppe nicht geboostert war, seien alle nicht gekommen. Sie sagt auch: „Die Angst hält mehr Leute ab als die Zugangsregeln.“ Gräfe ergänzt, die Ängste seien spürbar. Als Beispiel führt er einen Stammtisch mit 16 Leuten an, von dem nur noch sieben gekommen seien, der Rest aus Vorsicht zu Hause geblieben sei – trotz kompletter Boosterung der Truppe.

Auch Homeoffice wirke sich aus, sagt Rübsteck. Vor Corona hätten sich viele, die ohnehin in der Stadt waren, abends hier mit Freunden getroffen. Das falle weg. Problematisch sei auch der Ausfall von Veranstaltungen. Ein anderes Problem: Der Fachkräftemangel wird durch die neue Kurzarbeitswelle verschlimmert. Und in Kurzarbeit-Zeiten könne man keine neuen Kräfte suchen.

Bremer Gastronomie mit Personalsorgen

Personal sei zur Zeit schwer zu bekommen, sagt Lieder. Viele hätten die Branche gewechselt. „Wenn es losgeht, wird es nicht reichen.“ Die Branche leide nach zwei Pandemiejahren unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Ende des Jahres habe es sieben Schließungen bei den Vereinsmitgliedern gegeben, einige Übernahmen und Betreiberwechsel.

„Wir brauchen im nächsten Herbst Regeln, die dann auch gelten und die dem Geschehen in der Gastronomie Rechnung tragen“, sagt Koch mit Blick in die Zukunft. Regeln dürften nicht ständig gewechselt werden.

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