Kein Platz mehr: Aufnahmestopp für Hunde

Illegaler Hundehandel bringt Bremer Tierheim an seine Grenzen

Lieb und zutraulich ist Mischlingshündin „Kristi“, hier auf dem Arm der neuen Leiterin des Bremer Tierheims, Sina Fehr. „Kristi“ wurde aus der Ukraine eingeschmuggelt.
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Lieb und zutraulich ist Mischlingshündin „Kristi“, hier auf dem Arm der neuen Leiterin des Bremer Tierheims, Sina Fehr. „Kristi“ wurde aus der Ukraine eingeschmuggelt.

Die Sicherstellung von Hunden im Zusammenhang mit illegalem Welpenhandel hat das Bremer Tierheim an seine Grenzen gebracht. Für weitere Hunde ist derzeit kein Platz, auch nicht für Vierbeiner, die Möchtegern-Hundebesitzer in der Corona-Pandemie zurückgeben wollen.

Bremen – „Stoppt den illegalen Welpenhandel“ – das steht auf einem Banner am Eingang des Bremer Tierheims in Findorff. Von gut 60 Hunden im Tierheim kommen mehr als 30 aus Sicherstellungen von Polizei und Veterinäramt. Es ist wieder voll im Tierheim, zumindest bei den Hunden.

Das liegt im Moment allerdings nicht an Vierbeinern, die in der Corona-Pandemie gekauft wurden und nun zurückgegeben werden. Für solche Fälle ist schlicht kein Platz mehr. Aktuell werden keine Hunde aufgenommen. „Wir brauchen Luft, wenn weitere Fundtiere kommen“, sagt Sprecherin Gaby Schwab. Es kämen telefonisch Anfragen von Menschen, die Hunde abgeben wollten. Man versuche, Interessenten zu vermitteln. Es sind die sichergestellten Hunde, die das Tierheim nach der Leere wieder voll werden ließen.

Kleine Hunde in viel zu engen Boxen

Ein solcher Hund ist Mischling „Kristi“, etwa eineinhalb Jahre alt, eingeschmuggelt aus der Ukraine. „Kristi“ ist Teil einer Straftat, über die auch unsere Zeitung berichtet hat. Ein aufmerksamerAutofahrer beobachtete im Mai, wie auf dem Weserpark-Parkplatz ein kleiner Hund aus einem Kastenwagen verkauft wurde. Er informierte die Polizei. Die stellte fünf Hunde sicher. Sie befanden sich in engen Boxen hinter einer Trennwand. In den Boxen konnten sie nicht aufrecht stehen. Einen sechsten Vierbeiner stellte die Polizei bei einer Frau sicher, die das Tier übers Internet gekauft hatte.

Auch Gabi Schwab wurde herangezogen, wie sie erzählt. „Es war an einem Sonnabend nach 13 Uhr. Das Veterinäramt war geschlossen und wir auch.“ Es habe sich um Hunde im Alter zwischen neun Monaten und zwei Jahren gehandelt, so Schwab. Teilweise hätten die Papiere nicht gestimmt. „Ein Hund wurde danach vor seiner Geburt geimpft“, sagt Schwab. Auch notwendige Papiere hätten gefehlt, ohne die Hunde gar nicht nach Deutschland eingeführt werden dürften. „Von den Hunden waren drei total verängstigt. Ihnen fehlte jede Erziehung“, sagt Schwab. „Drei waren zutraulich.“ Sie stammten wahrscheinlich aus einem Tierheim. Zu diesen gehört „Kristi“, die sich auf dem Arm der neuen Leiterin des Bremer Tierheims, Sina Fehr, ruhig streicheln lässt.

Schmuggelhunde müssen sich an Menschen gewöhnen

Bei verunsicherten Schmuggelhunden ist mitunter eine zeitaufwendige Gewöhnung an den Menschen durch die Tierpfleger notwendig. Mitunter müssten diese sich eine Viertel- bis zu einer halben Stunde in den Zwinger setzen und Vertrauen aufbauen. Wenn die Hunde dann ankämen und freundlich seien, gebe es Futter, so Fehr. „Der Hund gibt das Tempo vor.“ Ein weiteres Problem bei den eingeschmuggelten Hunden ist, dass erst einmal geklärt werden muss, ob sie in Deutschland bleiben können, ein schwebendes Verfahren, so Schwab. Von den Hunden, die durch das Tierheim vermittelt wurden, sei keiner zurückgegeben worden, sagt Schwab. Man fürchte aber eine Rückgabewelle durch unbedachte Käufe während des Lockdowns. Sie hofft, dass sich die Lage zum Winter hin beruhigt.

Blick in einen Transporter, in dem Hunde geschmuggelt wurden: ein Hund in einer zu kleinen Box. Fünf Hunde stellte die Bremer Polizei in dem Fahrzeug sicher, einen sechsten bei einer Käuferin.

Warum kaufen Menschen Schmuggeltiere? Schwab spricht von niedrigen Preisen, teilweise ab um die 500 Euro vor Corona. Durch die Nachfrage stiegen die Preise. Mittlerweile würden bis zu 1 500 Euro für einen Hund gezahlt. Ein einträgliches Geschäft für Schmuggler. Das Tierheim nimmt lediglich eine kleine Schutzgebühr, macht aber auch eine Vorkontrolle. Bei angehenden Hundehaltern mit direktem Zugang zum Garten werde meist ein Zaun verlangt, sagt Schwab.

Aktuell leben auch viele Katzen im Heim – mehr als 100. Bei Katzen gebe es keine Schmuggelei, und im Gegensatz zu Hunden könne man diese auch mal einige Stunden alleinlassen. Vom bisherigen Höchststand in Sachen Katzenbelegung ist das Tierheim allerdings noch weit entfernt: Der Rekord liegt bei mehr als 500 Katzen, aufgetreten 2015 vor dem Hintergrund des „Animal-Hoardings“ (krankhaftes Sammlen von Tieren), sagt Schwab.

Kontakt: www.bremer-tierschutzverein.de

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