„Eine Herausforderung“ 

Bremen saniert die mehr als 660 Jahre alte Burg Blomendal für 1,2 Millionen Euro

Karoline Linnert (v. l.), Klaus Peters und Hans-Joachim Katenkamp im Gespräch mit Ulrich Ruwe, der den Baufortschritt erklärte. J Foto: Senatorin für Finanzen

Bremen - Hier wird intensiv gearbeitet – das wird auf den ersten Blick klar, wenn man sich der Burg Blomendal nähert. Ein Gerüst rund um die Burg ist das deutliche Zeichen für umfangreiche Sanierungsarbeiten. Bremen investiert 1,2 Millionen Euro, um die gut 660 Jahre alte Burg für die Öffentlichkeit zu erhalten. Jetzt hat sich Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) vor Ort über den Stand der Bauarbeiten informiert.

Dabei lobte sie die zügige Sanierung und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten: „Alle ziehen an einem Strang. Die Burg ist ein Kleinod, das wir hegen und pflegen. Das tolle Ambiente bleibt durch die aktuellen Arbeiten langfristig für die Öffentlichkeit erhalten.“ Und sie dankte den Mitgliedern des Trägervereins Burg Blomendal für das ehrenamtliche Engagement. „Einfach großartig, was Sie hier leisten“, sagte sie.

Beim Rundgang über das Burggelände wurde deutlich, dass die Bauarbeiten an der Scheune weit fortgeschritten sind. Die Sanierung des alten Fachwerks ist aufwendig und kompliziert. So müssen durchfeuchtete Holzbalken ersetzt werden. Um die Statik zu verbessern, werden Balkenkonstruktion und Decke verstärkt.

Für Vermietungen steht die Scheune noch längere Zeit nicht zur Verfügung. 2018 wird dort die Kita einziehen, damit im Kitagebäude auf dem Burggelände Bauarbeiten durchgeführt werden können. Die Rückseite des ehemaligen Gerichtshauses bekommt eine Treppenanlage, einen Fahrstuhl und neue Fenster. Kita-Leiterin Ute Brost: „Wir nehmen gern die mit den Bauarbeiten verbundenen Beeinträchtigungen in Kauf. Hinterher haben wir hier alle bessere Bedingungen. Und wir können mehr Kinder mit Körperbehinderungen aufnehmen, wenn das Haus einen Aufzug hat.“

Beim Baustellenbesuch der Finanzsenatorin waren sich Volker Andrae und Bernd Schallhorn von Immobilien Bremen sowie der beauftragte Architekt Ulrich Ruwe einig: „Die Bauarbeiten sind kein Standard-Auftrag. Die Sanierung einer über 660 Jahre alten Burg ist eine Herausforderung.“ An der Burg werden Dachbalken ausgetauscht. Auch der Brandschutz wird verbessert. Auf die Nachfrage der Senatorin, ob es Probleme mit dem Denkmalschutz gebe, betonte Architekt Ruwe: „Der Denkmalschützer wurde früh in die Planung einbezogen und der Kontakt wird während der Bauarbeiten gehalten.“

Den Baustellenbesuch nutzte Linnert auch zu einem Gespräch mit Klaus Peters und Hans-Joachim Katenkamp vom Verein Burg Blomendal. Vereinsvorsitzender Peters lobte das finanzielle Engagement Bremens: „Die 1,2 Millionen Euro sind gut investiertes Geld. Die Burg ist in den vergangenen Jahren deutlich bekannter geworden – auch überregional. Pro Jahr kommen rund 10 000 Besucher – Großveranstaltungen wie das Burgfest oder der Flohmarkt nicht einberechnet. Auch Firmen interessieren sich zunehmend für die Burg als Tagungsort.“ Die Lage in direkter Nachbarschaft des Blumenthaler Bahnhofs sei ein Pluspunkt: „Eine Burg mit Bahnanschluss – wer hat das schon?“

Trauungen finden auch während der Bauarbeiten statt, fünf allein am Freitag. Peters: „Wir haben alle Brautpaare vorab informiert. Natürlich ist es schade, wenn das Gerüst auf Fotos zu sehen ist. Die meisten Paare haben aber Verständnis dafür.“ Bis Ende des Jahres soll das Gerüst verschwinden.

Der Verein steckt viel Arbeit in das von ihm betreute historische Archiv. Ein Mammutprojekt ist das Einscannen der Akten. Das Interesse der Öffentlichkeit an den Dokumenten wächst. „Die Burg ist die Keimzelle Blumenthals. Hier finden sich zahlreiche Belege über die Vergangenheit der Burg und des Stadtteils, zum Beispiel alte Gerichtsakten, Dokumente über die Burg oder Einwohnermeldedaten. Daran sind Studenten und Professoren interessiert, aber auch Schulgruppen“, sagte Peters. Er zeigte Unterlagen über Bauern, die sich aus der Leibeigenschaft freikauften. Katenkamp scherzte: „Frau Linnert, die Archivrecherche lohnt sich auch für Sie. Die Burgherren waren damals sehr findig, wenn es um die Erhöhung der Einnahmen geht.“

Linnert dankte den Vereinsrepräsentanten stellvertretend für alle Vereinsmitglieder: „Sie leisten tolle Arbeit. Ich wünsche Ihnen weiter viel Erfolg.“ 

sk

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