Enge an Weser, Bahnhof und Stern

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ZUGEPARKT: Beide Seiten des Hauptbahnhofs.

Bremen - Von Heinrich Kracke. Allein das Thema Fahrradparkplätze ist abendfüllend. „Da passiert schon jede Menge“, sagt etwa Martin Stellmann aus der Bremer Straßenbauverwaltung. 100 Abstellbügel wurden mit der Fertigstellung der Humboldtstraße vor wenige Tagen freigegeben, 70 weitere am Hauptbahnhof ebenfalls erst vor kurzer Zeit.

„Stimmt zwar“, sagt Ulrich Land vom Bremer Ableger des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, „aber das sind nur Tropfen auf den heißen Stein. Wir brauchen viel mehr.“

Das Beispiel Bahnhof. Auf dem Vorplatz entwickeln sich werktags regelmäßig abenteuerliche Szenen, selbst an der Heuss-Allee an der Bürgerweide kommt es zu Engpässen. Sogar jetzt schon, obwohl die radfahrerstarken Monate noch gar nicht begonnen haben, wenn wieder Massen auf den Drahtesel umsteigen, weil sie dann oftmals schneller unterwegs sind als mit dem Auto. Auf kurzen Stadtstrecken zumindest. Und für die langen Wege nehmen sie Straßen- oder Eisenbahn. „Die Wildparkerei nimmt zu, der Druck auf die Flächen wächst stetig,“ sagt Ulrich Land. Um des Problems wirklich Herr zu werden, bedürfe es allein am Bahnhof 200 weiterer Abstellplätze. Jedes Jahr.

Und schon ist das Problem offenkundig. Die Hansestadt ist bei den Metropolen mit mehr als einer halben Million Einwohner deutschlandweit die Nummer eins unter den Radfahrerstädten, aber sie kann den Anspruch, der daraus resultiert, nur mit Mühe und erheblichem Zeitverzug genügen. Das, was getan wird, und Hunderttausende kostet, mag zwar aller Ehren wert sein, aber kaum ist eine Maßnahme erledigt, gesellen sich zwei neue hinzu.

Radler aus den Landkreisen Diepholz und Verden, längst nicht mehr nur die Freizeit-Pedalritter, sondern auch viele Pendler, können ein Lied davon singen. Wenn sie aus Richtung Dreye den Weserdeich entlang gondeln, den Werdersee passiert haben und kurz vor der Kaisen-Brücke angelangt sind, wirds plötzlich prekär. „Maximal drei Meter breit ist der Weg da noch,“ sagt ADFC-Geschäftsführer Land, „manchmal weniger.“ Da müsse man jetzt am Ball bleiben, immerhin werden in den nächsten vier Jahren bis 2018 die Deiche erhöht, und „das ist eine ideale Möglichkeit, ausreichend breite Wege für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen.“ Wenn nicht jetzt, wann dann? Zumal diese Route auch noch zum Weserradweg gehört und damit zu einem der beliebtesten Fernradwege der Republik.

Das nächste Problem liegt nur zwei Kilometer entfernt und ist inzwischen zur unendlichen Geschichte geworden. Der Stern. Mehr als anderthalb Millionen Radfahrer drehen hier pro Jahr ihre Runde, noch häufiger ist nur die Kaisen-Brücke frequentiert, und ständig geraten sie mit den anderen Verkehrsteilnehmern in Konflikt. Das Ergebnis: Rund 60 Unfälle pro Jahr allein an dieser Gefahrenstelle. Und das Schlimmste: Obwohl der Stern schon mehrfach umgebaut wurde, entspannte sich die Lage keinen Deut. „Das hat nichts gebracht,“ sagt ein Beobachter.

Um endlich einen Durchbruch zu erreichen, griff das zuständige Ressort nach dem letzten Mittel und ließ die Ecke „verkehrspsychologisch“ untersuchen. Seit Januar liegen die Ergebnisse vor. Autofahrer seien mit der Vielzahl der Entscheidungen, die sie bei der Durchfahrt treffen müssen, überfordert, hieß es in dem Gutachten, Radfahrer tragen zu dem Durcheinander mit oftmals missverständlichen Handzeichen bei, insgesamt werde am Stern zu schnell gefahren. Die Experten vom Institut für Angewandte Psychologie in München rieten zu Ampelanlagen an den Einfahrten aus der Hollerallee, sie sollen auf Rot schalten, sobald Straßenbahnen passieren. Gleichzeitig werde der innere Ring verkleinert, um außen mehr Abstand zwischen Fahrbahn und Radweg zu schaffen. Klingt kompliziert, ist aber bei näherem Betrachten einfach, wird wohl auch so kommen, heißt es aus dem zuständigen Ressort, aber der Weg dorthin ist verwinkelt.

Die zuständigen Beiräte wollen gehört werden, Anwohner-Initiativen haben ein Wörtchen mitzureden, Autofahrer- und Radfahrer-Lobbyisten treten gern ihre Meinung breit, und ganz generell bleiben Zweifel. Man sitze ja nicht das erste Mal zusammen, sagen Kritiker, sondern zum x-ten Male, und nie ist eine bahnbrechende Lösung gelungen. Zu Zeitabläufen mag sich längst niemand mehr äußern. Welche Mühlsteine selbst bei kleinen Detaillösungen aus dem Weg zu räumen sind, erlebten die Zuhörer vergangene Woche ebenfalls im Beirat Schwachhausen. Lediglich über eine einzige Radweg-Zufahrt zum Stern wurde da diskutiert, und das einen ganzen Abend lang.

Und der Stern ist nicht mal ein Einzelfall. Die Geschichte um die Hermann-Henrich-Meyer-Allee in Schwachhausen ist so lang wie der Straßenname selbst. Mal wird sie zur Fahrradstraße erklärt, mal nicht, was aktuell der Fall ist. Und dann wäre da noch die Friedrich-Ebert-Straße und ihr desolater Radweg nahe der Neuenlander Straße. Und, und, und.

Derweil wird die Straßenbaubehörde nicht müde, auf die Liste zu verweisen, mit denen Radfahrern der Weg durch die Stadt erleichtert werde. Da sind Ampelanlagen pedalritterfreundlich geschaltet, da sind Abbiegungen übersichtlicher gestaltet worden. Rund eine halbe Million Euro flossen in die Umbauten. Und dennoch ist das erst der ganz kleine Anfang. Vergangenes Jahr gab das Bau- und Umweltressort einen Zwischenbericht zur Chancen- und Mängelanalyse im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplanes 2025 heraus. Er umfasste satte 357 Seiten. Eng beschrieben.

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