Zeuge: „Sie waren es“

Prozess um getöteten 15-Jährigen: Cousin identifiziert  die Angeklagten

Bremen - Von Steffen Koller. Drei Männer sollen in der Silvesternacht 2016/2017 den 15-jährigen Odai K. so schwer misshandelt haben, dass dieser später an seinen schweren Hirnverletzungen starb.

Seit Mitte Juni steht das Trio im Alter von 16, 24 und 35 Jahren wegen gemeinschaftlichen Totschlags vor dem Landgericht Bremen. Am Freitag sagte der Cousin des Opfers aus. Er identifizierte alle drei Angeklagten, bei einem vorangegangenen Angriff dabei gewesen zu sein. Eine Stunde etwa hält sie es aus, dann geht die Mutter des getöteten 15-Jährigen unter Tränen aus dem Gerichtssaal. Zu traumatisch scheinen die Erinnerungen, die die Aussage des Zeugen hervorrufen. 

Im Detail schildert der Cousin von Odai K. die Geschehnisse vom 31. Dezember 2016. Man sei am späten Nachmittag noch Chips und Cola kaufen gewesen, alle hätten sich auf den Beginn des neuen Jahres gefreut. Statt bis spät in die Nacht Raketen in Richtung Himmel steigen zu lassen, wurde Odai kurz nach Mitternacht ins Krankenhaus eingeliefert und ins künstliche Koma versetzt. Am 7. Januar dieses Jahres starb der Junge. Verantwortlich für den Tod des syrischen Flüchtlings, der mit seiner Familie in die Lüssumer Heide gezogen war, sollen die drei Angeklagten sein.

Schwere Hirnblutungen, Schädel- und Jochbeinbruch

Die türkischstämmigen Hayat G. (35) und sein jüngerer Bruder Hayrettin G. (24) sowie der gemeinsame Neffe Sipan G. (16, Deutsch-Armenier) verfolgten laut Staatsanwaltschaft ihr Opfer kurz nach Mitternacht in ein Café, malträtierten es mit Faustschlägen und Fußtritten und schlugen letztlich mit einer halbgefüllten Whisky-Flasche gegen den Kopf. Im Krankenhaus stellten die Ärzte diverse Verletzungen fest – unter anderem schwere Hirnblutungen, Schädel- und Jochbeinbruch und mehrere gebrochene Rippen. Da die Angeklagten sich bislang nicht zum Geschehen äußerten, der mutmaßliche Tatort erst mehr als eine Woche nach der vermeintlichen Tat versiegelt und zwischenzeitlich sogar gereinigt wurde (wir berichteten), kommt es im Prozess auf Zeugenaussagen an. Nach Angaben des 19-Jährigen war es im Vorfeld der Prügelattacke bereits zu einer Auseinandersetzung zwischen etwa 15 Personen gekommen, in die sowohl Odai als auch der Zeuge und sein Bruder involviert gewesen sein sollen. Dabei habe Hayrettin G. dem Bruder des Zeugen ohne ersichtlichen Grund eine Kopfnuss verpasst, Hayat G. soll ein Messer gezogen und damit gedroht haben. Warum es letztlich zum Streit kam, ist dem Zeugen bis heute unklar. Aus Polizeiakten, die vor Gericht verlesen werden, lässt sich vermuten, dass die unterschiedliche Herkunft von Opfern (Araber) und mutmaßlichen Tätern (Kurden) ausschlaggebend war. 

Fortführung am 23. Oktober

„Du bist Araber, Du bist Daesch“, soll einer der Angeklagten gerufen haben. Letzteres ist eine andere Bezeichnung für den „Islamischen Staat“ (IS). Während der Zeuge und andere Familienmitglieder in die Wohnung einer Frau flüchteten, hätten sie Odai aus den Augen verloren, sagt der 19-Jährige. Auch wenn er die mutmaßliche Attacke im Café nicht gesehen habe, stehe für ihn fest: „Ich bin mir sicher, sie waren es.“ Später, gegen 2.30 Uhr, machten sich der Zeuge und andere auf die Suche nach Odai. Was sie fanden, war nur der Busausweis des 15-Jährigen. Dass der Junge da schon im Sterben lag, war ihnen nicht bewusst. „Wir wollten doch nur feiern.“ Der Prozess wird am Montag, 23. Oktober, mit der weiteren Vernehmung des Zeugen fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa

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