Tötungsprozess: Zeugin sagt aus

„Sie hatte Angst vor ihm“

+
Der 27-jährige Angeklagte und sein Anwalt Demba Hoch beim Prozessauftakt. 

Bremen - Von Steffen Koller. Drogen, Gewalt und ein tödliches Silvester: Im Prozess gegen einen 27-Jährigen, dem Totschlag an seiner Ehefrau zur Last gelegt wird, sagten am Donnerstag zwei Sachverständige vor dem Bremer Landgericht aus. Eine Toxikologin berichtete, in welchem Ausmaß Drogen in der Silvesternacht eine Rolle spielten, der Rechtsmediziner äußerte sich zu den Verletzungen der Frau. Auch eine ehemalige Arbeitskollegin des Opfers war geladen – ihre Aussage warf kein gutes Licht auf den Angeklagten.

Vier Stiche töteten die 27 Jahre alte Cennet. So viel steht auch nach dem Obduktionsbericht eines Mediziners (48) fest. Der Mann zählte am Donnerstag in seiner Aussage „vier wesentliche Verletzungen“ der Frau auf: Ein durchstoßenes Herz, Verletzungen des Zwerchfells, der Leber und des Dickdarms. Zudem waren beide Lungenflügel kollabiert. Am gravierendsten seien jedoch die Schäden am Herz gewesen, machte der Rechtsmediziner klar. „Allein diese Verletzung erklärt den Tod“, sagte er. Für den Experten kommt „am ehesten ein Messer“ als Tatwaffe in Betracht, mindestens 13 Zentimeter müsse die Klingenlänge betragen haben. Die Aussagen des Mediziners decken sich mit den Angaben des Angeklagten, der zu Prozessauftakt eingeräumt hatte, am Silvestermorgen 2017/2018 vor der gemeinsamen Wohnung in Osterholz mit einem Küchenmesser auf seine Frau eingestochen zu haben (wir berichteten).

Doch das war es auch schon mit Eindeutigkeiten an diesem Verhandlungstag. Das Gutachten einer Toxikologin (55) weist zwar sowohl beim Angeklagten als auch beim Opfer auf Drogen- und Alkoholkonsum am Tatabend hin, gebe jedoch kaum Aufschluss über die tatsächlichen Wirkungen der Substanzen auf die Psyche der jeweils 27-Jährigen, so die Sachverständige. So hätten laut Untersuchung beide Alkohol, Ecstasy, Kokain und Cannabis genommen, wobei „die Dosis der zu sich genommenen Wirkstoffe aus pharmalogischer Sicht keinen Einfluss auf die Steuerungsfähigkeit hatte“, führte die Ärztin aus. Bei der Kombination mehrerer Drogen sei die Wirkung jedoch „unberechenbar“, ergänzte sie. „Die beiden hätten einen guten Abend haben können. Es ist aber auch denkbar, dass jemand an die Decke geht. Vieles ist möglich“, sagte die 55-Jährige.

Einen Einblick in das Seelenleben der Getöteten ermöglichte eine ehemalige Arbeitskollegin (49). Sie sagte aus, dass Cennet ihr wiederholt von Gewalt in der Ehe berichtet habe. So soll der Angeklagte unter anderem seine Frau geschlagen, gewürgt und angespuckt haben. „Sie hat viel Gewalt erfahren.“ Die 27-Jährige habe oft den Wunsch geäußert, sich trennen zu wollen. „Doch sie hatte Angst vor ihm. Angst, er würde ihr was antun.“ So soll der Mann den Kopf seiner Frau eines Tages unter Wasser gedrückt haben, als sie gerade dabei war, den gemeinsamen Sohn zu baden.

Der Prozess wird am Montag, 28. Mai, fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Leipzig und Augsburg mit Mühe im Pokal weiter

Leipzig und Augsburg mit Mühe im Pokal weiter

Flutkatastrophe in Indien trifft Hunderttausende

Flutkatastrophe in Indien trifft Hunderttausende

Syker Gourmetfestival

Syker Gourmetfestival

Weyher Ortsschildlauf

Weyher Ortsschildlauf

Meistgelesene Artikel

Am Bremer „Fly over“ droht Chaos: Einwöchige B6-Sperrung ab Mittwoch

Am Bremer „Fly over“ droht Chaos: Einwöchige B6-Sperrung ab Mittwoch

Mordfall ohne Leiche - Prozess beginnt in Bremen

Mordfall ohne Leiche - Prozess beginnt in Bremen

Kieserling hat ein Ziel - die regionale Marktführerschaft

Kieserling hat ein Ziel - die regionale Marktführerschaft

Laura Wontorra eröffnet RTL-Kinderhaus in Gröpelingen

Laura Wontorra eröffnet RTL-Kinderhaus in Gröpelingen

Kommentare