Fall hat oberste Priorität

Nach tödlichem Polizei-Einsatz in Bremen-Gröpelingen: Interne Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Tatort-Sichtung in Gröpelingen. Hier wurde bei einem Polizei-Einsatz ein Mann tödlich verletzt.
+
Tatort-Sichtung in Gröpelingen. Hier wurde bei einem Polizei-Einsatz ein Mann tödlich verletzt.
  • Elisabeth Gnuschke
    vonElisabeth Gnuschke
    schließen

Zwei Wochen nach den tödlichen Schüssen während eines Einsatzes der Polizei in Bremen-Gröpelingen laufen die internen Ermittlungen dazu auf Hochtouren. Das sagte nun der Leiter der Ermittlungsgruppe.

Update vom 2. Juli: Zwei Wochen nach einem Polizei-Einsatz mit tödlichen Schüssen auf einen 54-jährigen Mann in Bremen-Gröpelingen laufen die internen Ermittlungen gegen die an dem Einsatz beteiligten Beamten auf Hochtouren. Der Fall habe oberste Priorität und alle verfügbaren Kräfte würden zur Aufarbeitung eingesetzt, sagte der Leiter der internen Ermittlungsgruppe, Marcus Schirmbeck, am Donnerstag in einer Sitzung der Innendeputation der bremischen Bürgerschaft. Allerdings könne er zum jetzigen Zeitpunkt keine Details und Einzelheiten zu dem Vorfall nennen, da es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Das von dem Einsatz ins Netz gestellte Video sei eine Hilfe. Aber es müssten weitere umfangreiche Aufklärungs- und Beweisarbeiten geleistet werden. Die Dienstwaffen seien sichergestellt worden und die Hülsen und Projektile müssten nun ausgewertet und Schusskanäle anhand der Obduktion analysiert werden. Es handele sich nicht um eine Bagatelle, sondern um ein Tötungsdelikt, betonte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Wenn die Staatsanwaltschaft entschieden habe, ob es sich um Notwehr gehandelt habe oder nicht, werde eine detaillierte Unterrichtung erfolgen.

Der aus Marokko stammende Mann wurde mit zwei Schüssen getroffen, nachdem er mit einem Messer auf die Beamten losgegangen war. Er starb kurz darauf im Krankenhaus. Die Szene wurde vom Balkon eines Gebäudes per Handy gefilmt; das Video wird von den Ermittlern als authentisch angesehen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Beamte wegen Totschlags und prüft, ob der Schusswaffen-Einsatz gerechtfertigt war. (dpa)

Originalartikel vom 19. Juni: Bremen – Der 54 Jahre alte Mann, der am Donnerstag nach einem Polizei-Einsatz im Ohlenhof-Viertel in Gröpelingen gestorben ist, hat die Polizisten zuvor mit einem langen Messer bedroht. Das ist auf einem Anwohner-Video zu sehen, das im Netz kursiert und auch der Bremer Staatsanwaltschaft vorliegt. Diese hält die Aufnahmen für authentisch. Sie ermittelt gegen zwei Polizisten wegen des Verdachts des Totschlags – der übliche Weg, wenn ein Einsatz derart tragisch endet.

Dem Vernehmen nach soll das Video von einer Anwohnerin der Wohnanlage stammen. Obwohl die Ermittlungsbehörden sonst Gaffern, die bei Unglücken gleich ihr Handy zücken und Filmchen drehen, sehr kritisch gegenüberstehen, hält die Staatsanwaltschaft die Aufnahmen in diesem Fall für hilfreich. Das sagte am Freitag gegenüber unserer Zeitung Oberstaatsanwalt Frank Passade. Die Bilder könnten in diesem Fall zur Aufklärung beitragen.

Passade erhellte auch die Hintergründe des Einsatzes. Seinen Angaben zufolge ist der 54-jährige Marokkaner aktenkundig. Er soll mehrfach durch Sachbeschädigungen in der Mietwohnung aufgefallen sein. Am Donnerstag gegen 14 Uhr wollten zwei Mitarbeiter der Wohnungsgesellschaft den Zustand der Wohnung begutachten. Da es Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Mannes gegeben habe, hätten sie aus Sicherheitsgründen um Begleitung durch die Polizei gebeten, sagte Passade.

Situation eskaliert in Bremen-Gröpelingen

Nach der Besichtigung wollten die beiden uniformierten Polizisten, ein Mann und eine Frau, den 54-Jährigen zum sozialpsychiatrischen Dienst bringen. Damit, so die bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, sei der Mann nicht einverstanden gewesen, er habe sich dagegen gewehrt. Die Situation sei eskaliert.

Das Video zeigt die Szenerie im Innenhof. Inzwischen sind zwei weitere Beamte in Zivil eingetroffen. Zu sehen ist, wie ein Mann mit langen Haaren und Bart ein Messer in der Hand hält, laut Passade mit einer etwa 20 Zentimeter langen Klinge. Immer wieder fordern ihn die Polizisten mit gezogenen Waffen laut auf, das Messer wegzulegen. Das macht er nicht. Als der Mann mit dem Messer auf einen Polizisten zuläuft, fallen zwei Schüsse. Der 54-Jährige stirbt kurze Zeit später im Krankenhaus.

Tödlicher Polizei-Einsatz: War es Notwehr?

Die Staatsanwaltschaft will in ihren Ermittlungen klären, ob der Einsatz der Schusswaffe gerechtfertigt – also Notwehr – war. Dazu wird das Video ausgewertet, werden zahlreiche Zeugen befragt, sagte Passade. Die beiden jungen Polizisten sind zur Zeit nicht im Dienst. Neben der Staatsanwaltschaft ermittelt die Interne Abteilung im Innenressort.

Polizeivizepräsident Dirk Fasse, die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sowie die Fraktionen von SPD, Grünen und CDU zeigten sich betroffen und drückten ihr Mitgefühl mit dem 54-Jährigen sowie ausdrücklich auch mit den Beamten aus, die diese „schwerwiegende Entscheidung“ hätten treffen müssen. Nur die Linken bezogen die Polizisten nicht mit ein. Alle warnten vor einer vorschnellen Bewertung. Diese sei erst nach Abschluss der Ermittlungen zum Polizei-Einsatz möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Blumenkohl liefert Aroma mit Köpfchen

Blumenkohl liefert Aroma mit Köpfchen

Erst das Game, dann die Hardware: Gibt es die VR-Killer-App?

Erst das Game, dann die Hardware: Gibt es die VR-Killer-App?

Das magische Farbspiel des Staudenphlox

Das magische Farbspiel des Staudenphlox

Keltische Traditionen und malerische Schönheit

Keltische Traditionen und malerische Schönheit

Meistgelesene Artikel

Überfall auf Supermarkt: Täter fesseln Frauen und flüchten mit Geld aus Tresor

Überfall auf Supermarkt: Täter fesseln Frauen und flüchten mit Geld aus Tresor

WFB sichert 3 440 Arbeitsplätze

WFB sichert 3 440 Arbeitsplätze

St.-Joseph-Stift feiert 1000. Geburt

St.-Joseph-Stift feiert 1000. Geburt

Krasser Unfall am Breitenweg: Mann überfährt Fahrräder und stirbt kurze Zeit später

Krasser Unfall am Breitenweg: Mann überfährt Fahrräder und stirbt kurze Zeit später

Kommentare