SPD-Fraktionschef in Weyhe

Der Netzwerker: Polizeidirektor Rainer Zottmann geht in den Ruhestand

Einmal noch am Schreibtisch – für das Foto: Rainer Zottmann, Leiter der Direktion Einsatz, in seinem schon halb leeren Büro im Bremer Polizeipräsidium. Foto: KUZAJ
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Einmal noch am Schreibtisch – für das Foto: Rainer Zottmann, Leiter der Direktion Einsatz, in seinem schon halb leeren Büro im Bremer Polizeipräsidium.

Bremen - Freitag ist sein letzter Arbeitstag, das Büro im Polizeipräsidium in der Vahr hat er schon halb ausgeräumt. Rainer Zottmann (63) aus Weyhe, Leiter der Direktion Einsatz bei der Bremer Polizei, geht in den Ruhestand. Anlass für einen Rückblick auf Jahrzehnte, in denen sich Polizei und Gesellschaft stark verändert haben. „Netzwerke sind wichtig“, nennt der Polizeidirektor eine seiner prägenden Erfahrungen.

Zottmann, in der Gartenstadt Vahr groß geworden, hat 1976 sein Abitur in Bremen gemacht. Anschließend ging er für zwei Jahre zu Bundeswehr – da war er dann schon mal in der Kaserne in der Vahr, die Jahrzehnte später zum Polizeipräsidium umgebaut werden sollte. „Ich war bei den Feldjägern und habe in dem Zusammenhang die Polizei in Bremen und Niedersachsen kennengelernt“, sagt Zottmann.

Eigentlich habe er etwas im Bereich Biologie machen wollen. Doch: „Bei der Polizei hat es mir gut gefallen.“ Also: Ausbildung im mittleren Dienst, Bepo statt Bio – „Zotti“, wie ihn die Kollegen nennen, kam zur Bereitschaftspolizei. „Im gleichen Zug wie Holger Münch.“ Münch, 58, ist heute Chef des Bundeskriminalamts.

Zottmann erinnert sich an seinen ersten großen Einsatz. Es war gleich ein prägendes Erlebnis: „6. Mai 1980. Vormittags Schule, nachmittags zum Weserstadion.“ Die Krawalle beim öffentlichen Rekrutengelöbnis. „Da sind uns die Steine um die Ohren geflogen.“

Rainer Zottmann: „Damals war vieles autoritärer“

Kein schönes Erlebnis für die jungen Polizisten. Doch vor allem: „Damals sind diese Dinge nicht aufgearbeitet worden. Damals war vieles autoritärer.“ Brokdorf, Hafenstraße, Gorleben, immer sei es so gewesen: „Es hat keiner versucht, uns den Sinn oder Unsinn dieser Einsätze zu erklären.“ Das sei heute anders. „Die Kollegen wissen in der Regel, worum es geht.“

Das Alleingelassenwerden, die Nichtaufarbeitung – „das hat unsere Polizeigeneration geprägt“, sagt Zottmann. Diese Generation wollte es anders machen. Passend zur Gesellschaft, die nun auch nicht mehr so autoritär geprägt war. 1983 kam Zottmann zur Hochschule für öffentliche Verwaltung. Da sei der Blick dann schon auf andere Bereiche ausgeweitet worden. „Da haben wir gelernt, wie wichtig es ist, sich zu öffnen, Netzwerke zu bilden.“

Die Netzwerk-Erfahrung, sie zieht sich von da an durch Zottmanns Berufsleben. Auf andere Menschen zugehen, sie kennenlernen, Argumente mit ihnen austauschen. Kontakte knüpfen. „Wenn man sich kennt, kann man im Ernstfall schneller handeln.“ So habe er es bei seiner Arbeit im Bremer Westen und bei seiner Arbeit im Steintor gemacht, sagt Zottmann, der die Ausbildung für den höheren Dienst an der Polizeihochschule in Münster-Hiltrup absolvierte. „Man muss immer wieder das Gespräch suchen, Transparenz herstellen.“

Umgang mit Fußball-Ultras: Gegenseitig Rollen anerkennen

Das schaffe Vertrauen – auch im Umgang mit Fußballanhängern und Ultras. „Man kriegt so etwas wie Respekt hin.“ Es gehe darum, die gegenseitigen Rollen anzuerkennen und zu versuchen, „den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden“; es gehe um „Zusammenarbeit unter Wahrung der jeweiligen Rollen“. Zottmann: „Damit man auch bei Krisen miteinander reden kann.“

Zottmann wurde Leiter der Schutzpolizei und später Chef der Direktion Einsatz. Er hat verschiedene Polizeireformen mitgestaltet und war daran beteiligt, als Bremen die Kontaktpolizisten einführte – „Bürger wollen Polizisten zum Anfassen.“ Er hat erlebt, wie gering die Gestaltungsmöglichkeiten bei leeren Kassen werden. „Es ist schwer, wenn das Personal nicht ausreicht, wenn man das dem Bürger sagen muss. Das zermürbt.“ Jetzt dürfe die Polizei wieder stärker einstellen. „Da kann man wieder mehr gestalten – jetzt gehe ich leider in den Ruhestand.“

Gestalten aber wird er in Weyhe – in der Politik. Zottmann ist dort SPD-Fraktionsvorsitzender. Welche Polizeierfahrung nimmt er mit in die Politik? Natürlich: „Netzwerke bilden.“ Und: „Auch da hingehen, wo es wehtut, wo man nicht nur Applaus bekommt. Ich habe gelernt, mit unterschiedlichsten Menschen auf Augenhöhe zu reden. Ich habe gelernt, zu vermitteln und den Mangel zu verwalten. Und zu vermitteln, warum das eine oder andere nicht geht.“

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