Abwertende Äußerungen über Homosexualität

Volksverhetzung: Geldstrafe für Pastor Olaf Latzel

Der Prozess gegen Pastor Olaf Latzel wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung hat am Freitag begonnen. Unterstützer des Pfarrers protestierten vor der Glocke.
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Der Prozess gegen Pastor Olaf Latzel wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung hat am Freitag begonnen. Unterstützer des Pfarrers protestierten vor der Glocke.

Bremen – Dort, wo sonst schöne Musik erklingt, hat unter großem Interesse von Medien und Zuhörern am Freitag der Prozess gegen den Bremer Pfarrer Olaf Latzel begonnen. Das Verfahren findet wegen der Corona-Bestimmungen in der Glocke statt. Am Mittwoch wurde das Urteil verkündet.

Update vom 25. November: Das Amtsgericht Bremen hat den evangelischen Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 8.100 Euro verurteilt. Das Gericht verhängt 90 Tagessätze zu 90 Euro, Damit folgte Richterin Ellen Best am Mittwoch im Grundsatz dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Diese hatte allerdings eine wesentlich höhere Geldstrafe gefordert, 10.800 Euro. Pastor Olaf Latzel hatte sich im Oktober 2019 in einem Ehe-Seminar abwertend über Homosexualität geäußert. Eine Audiodatei des Seminars war kurzzeitig auch auf Youtube eingestellt worden. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. (dpa)

Meldung vom 20. November: Weil er in einem Eheseminar Äußerungen über Homosexualität gemacht hat, muss sich der 53-Jährige wegen Volksverhetzung verantworten. Der Geistliche soll bei einem Eheseminar im Oktober 2019, das fünf Monate später auch auf Youtube eingestellt wurde, von „Genderdreck“, und einer „Homo-Lobby“ gesprochen. Er habe mit seinen Äußerungen zum Hass angestachelt, warf ihm Staatsanwalt Florian Maaß beim Vortragen der Anklageschrift vor. Kern des Vorwurfs ist die Passage: „Überall laufen diese Verbrecher rum vom CSD (Christopher Street Day), feiern Partys und am Rathaus hängt die Regenbogenfahne. Das sind bewusst anti-christliche Dinge, mit denen die Ehe torpediert wird.“

Prozess gegen Bremer Pfarrer wegen Volksverhetzung: Zwei Staatsanwälte

Zuvor hatte Latzels Verteidiger Sascha Böttner versucht, einen weiteren Anwalt als Pflichtverteidiger beiordnen zu lassen. Der Grund: Auch die Staatsanwaltschaft ist zweifach vertreten. Der Antrag wurde zwar abgelehnt, Wahlverteidiger Mathias Schult sollte später aber noch eine Rolle spielen. Wieso die Staatsanwaltschaft – und das ist denkbar unüblich – für ein solch überschaubares Verfahren vor dem Amtsgericht zwei Sitzungsvertreter entsandte, wurde nicht erklärt.

Sowohl Staatsanwälte als auch die Vorsitzende Ellen Best machten von ihrem Fragerecht so gut wie keinen Gebrauch. Dabei hätte es nach der Vorführung der für wenige Tage ins Netz gestellten Audiodatei genügend Anlass gegeben, zu Latzels Motivation, zum Kontext oder etwaigen Widersprüchen Aufklärung zu erhalten.

Prozess gegen Bremer Pfarrer wegen Volksverhetzung: Gericht stellt kaum Fragen

Olaf Latzel äußerte sich zu den Vorwürfen, aber eben nur auf Fragen seines Anwalts Böttner. Der Verteidiger schlug einen großen Bogen, zeitweise zelebrierte er die Befragung des Angeklagten geradezu. Da ging es über die Barmer Theologische Erklärung von 1934, die Reformation, Martin Luther bis hin zu einer Denkschrift der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) aus dem Jahr 1996, die ebenso wie Latzel vom Wortlaut der Bibel ausgeht.

Kurz vor Prozessbeginn: Pfarrer Olaf Latzel (r.) mit seinem Verteidiger Sascha Böttner.

Und in der wird Homosexualität wie vieles andere auch, zum Beispiel Untreue in der Ehe, als Sünde dargestellt. Sowohl Latzel als auch sein Verteidiger betonten, im Verlauf des Seminars seien an keiner Stelle Homosexuelle diffamiert worden. Der streng konservative Pastor bekräftigte, er verurteile Homosexualität, die nach biblischem Maßstab Sünde sei, aber nicht die Sünder selbst. „Sünder sind wir alle, ausnahmslos alle.“

Prozess gegen Bremer Pfarrer wegen Volksverhetzung: Anhänger demonstrieren

Vor dem Konzerthaus demonstrierten Anhänger des Pastors mit Sprüchen wie „Gott auf der Anklagebank“. Latzel hat in seiner Gemeinde starken Rückhalt. Gegen den Theologen, der sich als bibeltreu bezeichnet, waren schon 2015 ähnliche Vorwürfe erhoben worden, ein offizielles Verfahren wurde nicht eingeleitet.

Nach den Plädoyers hatte Latzel das Letzte Wort. „Ich bin nicht dieses Monster, zu dem ich in der Anklage gemacht worden bin“, sagte der 53-Jährige. Er begegne jedem Menschen als seinem Nächsten, und dies seien auch Homosexuelle. Gegen Latzel läuft auch ein Disziplinarverfahren bei der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), das bis zum Urteil ruht.

Prozess gegen Bremer Pfarrer wegen Volksverhetzung: Verteidigung fordert Freispruch

Staatsanwältin Marlene Wieland nannte Latzel im Plädoyer einen religiösen Fundamentalisten, der Menschen mit einem feindseligen Verächtlich-machen minderwertig erscheinen lassen wolle. Sie forderte für ihn eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 90 Euro.

Die Verteidigung forderte Freispruch. Ganz zum Schluss seines Plädoyers wies Anwalt Schult auf einen redaktionellen Fehler in der Anklageschrift hin. Demnach könnte Latzel schon allein deshalb nicht verurteilt werden, weil dort fälschlicherweise als Tatzeitpunkt das Datum der Äußerung angegeben ist, nicht der Zeitpunkt der Veröffentlichung. Das Urteil wird am Mittwoch um 10 Uhr verkündet.

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