Weyher Theater mit zweiter Spielstätte

Boulevardtheater Bremen öffnet im Tabakquartier

Ein erfolgreiches Team, das nun auch Bremen wieder großes Komödien-Leben einhauchen will: Intendant Kay Kruppa (links) und Dramaturg Frank Pinkus im Saal des Boulevardtheaters Bremen. Zu finden ist das Theater auf dem alten Brinkmann-Gelände in Woltmershausen.
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Ein erfolgreiches Team, das nun auch Bremen wieder großes Komödien-Leben einhauchen will: Intendant Kay Kruppa (links) und Dramaturg Frank Pinkus im Saal des Boulevardtheaters Bremen. Zu finden ist das Theater auf dem alten Brinkmann-Gelände in Woltmershausen.

Sie wollen an die Zeit der großen Komödien im einstigen Waldau-Theater anknüpfen: Die Macher des Weyher Theaters eröffnen im Tabakquartier in Bremen als zweite Spielstätte das Boulevardtheater Bremen.

Bremen – Kabel, die aus der Wand hängen, Fliesen, die im Bad herumliegen, viel Schmutz – weit gefehlt, das neue Boulevardtheater Bremen auf dem Gelände der alte Zigarettenfabrik Brinkmann in Woltmershausen ist bis auf wenige Detailarbeiten fertig. Das Weyher Theater kann in Kürze an seiner zweiten Spielstätte Am Tabakquartier 8 loslegen.

Enger Zeitplan für die Proben im Boulevardtheater

Zur Premiere am Freitag, 17. September (ausverkauft), steht das Stück „Und immer wieder zahlt das Amt“ auf dem Spielplan, eine Komödie von Michael Cooney. Im Neun-Personen-Stück spielen auch Kay Kruppa (49) und Frank Pinkus (62) mit, der eine Intendant, der andere Dramaturg an beiden Häusern. Die Probe beginnt am 31. August – das wird sportlich, auch wenn die Weyher das Stück vor etwa zehn Jahren schon einmal gespielt haben. Drei Wochen später gibt es die „Kalender Boys“ (Komödie von Kay Kruppa/Frank Pinkus) – Premiere wird am 8. Oktober gefeiert. Anschließend steht der Klassiker „Die Feuerzangenbowle“ (Premiere: 26. November) an. „Ein straffer Fahrplan, den wir die ersten Monate im neuen Theater haben“, sagt Kruppa.

Dieser alte Lastenaufzug wird mit Stehtischen ausgestattet (im Bild: Kay Kruppa, l., Frank Pinkus, r.).

Gebaut wird noch am Haupteingang, der einladend großzügig wirkt. Von hier gelangen die Besucher ins Foyer. Sie treffen auf eine moderne Bar mit viel hellem Holz in einem hohen Raum mit Industriecharme. Hier alte Stützen, da ein alter Lastenaufzug, der mit Stehtischen zu einem kleinen Gastbereich werden soll.

Relikt aus Brinkmann-Zeiten: eine Waage.

Weiter geht’s in den Theatersaal des denkmalgeschützten Gebäudes (Grundfläche: etwa 1500 Quadratmeter). Zigaretten und Tabak lagerten einst in den Hallen. Die Wände, die Säulen, alles original, sagt Pinkus. Neu sind die aufgesetzten modernen Akustikpaneele. „Damit uns auch die Besucher in der letzten Reihe verstehen“, betont Kruppa. Es hat etwas, dieses Fabrikgebäude. Kruppa drückt es so aus: „Industriecharakter vermischt mit Theatersamt, das ist etwas Außergewöhnliches.“ Die Sitze: dunkelblau, der Boden ebenfalls blau, ein wenig meliert. Die Bühne, etwa zwölf Meter breit, in der Mitte eine Drehbühne im Durchmesser von neun Metern. Facharbeit des Syker Spezialunternehmens TTS (Theatertechnische Systeme). Noch fehlt der Samtvorhang, auch er wird blau sein. 376 Plätze hat das Boulevardtheater plus vier Plätze für Rollstuhlfahrer. Das sind gut 60 Plätze mehr als in Kirchweyhe, „aber die Nähe zum Publikum bleibt erhalten“, so Kruppa. Vor den bequemen Sitzen: Ablageflächen aus hellem Holz, die Mitnahme von Getränken ist erwünscht. Zur Info: Wegen der Corona-Pandemie müssen derzeit Plätze freibleiben.

Der Haupteingang des neuen Boulevardtheaters Bremen im Tabakquartier. Noch wird hier fleißig gewerkelt.

Bewusst haben die Theatermacher bei der Bühne Maße wie in Weyhe gewählt, „damit wir Stücke auch mal tauschen können“. Aber das sei vorerst nicht geplant, „irgendwann einmal“. Zur Zeit gibt es zwei völlig getrennte Spielpläne, betonen Pinkus und Kruppa. Weiter geht die Besichtigung über die Hinterbühne, dann in die Werkstatt. Hier stehen Bühnenwagen. Ein wenig wirken sie wie riesige Wäschewagen in Hotels. Auf ihnen werden die Kulissen für die verschiedenen Stücke gelagert. Schneiderei, Probenraum, Konversationsraum (hier beobachten die Schauspieler auf Bildschirmen, wann sie auf die Bühne müssen – oder besser: dürfen), Garderoben, großzügige Sanitärbereiche für die Theaterbesucher folgen.

Boulevardtheater Bremen im denkmalgeschützten Gebäude

Mehrere Millionen hat das Bremer Immobilienunternehmen Justus Grosse, das das Tabakquartier entwickelt, investiert, um das denkmalgeschützte Gebäude nach den Wünschen der Weyher umzubauen. Apropos Grosse: Clemens Paul, neben Joachim Linnemann Geschäftsführer des Projektentwicklers, war es, der die Weyher nach Bremen gelockt hat. Mehrfach hat er das Theater in Weyhe besucht. „Und dann hat er uns irgendwann gefragt, ob wir nicht eine Spielstätte auf dem Brinkmann-Gelände eröffnen wollen“, erzählt Frank Pinkus. Und sie wollten, die Weyher. Der Mietvertrag läuft zunächst über zehn Jahre.

Das Foyer des Boulevardtheaters mit moderner Bar in einem Gebäude mit altem Industriecharme.

Das Ensemble wurde auf 30 Mitglieder fast verdoppelt, einige Schauspieler sind zunächst nur in Bremen auf der Bühne zu sehen. Aber Pinkus macht klar: „Wir sind ein Ensemble und zwei Häuser.“ Und welches Publikum hat das Boulevardtheater im Blick? „Wir wollen sie alle“, lacht Kruppa, meint das aber durchaus ernst. Ob jung, ob alt, ob Bremer oder 50 bis 60 Kilometer „umzu“ wohnend, auf sie setzen die Macher. Keine Angst, Publikum aus Weyhe abzuziehen? Nein, versichern Intendant und Dramaturg. Im Gegenteil, in Weyhe gebe es eine Warteliste für Karten, die würde sich verkürzen. Fast 90.000 Besucher hat das privat finanzierte Weyher Theater im Jahr, es ist fast immer ausgebucht. In Bremen hoffen die Macher anfangs auf 40 Prozent Auslastung, später durchaus auf 90 Prozent. Dass das Projekt Boulevardtheater Bremen ein ehrgeiziges ist, das ist Kruppa und Pinkus, die beide Theatererfahrungen in Bremen haben, bewusst. „Aber wenn wir nicht daran glauben würden, würden wir es nicht machen.“ Pinkus hat ein klares Ziel: Er will an die guten Komödien-Zeiten des Waldau-Theaters anknüpfen. Und ein großes Haus, das Komödien mit bis zu zehn Schauspielern zeigt, das gebe es in Bremen nicht mehr.

Tickets fürs Boulevardtheater gibt es etwa ab 25 Euro unter 0421/64 85 320. Mit dem Auto ist das Tabakquartier über die Neuenlander Straße/Senator-Apelt-Straße zu erreichen. Neben dem Theater befinden sich Parkhaus und Restaurants.

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