Urteil im Mordprozess: Achteinhalb Jahre Haft für Haupttäter

„Es ging ums Vernichten“

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Sie nahmen das Urteil nach außen hin ohne Regung auf: Sandy B. (oben links) wurde wegen versuchten Totschlags, Fabian W. (unten links) wegen Beihilfe zum Mord verurteilt. Jan G. (unten rechts) wurde des Mordes schuldig gesprochen.

Bremen - Von Steffen Koller. Urteilsverkündung am Landgericht Bremen: Im Mordprozess gegen drei Jugendliche muss der 21 Jahre alte Hauptangeklagte Jan G. achteinhalb Jahre wegen Mordes hinter Gitter. Sandy B. (18) muss für zwei Jahre ins Gefängnis, Fabian W. (18) wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Das Opfer, der 15-jährige Rolf S., war im Oktober 2014 erst zusammengeschlagen und später mit 27 Messerstichen umgebracht worden.

Montagvormittag, kurz nach 11 Uhr. Die drei Angeklagten betreten den Sitzungssaal 218. Vor ihre Gesichter halten sie Zettel, ihre Kapuzen haben sie tief ins Gesicht gezogen. Kamerateams und Fotografen verfolgen das Geschehen, genau wie rund 60 Personen im Zuschauerraum. Kurz darauf das Urteil: Haupttäter Jan G. muss für acht Jahre und sechs Monate in Haft. Die Große Jugendstrafkammer spricht ihn wegen Mordes schuldig.

Sein Komplize Fabian W. wird wegen Beihilfe zum Mord verurteilt, er muss auf unbestimmte Zeit in eine psychiatrische Klinik. Die beiden Männer müssen zudem 10000 Euro Schmerzensgeld nebst Zinsen an die Eltern des Opfers zahlen. Die Angeklagten nehmen das Urteil nach außen hin ohne sichtbare Regung auf. Sandy B., wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung schuldig gesprochen. Sie erhält eine Jugendstrafe von zwei Jahren. In den nächsten vier Monaten hat die 18-Jährige Zeit, sich psychologische Hilfe zu suchen und eine Drogentherapie zu machen. Sollte das Gericht ihre Bemühungen für ausreichend empfinden, wird die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Vorsitzender Richter Christian Zorn findet während der Urteilsbegründung klare Worte für die Angeklagten und sehr bewegende für die Eltern von Rolf. Kurz nach den Schlussplädoyers vergangene Woche hatten sich die beiden männlichen Angeklagten bei der Familie des Schülers entschuldigt. Für Zorn „nur ein kläglicher Versuch“. Sandy hingegen habe sich mit der Tat auseinandergesetzt und Reue gezeigt, so Zorn. Zu Rolfs Eltern sagt er: „Sie haben mutig ausgehalten.“

Während Zorn die schrecklichen Details der Tatnacht rekonstruiert, herrscht im Saal absolute Stille. Zuschauer weinen, Rolfs Eltern rücken zusammen, halten sich an den Händen. Nach der Beweisaufnahme ist sich das Gericht sicher, dass alle Angeklagten nach einer Party in Jans Wohnung zusammen mit Rolf auf einen Sportplatz in Gröpelingen gegangen sind. Bereits zu diesem Zeitpunkt herrschte eine aggressive Stimmung. Es folgten Schläge und Tritte gegen Rolf, der benommen zu Boden sank. Immer wieder traten die drei auf ihr Opfer ein, so das Gericht. „Es ging ums Vernichten, nicht ums Verletzen“, so die Worte von Richter Zorn.

Das Motiv für die Tat ist bis heute unklar. Sie ließen Rolf bewusstlos liegen, dann kehrten Jan und Fabian mit Messern zurück. Während Fabian teilnahmslos danebenstand, stach Jan 27-mal in den Hals des Schülers, ist sich das Gericht sicher. Es spricht von einer „Verdeckungstat“. Kurz danach begaben sich Jan, Fabian und Sandy abermals zum Tatort, bespuckten die Leiche von Rolf und machten Fotos. Für Christian Zorn „ein schändliches Nachtatgeschehen.“ Alle drei legten im Laufe des Prozesses Teilgeständnisse ab, was sich strafmildernd auf das Urteil auswirkte. Dennoch merkt Zorn an, dass vieles davon „geschönt“ war.

Rolfs Eltern verlassen nach dem Prozess umgehend das Gerichtsgebäude. Laut Rechtsanwalt Detlef Vetter, der die Eltern als Nebenkläger vertritt, hätten sie das Urteil „gefasst“ aufgenommen. „Jetzt beginnt die Phase der Verarbeitung. Für die Art, wie meine Mandanten das Ganze durchgestanden haben, bewundere ich Sie.“

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