Harms-Großbrand: Anklage wegen Brandstiftung gegen Inhaber und zweiten Mann

Täter statt Opfer?

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Vom Modehaus Harms Am Wall blieb nach dem Großbrand im Mai nur eine Ruine.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Die Staatsanwaltschaft Bremen hat wegen besonders schwerer Brandstiftung gegen den früheren Geschäftsführer und Inhaber des Modehauses „Harms am Wall“ sowie einen zweiten Mann Anklage erhoben. Das hat heute Oberstaatsanwalt Frank Passade mitgeteilt.

Den 63 und 53 Jahre alten Angeschuldigten wird zur Last gelegt, das Modehaus in den Abendstunden des 6. Mai 2015 vorsätzlich in Brand gesetzt zu haben. Dadurch, so der Vorwurf, soll ein schwerer Raub vorgetäuscht worden sein, um einen geplanten Versicherungsbetrug durch die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen zu ermöglichen.

Bei dem Großbrand am 6. Mai war das aus dem Jahr 1909 stammende Harms-Gebäude völlig vernichtet worden. Es entstand ein Millionenschaden. Schnell stellten die Experten fest, dass es sich um vorsätzliche Brandstiftung handelte. Und schnell geriet Geschäftsführer Hans Eulenbruch (63) in Verdacht. Sechs Wochen nach dem Feuer wurde er das erste Mal festgenommen. Damals sah der Richter jedoch – anders als die Staatsanwaltschaft – keinen dringenden Tatverdacht. Eulenbruch kam nach einer Stunde wieder frei. Im Sommer 2015 eröffnete er nur wenige Meter neben dem abgebrannten Haus ein neues Modegeschäft.

Im Dezember ließ sich ein Haftrichter offenbar von den vorgetragenen Indizien überzeugen. Die Ermittler hatten in der Brandruine zahlreiche Spuren gesichert. Im Sommer wurde auch das Privathaus von Eulenbruch durchsucht, ebenso weitere Geschäftsräume. Der 63-Jährige hatte nach dem Brand vor der Polizei ausgesagt, er sei niedergeschlagen und in der Toilette eingesperrt worden. Er habe sich schließlich befreien, gerade noch Videoaufnahmen retten und den Flammen entkommen können. Er mutmaßte, dass Einbrecher das Feuer aus Wut gelegt hätten, da kein Geld im Laden gewesen sei. Mit einem Ausschnitt aus den Aufnahmen ging die Polizei später an die Öffentlichkeit. Zu sehen ist am Tatabend ein vermummter Mann, der humpelt.

Eulenbruch und der 53 Jahre alte Mann sollen sich kennen und kommen beide aus dem Bremer Umland, aber aus unterschiedlichen Orten.

Die Videos waren neben Spuren vom Brandort und „Ungereimtheiten“ in der Aussage des Inhabers ein „wesentlicher Punkt“ in der Indizienkette der Staatsanwaltschaft. Die Ermittler schauten sich Videobänder an, die Wochen vor dem Brand aufgenommen worden waren. Und sie waren der Auffassung, den humpelnden Mann bei Harms zusammen mit Eulenbruch auf einem Video aus dem April entdeckt zu haben. Der Mann wurde ermittelt und sitzt genau wie der frühere Geschäftsführer selbst seit Mitte Dezember hinter Gittern.

Wie Oberstaatsanwalt Passade heute auf Nachfrage sagte, haben die beiden Angeschuldigten kein Geständnis abgelegt. Eulenbruch bleibe weiter bei seiner Aussage, er sei in den Geschäftsräumen überfallen worden.

Der Großbrand hinterließ nicht nur im Harms-Gebäude, in dem Eulenbruch Mieter war, Spuren, sondern auch an den benachbarten Häusern. Der Wall war monatelang gesperrt, da Teile von der Ruine zu fallen drohten. Ein Großteil des Gebäudes musste von Hand abgetragen werden. Im Herbst wurde der Wall zunächst zur Einbahnstraße, die die Beteiligten einvernehmlich ausgemacht hatten. Die Autos durften lediglich Richtung Sögestraße fahren, was zu einigem Chaos führte. Die Geschäftsleute baten das Bauressort, den Wall wieder zu öffnen. Seit Dezember ist der Boulevard wieder in beiden Richtungen befahrbar. Der Abriss der Ruine wird noch Monate dauern.

Feuer in viergeschossigem Gebäudekomplex

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