Anklage wegen versuchten Mordes

Prozess gegen mutmaßliche Serien-Steineleger: Heimtückische Neugier

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Unter großem Medien- und Öffentlichkeitsinteresse begann am Montag der Prozess gegen Niels L. (24, r.) und den Mitangeklagten Sebastian R. (25, l., weißes Hemd). Beiden wirft die Anklage unter anderem versuchten Mord in mehreren Fällen vor.

Bremen - Von Steffen Koller. Sie taten es vermutlich immer und immer wieder, jetzt müssen sich zwei junge Männer unter anderem wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Bremen verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Niels L. (24) und sein Kumpel Sebastian R. (25) in mehr als 20 Fällen Steine, Nagelbretter und andere zum Teil mehrere Kilo schwere Gegenstände auf Autobahnen in Bremen und Umgebung legten und so „versucht haben, einen Menschen heimtückisch zu töten“, hieß es am Montag zu Prozessauftakt in der Anklage.

Fotoapparate klicken, Kameras sind auf die Angeklagten gerichtet, als sie am Montag Saal 218 des Bremer Landgerichts betreten. Niels P. und Sebastian R. halten eine Mappe und eine Zeitungsseite vor ihre Gesichter, ihre Hände zittern. Als Jürgen Seifert, Vorsitzender Richter in diesem Verfahren, den Sitzungssaal betritt, können viele Zuschauer zum ersten Mal die Gesichter derjenigen sehen, die mutmaßlich dafür sorgten, dass Autofahrer in und um Bremen mehr als zwei Jahre lang mit einem mulmigen Gefühl über angrenzende Autobahnen fuhren. L. und R. wirken blass, ihre Blicke sind gesenkt. Staatsanwalt Arne Kluger wirft den Männern, die beide aus Bremen stammen, neben heimtückischem Mordversuch in mehreren Fällen auch gefährliche Körperverletzung und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor.

Konkret geht es um 22 beziehungsweise 23 Fälle, in denen die Angeklagten Gegenstände auf Autobahnen oder Autobahnzubringer, Bundesstraßen und Ortsdurchfahrten gelegt haben sollen. Die Angeklagten wollten, dass es zur Kollision kam, so die Anklage. Und das geschah auch in den meisten Fällen. Alles begann Ende August 2015. Kurz vor ihrer ersten Tat hätten die Angeklagten, so Staatsanwalt Kluger, beobachtet, wie ein Auto mit einem auf einer Autobahn abgestellten Sofa zusammenprallte. „Um zu schauen, was passiert“, kundschafteten L. und R. von da an gezielt „geeignete“ Orte aus und legten selbst am 25.  August einen Barkenfuß auf die Autobahn. Es kam nur zu Blechschäden.

Steine auf Autobahnzubringern: Prozess-Auftakt in Bremen

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Eine Woche später, am 1.  September, sollen die beiden zwei Steinblöcke auf die B 6 bei Brinkum gelegt haben. Eine Fahrerin stieß mit den Blöcken zusammen, überschlug sich und wurde verletzt. Die Angeklagten, zu diesem Zeitpunkt wohl geschockt von den Folgen, leisteten Erste Hilfe. Bis zum Frühjahr 2016 blieb es ruhig, dann taten sich die jungen Männer laut Anklage erneut zusammen und setzten ihr Treiben fort.

Insbesondere im Sommer 2017 spähten L. und R. „arbeitsteilig“ und „mit einem gemeinsamen Tatplan“ zum Teil mehrmals am Tag und über Wochen hinweg Orte aus, platzierten dort laut Kluger unter anderem Ziegel- und Feldsteine, Granitblöcke, Gehwegplatten, 28 Kilo schwere Bodenplatten für Verkehrsschilder und ein selbstgebautes Nagelbrett und verschwanden vom Tatort.

Gesamtschaden: Mehrere zehntausend Euro

Wie aus den Schilderungen des Staatsanwaltes weiter hervorgeht, hätten die Männer die Gegenstände zum Teil hinter Kuppen, in Kurven und immer in der Dunkelheit ausgelegt. Manchmal sollen sie sie auch aus ihrem fahrenden Wagen geworfen haben. Bis Ende November 2017 kam es immer wieder zu Kollisionen, ein Gesamtschaden von mehreren zehntausend Euro entstand.

Für den Prozess, der voraussichtlich noch bis Weihnachten dieses Jahres dauern soll, sind elf weitere Verhandlungstage angesetzt. Fortgesetzt wird die Verhandlung am Freitag, 21. September.

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