Bremer Philharmoniker begeistern mit „Fensterkonzert“ auf Marktplatz

Musik aus allen Richtungen

Auf einem 360-Grad-Podest auf dem Bremer Marktplatz: Marko Letonja, der Generalmusikdirektor der Bremer Philharmoniker, dirigiert das „Fensterkonzert“ und muss dabei immer wieder die Richtung wechseln.
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Auf einem 360-Grad-Podest auf dem Bremer Marktplatz: Marko Letonja, der Generalmusikdirektor der Bremer Philharmoniker, dirigiert das „Fensterkonzert“ und muss dabei immer wieder die Richtung wechseln.

In diesen schwierigen Zeiten Freude bereiten, das wollten die Bremer Philharmoniker mit ihrem „Fensterkonzert“ auf dem Marktplatz erreichen. Und das haben die Musiker geschafft.

Bremen – Eine Klangatmosphäre, in der auch ein König eintreffen könnte: Majestätische Trompetenklänge erobern den Marktplatz. Drei Trompeter spielen erst einzeln, dann zusammen aus drei Richtungen. Benjamin Brittens „Fanfare for St. Edmundsbury“ steht am Anfang des „Fensterkonzerts“ der Bremer Philharmoniker am Sonnabend auf dem Bremer Marktplatz.

Die Trompeten sind weit verteilt. Eine erklingt aus einem Fenster über dem Beck’s Bistro, eine weitere aus einem Fenster des Parlamentsgebäudes, die dritte vom Rathausbalkon. Auf dem Marktplatz und drumherum ist es ordentlich voll.

„Fensterkonzert“ der Bremer Philharmoniker: Von einem Spielort zum nächsten

Solo-Trompeter Thomas Ratzek muss sich während des Konzerts viel bewegen. Er spielt über dem Bistro, auf einer Bühne auf dem Marktplatz und aus einem Fenster im Haus Schütting. Am ersten Spielort hat er sich die Noten links ans Fenster geklebt. „Es ist nur ein kurzes Stück“, sagt er. Beim Spiel aus dem Schütting liegen die Noten vor den Trompetern.

Vier Hornisten spielen auf dem Balkon des Rathauses. Beim Horn geht der Klang nach hinten, erklärt Hornist Matthias Berkel. Die Hörner spielen den ersten Satz „Alla Marcia“ des Komponisten Friedrich Constantin Homilius. Marschcharakter und zartere Passagen bezaubern und sind trotz des Abstands gut und detailliert zu hören.

Die „Suite im alten Stil“ von Michael Praetorius erklingt aus drei Richtungen: Hörner vom Rathausbalkon, Trompeten aus Fenstern des Schütting und Posaunen aus Fenstern der Bürgerschaft. Da lohnt es sich, in die verschiedenen Richtungen zu blicken und zu lauschen. Generalmusikdirektor Marko Letonja dirigiert. Auf einem 360-Grad-Podest muss er sich viel drehen, während die Musiker aus Fenstern und vom Rathausbalkon spielen.

Die Bremer Philharmoniker haben ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt. Vier Posaunen lassen zwei Sätze aus einer Suite von Georg Philipp Telemann von ihrem Platz in Fenstern der Bürgerschaft erklingen.

Doch nicht alles kommt aus den Fenstern und vom Balkon. Auf einer Bühne auf dem Markplatz werden Jazz-Nummern gespielt. Die etwas orientalisch anmutende Melodie von Duke Ellingtons „Caravan“ klingt dank gedämpfter Trompete ganz besonders nach Abenteuer und Ferne. Ganz andere Musik: Zwei Programmpunkte des Konzertes sind Alphörnern gewidmet.

Ein wunderbares Konzert! Ein Bremer (76) ist begeistert. Die Stückauswahl gefällt ihm. „Toll, dass auch Jazz gespielt wurde“, sagt er. Letonja geht es, wie er sagt, auch darum, mit Musik in schwierigen Zeiten Freude zu verbreiten und ein Lächeln auf die Gesichter zu bringen. Das hat er geschafft. Bereits 2019 hat es ein erstes Fensterkonzert gegeben, ein weiteres 2020. Bei der Idee sei es darum gegangen, ein spontaneres und abwechslungsreicheres Konzert hinzubekommen als beim Spiel von einer Bühne, sagt Intendant Christian Kötter-Lixfeld. Um den Markplatz gebe es viele historische Gebäude mit Fenstern.

Bremer Philharmoniker mit „Perkussionfeuerwerk“

Nach dem „Fensterkonzert“ wird es etwas wilder. Eiförmige Shaker, mit denen man raschelnde Rhythmen spielen kann, werden im Publikum verteilt. Zwei Männer laufen mit einem präparierten Einkaufswagen auf den Marktplatz. Das Mitmach-Konzert „Perkussionfeuerwerk“ mit den Perkussionisten Thomas Schacht und Matthias Entrup von der Musikwerkstatt der Bremer Philharmoniker beginnt. An dem Einkaufswagen befinden sich unter anderem ein Becken und fünf gestimmte Abflussrohre mit Deckel. Die Musiker bespielen den Wagen mit Sticks und teilweise sogar mit Fußtritten. Wilde Rhythmen erklingen.

Inspirierten die Zuschauer beim Spiel am Einkaufswagen zum Mitmachen: die Perkussionisten Matthias Entrup (r.) und Thomas Schacht.

Später auf der Bühne wird das Publikum zur „Klapperschlange“, wie Entrup es ausdrückt. Schnell lernt es, die Shaker mit dem Rhythmus der Worte „Klapperschlange, Klapperschlange“ zu spielen. Dann bieten die Zuschauer vollen Körpereinsatz, indem sie zu Sprache mit dem Fuß stampfen, sich auf Bauch und Brust klopfen und klatschen. Eine niedrigschwellige und spaßige Heranführung ans Musizieren.

Die Konzerte in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Bremen sollen einen Vorgeschmack auf das Themenjahr „Klangfrisch 2022 – Stadt der Musik“ geben.

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