„Mühle auf Amrum“ von Holger Hertwig

„Mein Kunst-Stück“: Das Erlebnis wird zum Impuls

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Holger Hertwig mit seinem farbintensiven und abstrakten Gemälde „Mühle auf Amrum“, in dem er Eindrücke aus der Erinnerung in einen künstlerischen Impuls umwandelt.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Mühle auf Amrum“ heißt Holger Hertwigs Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. In Acryl auf Holz wandelt der Maler einen Eindruck aus seiner Erinnerung in einen künstlerischen Impuls um.

Die „Mühle auf Amrum“ ist eines der jüngsten Bilder von Holger Hertwig und deswegen auch nicht „auswärts auf Ausstellung“. Es ist aber auch exemplarisch für Hertwigs Malerei, die konsequent expressionistisch ist. Details, naturgetreue Farbgebung und eine realistische Perspektive spielen für ihn keine Rolle. Expressionistische Bilder zeigen kräftige Farben, vereinfachte Konturen und sind Ausdruck eines Gefühls und des Moments.

Häufig malt Hertwig Landschaften. „Als studierter Geograph ist das vielleicht naheliegend“, sagt er. Obwohl Hertwig Wanderungen liebt, malt er immer im Atelier. „Es ist ein intuitives Malen, bei dem ich versuche, den Kopf auszuschalten“, sagt er. Voraussetzung sei, dass er das Motiv erlebt hat. „Wenn ich solche Bilder male, ist das viel erschöpfender, als eine realistische Darstellung“, sagt Hertwig. Bei Letzterem komme es zwar auf mehr Details an und es dauere in der Summe länger. Doch bei seiner impulsiven Arbeit gebe es nicht die Möglichkeit, langsam zu machen oder gar zu korrigieren. Und am Ende müssten Farbe und Form trotzdem stimmen.

Charakteristisch für Hertwigs Arbeiten

„Mühle auf Amrum“ zeigt einige Merkmale, die für Hertwigs momentane Arbeiten charakteristisch sind. Es zeigt einen sehr dicken Farbauftrag, und es weist ein Maximum an Abstraktion auf, ohne gegenstandslos zu werden. „Farbintensität und Kontraste spielen bei mir seit mehr als zehn Jahren eine Rolle“, erzählt der Bremer Künstler, „aber hier habe ich die Grenzen zum Abstrakten weit ausgelotet.“

Auf die Kunst kam Hertwig durch einen Ausstellungsbesuch. Er sah die wilden und kraftvollen Bilder der Künstlergruppe „Brücke“ und war begeistert. Obwohl der Bremer schon als Kleinkind Flugzeuge, Lokomotiven und Autos malte und in der Schule Kunst als Leistungskurs gewählt hatte, machte erst diese Erfahrung die Kunst zu mehr als einem Hobby. Hertwig begann mit hoher Intensität zu malen. Heute schafft er bis zu 40 große Bilder im Jahr und das, obwohl er als Lehrer tätig ist. Dadurch ist der Lebensunterhalt für ihn keine große Herausforderung. Umso mehr dafür aber der Umgang mit der Zeit, den eigenen Ressourcen und der künstlerischen Weiterentwicklung.

„Es gibt Dinge, ohne die kann man nicht“

Ob wir Kunst brauchen? – „Ja“, meint der Maler. „Es gibt Dinge, ohne die kann man nicht. Und für den Künstler ist dies die Kunst.“ Kunst sei unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft – ob zur Zerstreuung oder appellativ.

Zu den Künstlern, die für Hertwig besonders bedeutend sind, zählen der deutsche Expressionist Karl Schmidt-Rottluff (1884 bis 1976) und der russisch-deutsche Maler Alexej von Jawlensky (1864 bis 1941). Bei Schmidt-Rottluff ist es das Kraftvolle seiner Bilder, das Hertwig mag. Aber auch, dass der Künstler dem Expressionismus treugeblieben ist, obwohl dieser nach dem Krieg keine große Rolle mehr spielte. Jawlenskys Bilder zeigten eine hohe farbliche Intensität. Ihm sei es hervorragend gelungen, sich vom Gegenständlichen zu lösen. Trotz der Abstraktion bliebe der Gegenstand aber erkennbar.

Wenn Hertwig jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ist es ein Bild vom Stadion am Panzenberg. Das geht zum 111. Geburtstag an den Bremer Sportverein von 1906 (BSV), Bremer Dauermeister. „Als ich mich vom kommerziellen Fußball abgewendet habe, habe ich beim BSV ein neues Fußball-Zuhause gefunden – mit Stadionwurst und Bier für je zwei Euro.“

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