Mordprozess gegen 33-Jährigen fortgesetzt

„Ich hätte weiter zugestochen“

Bremen - Von Martin Kowalewski. Der Mordprozess gegen Timo K. (33) am Landgericht Bremen ist am Freitag fortgesetzt worden. Ihm wird vorgeworfen, aus Eifersucht mehrfach auf den Lebensgefährten (34) seiner Ex-Freundin eingestochen zu haben. Das Opfer starb wenige Wochen später starb im Krankenhaus. Der Angeklagte räumte die Stiche vor Gericht ein, will aber aus Notwehr gehandelt haben.

Am Freitag berichteten zwei Polizisten von der Verhaftung am 14. März, bei der sich K. ruhig und kooperativ verhalten habe. Möglicherweise ging vor der Tat ein Warnanruf von der Schwester des 33-Jährigen bei der Polizei ein. Auch gebe es Hinweise auf eine Ankündigung der Tat im Internet, hieß es jetzt vor Gericht.

Der Polizist gibt als Zeuge an, am Tatort zunächst eine am Boden liegende Person und eine Traube von Menschen gesehen zu haben. „K. kam sofort mit erhobenen Händen auf mich zu. Er sagte, er habe auf das Opfer eingestochen und wollte den Tod herbeiführen, und er habe die Tat bewusst begangen. Ich musste den erstmal bremsen und die Rechtsbelehrung machen“, so der Polizeibeamte. Da K. erst zehn Tage zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden sei, habe er die Inhalte der Rechtsbelehrung allerdings bereits gekannt.

Als ob eine Last von ihm abgefallen sei

Auf die Frage der Richterin, wie der Angeklagte währenddessen auf ihn gewirkt habe, antwortet der Polizeibeamte: „Ich habe schon öfter Leute direkt nach Straftaten gesehen. Die standen unter Adrenalin, waren aggressiv und sind auf mich losgegangen. K. war überhaupt nicht so. Er war ruhig und reserviert und absolut kooperativ.“ Es sei gewesen, als ob eine Last von ihm abgefallen sei. Der Zorn des Angeklagten habe wohl nur dem Opfer gegolten.

Der Zeuge hatte als erster Beamter Kontakt mit dem Angeklagten. Dieser habe gesagt: „Wäre die Klinge nicht abgebrochen, ich hätte weiter zugestochen.“ Zudem habe K. auf die fünf gemeinsamen Kinder mit seiner Ex-Freundin hingewiesen. Für sie habe er die Tat begangen. Der Angeklagte bestreitet, diese Aussagen am Tatort gemacht zu haben. Der Verteidiger von K., Jan von Lengerich, fragt nach einem Anruf seitens der Schwester des Angeklagten, in dem sie vor der Tat gewarnt habe. Davon weiß der Polizeibeamte nichts und empfiehlt, beim Lagezentrum nach den Telefonverbindungen zu fragen.

Die Schwester des Angeklagten ist für den 18. November als Zeugin angekündigt.

Nervosität während Methadon-Ausgabe

Kurz vor der Tat hatten K., der Getötete und dessen Freundin in einer nahen Arztpraxis Methadon erhalten. Im Zeugenstand erzählt eine Arzthelferin, sie habe „eine gewisse Unruhe“ bei Patienten bemerkt. Sie vermutet eine Ankündigung der Tat über „Facebook“ als Grund. Auch der Angeklagte sei vor der Ausgabe nervös gewesen. Das spätere Opfer habe der Zeugin erzählt, es sei glücklich, denn es habe seine Freundin zurück. Diese sei vorher vorübergehend zu K. zurückgekehrt, als dieser aus der Haft kam. Allerdings sollen auch der 34-Jährige und seine Freundin „sehr nervös“ gewesen sein. Letztere kam nach den Messerstichen auf ihren Freund wieder in die Praxis gelaufen. Auch K. kam hoch und suchte die Frau, wurde aber aufgefordert, die Praxis sofort zu verlassen. „Er hatte einen starren Blick, so als sei er in einem Tunnel“, sagt die Arzthelferin.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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